Das Maischützen ABC

Das Maischützen - ABC unter Einbeziehung militärhistorischer Geschichtsquellen.

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Kompanie

Das Wort Kompanie (früher Kompagnie geschrieben) ist seit dem Mittelalter fast über ganz Europa verbreitet: franz. Compagnie, ital. Compagnia, engl. Company, span. Compania, portug. Companhia, poln. Compania, böhm kumpanye. Das Wort hatte ursprünglich keine militärische Beziehung, sondern bedeutete einfach Gesellschaft, Gemeinschaft bzw. Genossenschaft. In der Kaufmannssprache ist es heute veraltet und im Sinne von "Handelsgesellschaft" nur noch in den Abkürzungen Co. und Cie. hinter Firmennamen gebräuchlich. In Deutschland trat Kompanie um 1600 an die Stelle von "Fähnlein" zur Bezeichnung der taktischen Grundeinheit. Das Wort gewöhnlich vom mittellateinischen - companium - abgeleitet, das aus cum ( = mit) und panis ( = Brot) zusammengesetzt "Brotgemeinschaft", "Tischgemeinschaft" bedeutet, also an die Syssitien, die nach den gemeinsamen Mahlzeiten benannten untersten Heereseinheiten der Spartaner erinnert. Die Mannschaften ein und derselben Kompanie wären dann "Kumpane": Leute die miteinander ihr Brot essen. Nach Grimm dagen scheint das Wort vom lateinischen - pagus - ( = Gau) zu stammen und compagnia die Landsmannschaft ausgedrückt zu haben. Für diese Deutung spricht, dass accompagner ursprünglich zu bedeuten scheint: mit einem über Land gehen, ihn von Land zu Land zu begleiten. Das Bataillon der Bochumer Maiabendgesellschaft gliedert sich in vier Kompanien, die jeweils von einem Kompaniehauptmann geführt werden. Ihm stehen - in der Regel - neben dem Adjutanten ein Stab, bestehend aus Schatzmeister, Schriftführer und Presseoffizier sowie einem Fahnen- und Birkemeierkommando zur Verfügung.

 

 

Kokarde

In Frankreich nannte man, anfangs scherzweise, eine farbige, rosettenförmige Bandschleife am Hute coquarde (später cocarde). Diesen Namen bekam sie, weil sie wie ein Hahnenkamm (coq=Hahn) gezähnt war und in bunten Farben schillerte. Außerdem war der Hahn schon im Altertum das Sinnbild der Einsatzbereitschaft und Wachsamkeit. Während der französischen Revolution erhielt die Kokarde eine besondere Bedeutung: Sie wurde zum Nationalabzeichen. Diesem Beispiel folgten bald auch andere Staaten. Nach anderen rührt der Name Kokarde daher, dass Soldaten ursprünglich einen Stutz aus Hahnenfedern als Erkennungszeichen an den Kopfbedeckungen trugen. Später traten an die Stelle der Hahnenfedern Büschel von bunten Bändern, und schon im 17. Jahrhundert waren farbige Bandschleifen gebräuchlich. Etwa um 1800 legte man die Bänder rosettenförmig gefaltet zusammen. Dann fertigte man die so entstandenen Kokarden aus Leder, schließlich aus geriefeltem Metall. Als Nationalitätsabzeichen wurde die Kokarde in deutschen Heeren Anfang des 19. Jahrhunderts üblich. Das Trageverbot einer Kokarde galt als entehrende Strafe. Preußen, das eine Armee aus "Landeskindern" anstrebte, führte die Kokarde 1808 ein, andere Staaten folgten. Schon einmal, wie heute, führten deutsche Soldaten schwarz-rot-goldene Kokarden - im Heer des Deutschen Bundes von 1848 - 1851. An den Schützen- und Offiziermützen sind stirnseitenmittig auf dem Mützenband die blau-weiße Kokarde befestigt. Die um 1800 gebräuchliche rosettenförmige Kokarde tragen die Maischützen links auf ihrer Uniform.

