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Begehrt und engagiert (RN)

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Begehrt und engagiert

 

BOCHUM - Die Mitglieder des Junggesellen-Offiziers-Corps (J.O.C.) der Maiabendgesellschaft sind ideale Heiratskandidaten. Sie sind unter 40 Jahren, garantiert unverheiratet, gebildet und können sich selbst versorgen. Das müssen sie in einer Prüfung beweisen.

Alles begann 1388, als Graf Engelbert Dortmund eine Fehde ansagte " Revanche für das Spottgedicht gegen ihn. Die Dortmunder wiederum klauten ihm eine wertvolle Herde Vieh in Harpen. Einige Junggesellen meldeten das sofort dem Grafen, aber dessen Soldaten kämpften gegen Dortmund. Also machten sich die Bochumer Junggesellen selbst auf den Weg und eroberten das wertvolle Vieh zurück. Aus Dankbarkeit erlaubte der Graf den Junggesellen jedes Jahr zum Maiabend eine Eiche aus den Waldungen im Bockholt, das heutige Harpen, abzuholzen. Vor Sonnenuntergang musste diese durch die Beckpforte nach Bochum gebracht werden. Dort wurde sie dann versteigert und mit dem Geld die Feier finanziert.

Die Herkunft des Brauches, jährlich eine Junggeselleneiche aufzustellen, kann Thorsten Horn vermutlich auch im Schlaf. Fünf Jahre in Folge ist er zum Junggesellen-Hauptmann gewählt worden. Jetzt verkörpert er den Grafen Engelbert. Hauptmann ist in diesem Jahr Klaus Liermann.

Tradition in den Familien

Die beiden 26 und 29 Jahre alten, natürlich unverheirateten Männer verbinden viel mit der Tradition. "Wir sind da schon hineingeboren worden", so Liermann, "mein Vater war in den sechziger Jahren selbst Junggesellenhauptmann".

Das J.O.C. ist eine Untergruppierung der Maiabendgesellschaft. Dazu gehören der Hauptmann, der Adjudant, der Ehrendamenoffizier, Graf Engelbert und die Fähnriche. Deren Zahl ist allerdings nicht festgelegt. In diesem Jahr sind es zwei.

Um in das Corps aufgenommen zu werden, muss man einige Voraussetzungen erfüllen und eine Prüfung ablegen. Vier Monate lang gibt der Oberausbilder dafür eine Art Unterricht. Dabei steht die Bochumer Geschichte ebenso auf dem Plan, wie praktische Dinge: Hemden bügeln, Schuhe putzen, stopfen und korrekte Kleidung.

Ideale Heiratskandidaten also . "Ja, unsere Junggesellen sind heiß begehrt", lacht Klaus Liermann. Bis zum 40. Lebensjahr dürfen die unverheirateten Männer im J.O.C. bleiben. Danach gehen sie als Altgediente in die Kompanie zurück.

Nachwuchs zu rekrutieren, wird für das Corps zunehmend schwierig. Meist sind es Junggesellen wie Klaus Liermann und Thorsten Horn, die aus Familien der Maiabendgesellschaft stammen. Dass junge Männer die Vereinigung über das Internet finden, kam in diesem Jahr erst einmal vor. "Wir wollen schon die Jüngsten für uns interessieren", meint Thorsten Horn, "Ideen haben wir genug".

Den nötigen Einfluss hat die Vereinigung. Schließlich pflegt sie die älteste Tradition dieser Art in Deutschland und den Kontakt zu vielen anderen Vereinen. Beim Ausmarsch nach Harpen sind 95 Vereine und Gruppierungen dabei mit rund 3500 Mitmarschierenden.

Attraktiver und größer

Aber das I.O.C. will mehr als nur den Aufmarsch der Gruppen. "Das Fest soll attraktiver und größer werden", sagt Liermann, "ein Fest für die ganze Familie". So könnte auf dem Dr.-Ruer-Platz drei Tage lang eine mittelalterliche Kulisse aufgebaut werden mit unterschiedlichsten Attraktionen. Sie sind entschlossen etwas zu ändern, denken an die Bilder vergangener Zeiten, als die Stadt überall blau-weiß geschmückt war. "Es ist das älteste überlieferte Junggesellenfest im Revier", meint Thorsten Horn, "und hat immerhin mehrere Kriege überstanden". - Vicki Marschall

Quelle: Ruhr Nachrichten (Bochum)