 

Kuhhirten - Denkmal

Zwischen Propstei und Pauluskirche, an der Bongardstraße oberhalb des "Alten Marktes, steht das Denkmal von Bochums letztem Kuhhirten, Fritz Kortebusch und seinem treuen Hund. Bis 1870 führte er das Vieh der Bürger zum kostenlosen Fressen auf die städtischen Weide (Vöde), dem heutigen Stadtpark, in dem auch bis 1996 jährlich die Junggeselleneiche gepflanzt wurde. Nach der Einschmelzung des Denkmals im zweiten Weltkrieg wurde 1962 eine Nachgestaltung des 1908 errichteten Originals wieder aufgestellt. In der III. Kompanie der Bochumer Maiabendgesellschaft nennt sich eine Junggesellengruppe "Gruppe Kortebusch". Darüber hinaus wird u.a. der amtierende Junggesellenhauptmann an diesem Denkmal den Bürgern der Stadt Bochum vor dem Maiabendfest anlässlich des Schützenbiwaks vorgestellt.

 

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Junggesellenhauptmann

Führer des Junggesellenoffiziercorps; wird auf der jährlich stattfindenden Jahreshauptversammlung durch die Junggesellenoffiziere gewählt und durch den Vorstand der Bochumer Maiabendgesellschaft ernannt. Unter seiner Führung marschieren die Maischützen sowie die Gastvereine nach Harpen.

 

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Hauptmann

"Hauptmann" hatte früher die allgemeine Bezeichnung von Anführer, Oberbefehlshaber; das Wort bezeichnet also einen, der wirklich "Haupt-Mann" war und niemand über sich hatte. Das vom deutschen "hauptmann" gebildete Wort Hetmann bezeichnete im ehemaligen Königreich Polen und bei den Kosaken den Oberbefehlshaber des Heeres. Der Oberfeldherr hieß im mdh. - houbetman oder meister. Burggraf Friedrich VI. von Nürnberg wurde 1411 von dem deutschen König Sigmund zum "Verweser und obristen Hauptmann der Marken" ernannt. "Stadthauptmann" hieß der Befehlshaber zur sämtlicher Stadtverteidigung aufgebotener Bürger. Wallenstein wird 1633 in einer "Instruktion oder Memoriale des Kaisers" als General-Veldt-Hauptmann bezeichnet. Der Titel hat von einer sehr stolzen Höhe auf seine jetzige Stellung hinabsteigen müssen. Bei den Landsknechten stand der Hauptmann an der Spitze des Fähnleins, das er meistens im Auftrag des Obersten selbst angeworben hatte. Nach der Errichtung der stehenden Heere blieb insofern eine Erinnerung daran, als den Hauptleuten die gesamte Verwaltung ihrer Kompanien belassen wurde. Im 17. und 18. Jahrhundert verdrängte der Titel "Kapitän" den "Hauptmann" auf längere Zeit. In die preußische Armee wurde er wieder eingeführt durch König Friedrich Wilhelm IV. (1842). Bei der Vollziehung von Patenten bemerkte er, dass es angemessen sei, den "Kapitän" durch "Hauptmann" zu ersetzen. Die bayrische Armee nannte ihre Hauptleute bei den Stäben "Stabshauptmann". In der Bochumer Maiabendgesellschaft in der Regel Dienstgradbezeichnung der aktiven und ehemaligen Kompanieführer der 1. - 4. Kompanie. Die aktiven Kompaniehauptleute gehören zugleich dem Vorstand der Maiabendgesellschaft an.

 

 

Der Hellweg

Auf dem Hellweg (heute B 1) zogen bereits die Römer zur Eroberung Germaniens nach Osten. Er wurde im 8. Jh. die Hauptverkehrsader nach Osten. Die Landschaft um diesen Hellweg, der "Via regia", der Königsstraße, erfuhr durch Karl den Großen eine erste grundlegende Verwandlung. Königshöfe, Einzelhöfe und Weiler entstanden. Wälder wurden gerodet, Wiesen und Weiden angelegt. Neue Straßen erschlossen das Land; der alte Hellweg wurde ausgebaut und durch die Anlage von Burgen befestigt. Der Hellweg diente auch als Nachschubweg in den Kriegen, die Karl der Große gegen die Sachsen führte. Der Hellweg führte von Mühlheim über Essen, Bochum, Marl, Dortmund, Unna, Soest und Paderborn. Überall dort, wo die West - Ost - Achse von Nord - Süd - Wegen gekreuzt wurde, entstanden die Kerne späterer Städte, aus denen die Knotenpunkte weiterer Entwicklung hervorgingen : Duisburg, Essen, Dortmund und Soest waren die bedeutendsten Orte. Sie wurden Umschlagplätze der Kaufleute und Ballungen städtischer, geistlicher und fürstlicher Macht. Auf dem Hellweg wurden zwischen Magdeburg, Goslar, Paderborn, Soest, Dortmund und Köln Metalle des Harzes nach Westen befördert, flanderische Tuche und Wein nach Osten. Das Salz der Solequellen bei Unna, Werl und Soest war ein begehrter Handelsartikel und begründete den Reichtum in den östlichen Hellwegstädten, vor allem in Soest. Die nördlich und südlich des Hellweges liegenden Städte brachten ihre Güter zur dieser Fernhandelstraße, es kam also zu einem lokalen (örtlich begrenzten) Güteraustausch. Die Bedeutung der Städte des Hellweges zeigte sich auch darin, dass sich ihr Recht, besonders das Soester und das Dortmunder Recht, weit verbreitete. Auch für Hamm wurde in der Gründungsurkunde das Soester Recht festgesetzt. In dieser Zeit beherrschten den Handel in Europa auch viele deutsche Städte, die sich im Hansebund, wie auch Hamm 1469, zusammenschlossen.

 

 

Helm

Das aus dem germanischen Sprachbereich stammende Wort "Helm" (= [Be-]schützer, Schutz "gegen Hiebe") geht über die mhd. und ahd. Verben helm und helan (=bedecken, verbergen, verstecken) auf das gleichbedeutende indogerm. kel zurück. Die Worte hehlen, Hülle, Halle und Hölle sind dieser Sprachwurzel eng verwandt. Auch die Personennamen Wilhelm und Helmut (= der Willenkräftige und der mutige Beschützer) sind in dem Wort enthalten. Graf Engelbert III. von der Mark trug zu seiner Ritterrüstung einen sog. Visierhelm. Während des Ausmarsches nach Harpen trägt unser "Graf Engelbert" ebenfalls einen Helm zu seiner Ritterkutte.

 

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J.O.C. (gesprochen IOC)

Offizielle Abkürzung des Junggesellen-Offizier-Corps.

 

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Graf

Ein Beamter, der wahrscheinlich aus der königlichen Hausherrschaft und Dienstmannschaft hervorgegangen ist und der im Auftrage des Königs bei den Thingversammlungen für die Durchsetzung des dort besprochenen Rechts zu sorgen hatte.

 

Graf Adolf II. von der Mark

Sohn des Grafen Engelberts II. von Mark. Graf Adolf II. regierte die Grafschaft Mark nach dem Tode seines Vaters bis 1346. 1333 heiratete er Margarethe(a) von Cleve; ihr ältester Sohn war Graf Engelbert der III. von der Mark.

 

Graf Engelbert II. von der Mark

Regierte die Grafschaft Mark in der Zeit von 1308 bis 1328. Im Jahr 1321 verlieh Graf Engelbert II. von der Mark auf der Burg Blankenstein Bochum die Stadtrechte.

 

Graf Engelbert III. von der Mark

Ältester Sohn des Grafen Adolf II. von der Mark und seiner Gemahlin Margarethe(a) von Kleve. Das Datum seiner Geburt ist nicht genau überliefert; es liegt wohl in 1333. Im Jahr 1346 folgte er seinem Vater in der Regierung. Die Grafschaft Mark regierte er bis 1391. Graf Engelbert III. von der Mark verstarb am 22. Dezember 1391 auf der Burg Wetter und liegt in der Stiftskirche zu Fröndenberg begraben. Er gilt als der Stifter des Bochumer Maibendfestes im Jahre 1388 nach der "Großen Dortmunder Fehde" (Graf von der Mark und der Erzbischof von Köln erklären der Reichsstadt Dortmund den Krieg und belagern diese ohne Erfolg) und als Schutzpatron der Bochumer Maiabendgesellschaft.

 

 

Graf Engelbert - Denkmal

Dem Stifter des Bochumer Maiabendfestes ein Denkmal zu errichten, war der Wunsch vieler Bochumer Bürger um die Jahrhundertwende. Oberbürgermeister Fritz Graff setzte sich aktiv ein. 1909 bildete sich ein Denkmalsausschuss im damaligen Schützenverein. Alex Soeding übernahm den Vorsitz des Ausschusses. Oberbürgermeister Graff, der alljährlich im Gehrock und Zylinder mit den Schützen nach Harpen zog, schlug als Standort für das Denkmal die Kreuzung der damaligen Friedrichstraße mit der Bahnhofstraße vor. Heute heißen diese Straßen Kortum- und Brüderstraße.
Hier sollte ein Brunnen errichtet werden, den das Standbild des Grafen Engelbert schmücken sollte. Die Stadt war zwar bereit, die Plastik des Grafen aufzustellen, doch die Kosten dafür wollte sie nicht tragen. Eine Umlage unter den Mitgliedern des Schützenvereins ergab nur einen Teilbetrag. Doch nun mussten Groschen und Marken zusammengetragen werden, bis "die Kasse stimmte".
Der Bochumer Bildhauer Markus Wollner schuf ein Brunnenbecken aus Granit; in der Mitte stand eine achteckige Säule mit vier Wasserspeiern. Auf dieser Säule reckte sich Graf Engelbert III. von der Mark in schwerer Rüstung mit geöffnetem Visier. In der rechten Hand hielt er eine Urkundenrolle, Sinnbild für die Stiftung des Maiabendfestes.
Beim Schützenfest im August 1910 wurde das Denkmal feierlich enthüllt. Der Männergesangverein "Schlägel und Eisen" sowie die Städtische Kapelle unter Leitung von Franz Merkert sangen und spielten. Der Vorsitzende des Schützenvereins, Justizrat Otto Hünnebeck, hielt die Festrede.
Vor dem Brunnen versammelten sich jährlich das Junggesellenoffiziercorps und der Vorstand, wenn die jungen Fähnriche vereidigt wurden. Dann schmückte ein Kranz mit blau-weißer Schleife den Grafen Engelbert. Zu seinen Füßen aber ließen kleine Jungen Papierschiffchen schwimmen, und junge Leute kühlten sich an heißen Sommerabenden ihre Füße im Wasser.
Im Jahre 1944 schlug für das Standbild die Abschiedsstunde. Figur und die an den Brunnenwänden eingelassenen Reliefs sollten eingeschmolzen werden. Bis heute blieb ungeklärt, ob sie eingeschmolzen wurden oder auf einem Schrottplatz landeten und stückweise verkauft worden sind. Der Torso des Brunnens mahnte noch nach 1945 an die Bochumer, die in den Kriegsgefangenen-Lagern auf ihre Heimkehr warteten. Doch der Zahn der Zeit nagte an den Steinen. Als der Brunnen zusammenzustürzen drohte, trug man ihn ab. Am 29. April 1964 wurde dann an gleicher Stelle der Zweite "Engelbert" enthüllt und das Maiabendfest erhielt durch diesen Akt wieder seine besondere Bedeutung.


 

Die Grafschaft Mark

Der als "Grafschaft Mark" bezeichnete Teil des westlichen Westfalens stellt keine ursprünglich natürliche, politische oder kirchliche Einheit dar. Eine natürliche Grenze weist er nur im Norden durch die Lippe auf, nach den anderen Himmelsrichtungen sind die Grenzen meist künstlich oder erst im Laufe der Jahrhunderte nach und nach durch Linien festgesetzt. Die Landschaft wies bis um 1900 zwei Teile mit verschiedenem Charakter auf: Im Norden erstreckte sich die getreidereiche Hochebene des Hellwegs zwischen Lippe und Ruhr, während sich südlicher das gebirgige und wasserreiche Süderland mit ausgedehnten Wäldern und mit mehr Viehzucht als Getreideanbau erstreckt. Die Bodenschätze in seinem Gebirge wurden mit Hilfe der Wasserkraft zahlreicher kleiner Zuflüssen der Lenne und Ruhr verarbeitet. Die großen Wälder lieferten das nötige Brennmaterial. Anhaltspunkte für den Verlauf der West- und Südgrenze bildeten die Dialektgrenze. Politisch gehörte das Land, geht man in die Geschichte zurück, zu Sachsen. Als einheitliches Gebiet ist die Grafschaft Mark eine Schöpfung ihres Herrschaftshauses, der Grafen von Altena, einer Nebenlinie des rheinischen Grafen von Berg.
Die Überwältigung der Sachsen durch die Franken unter Karl dem Großen (um 800 n. Chr.) und die Verbreitung des Christentums schufen die Grundlagen für die neuen politischen Territorien, so auch für die spätere Grafschaft Mark. Mittel- und Ausgangspunkt der Christianisierung und der politischen Macht wurde Köln. Zur Zeit Karls des Großen waren die Bewohner unserer Gegend zum Großteil Ackerbauern und Viehzüchter, im bergischen Süderland auch Jäger und Fischer, welche noch nicht den gesamten Boden des Landes in Privatnutzung genommen hatten. Zwischen den Einzelansiedlungen mit den Äckern dehnten sich große Strecken gemeinschaftlich genutzten Wald- und Weidelandes, ja sogar weite Flächen unberührten Waldes und Ödlands, aus. Vereinzelt kam es zu Sonderbetrieben wie der Salzgewinnung aus den Solequellen in und um Soest sowie Eisengewinnung und Eisenverarbeitung im gebirgigen Süderland. Größere geschlossene Einzelsiedlungen scheint es nicht gegeben zu haben, wenn auch Soest schon 836 als " villa" (Dorf oder Königshof) gnannt wurde.

 

 

Die Grafen von Berg

Nachdem Johann-Wilhelm, der letzte Herzog von Berg - Kleve, zugleich Herzog von Jülich, Graf von der Mark und Ravensberg, Bischof von Münster - 1609 gestorben war, wurde sein Erbe gemeinsam von seinen Schwiegersöhnen verwaltet. Beide, der Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg und der Kurfürst von Brandenburg, Johann Sigismund, waren lutherisch. Sie wechselten die Konfession, das Erbe wurde geteilt. Der Brandenburger wurde reformiert und erhielt 1614 Kleve und Mark. Der nun katholische Pfalz-Neuburger bekam Jülich und Berg. Damit neigte sich der eine den Niederländern zu und der andere den Spaniern. Seit 1614 diente das Herzogtum Berg den spanischen Truppen gleichsam als Aufmarschgebiet mit Quartier. Eine Ordnung Brüssel - dem Verwaltungszentrum der südlichen Niederlande - vom 29. November 1614 bestimmte, dass dort, wo Truppen einquartiert würden, der Hausherr die beste Kammer für sich behalten dürfe, die andere aber abgeben müsse. Die Bestimmung rechnete damit, dass Söldner häufig auch von ihren Frauen auf Feldzüge begleitet wurden, gewiss fand man im Tross auch zahlreiche Kinder. Den Einquartierten war zu gestatten, sich am Feuer des Hauses zu wärmen und dort das Essen zu kochen. Falls vorhanden, sollten Söldner auch Schlaflaken bekommen. Anfangs rechnete man damit, dass die Söldner Nahrungsmittel kaufen würden, doch bald verwilderten die Sitten. Die Armut der Bevölkerung nahm zu, die Gegenden verödeten. Es kam zu Plünderungen und Brandschatzungen. Selbst Offiziere der eigenen Truppen des seine Neutralität mühsam wahrenden Pfalzgrafen ließen sich Übergriffe zu Schulden kommen, die allerdings noch geahndet wurden.

 

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