Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin Carina Gödecke,
Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz,
Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Gabi Schäfer
liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
liebe Freunde des Maiabendfestes,

ich begrüße im Namen der Bochumer Maiabendgesellschaft alle herzlich, die sich hier versammelt haben, um das 627. Maiabendfest in unserer Stadt zu feiern.
Unser Maiabendbrauch soll ein Fest der Freude, der Friedfertigkeit und der Verbundenheit aller Menschen sein, egal welcher Glaubensgemeinschaft oder Nation sie angehören und im Gedenken an den Stifter des Festes – den Grafen Engelbert – an Werte wie Solidarität, Hilfsbereitschaft und Mut erinnern.
Die jüngsten Nachrichten und Ereignisse – gerade aus dem Mittelmeerraum, aber auch aus deutschen Städten – zeigen, dass wir diese Werte gar nicht genug hochhalten können.
Gestatten Sie mir ein paar persönliche Worte:
Ich entstamme einer Generation, die die Auswirkungen des Krieges, der Vertreibung und Flucht selbst erlebt hat. Ich bin als Kind auf dem Land in Niedersachsen groß geworden und habe gesehen, wie viele Flüchtlinge barfuss über die Felder kamen auf der Suche nach einer neuen Heimat und nach einem Leben in Frieden. Auch diesen Flüchtlingen standen viele argwöhnisch bis feindselig gegenüber: denn sie sprachen anders, hatten andere kulturelle Bräuche und galten einigen ungeachtet der gleichen Nationalität als Fremde.
Fremdheit erzeugte hier Angst und Ablehnung, wohl vor allem weil Sorgen um die eigene Existenz im Vordergrund standen und die Konfrontation mit teils traumatisierten Kriegsflüchtlingen als belastend erfahren wurde.
Andere jedoch begegneten den Fremden als Freunde und empfingen sie in ihren Häusern, versorgten sie und boten ihnen eine Herberge.
Im gesellschaftspolitischen Milieu Deutschlands gibt es derzeit eine Gruppierung von Menschen, die sich zusammenrotten, um als Europäer das christliche Abendland vor Flüchtlingen zu schützen. Dabei klingt es doch wie Hohn, wenn solche Menschen sich demonstrativ als Christen bezeichnen und dabei die Botschaft Jesu pervertieren und mit Füßen treten. Aus christlicher Perspektive sage ich:
Die Bibel ist ein Buch der Flüchtlinge und Migranten, vielmehr als eines derer, die Heimat finden;  das zeigen gerade die ältesten biblischen Erzählungen über das nomadische Leben der Erzeltern/ersten Menschen. Aber auch das Neue Testament beginnt mit einer Fluchtgeschichte (Josef und Maria flüchten mit dem neugeborenen Jesus nach Ägypten). Im Umgang mit Fremden mahnt die Bibel, sich gegenseitig anzunehmen und zu achten.
Bis zu einem gewissen Grad kann ich die diffusen Ängste vor Fremden und Unbekanntem nachvollziehen, da Politik und Medien Migration fast ausschließlich negativ beurteilen und eigene Existenzängste Widerstände erzeugen. Man bleibt lieber unter seinesgleichen, als sich durch eine neue Kultur, Sprache oder Religion herausfordern zu lassen.
Um diesen Ängsten entgegen zu wirken, helfen Begegnung und Dialog. Nur in der Begegnung und im Austausch erkennen wir, wie Fremdes und Neues eine Bereicherung sein kann und keineswegs eine Zumutung. Ich für meinen Teil bin froh und stolz hier im Ruhrgebiet zu leben, weil ich die multikulturelle Gesellschaft schätze und nicht missen möchte: unverwechselbar, unfassbar vielseitig, bunt, plural und offen.
Gerade ein Traditionsfest wie das der Maischützen ist Ort und fröhlicher Anlass von vielfältigen Begegnungen, der die verschiedensten Menschen zusammenbringt. Es ist kein Fest einiger gegenwartsvergessener Ur-Bochumer, sondern aller Bürger und Freunde Bochums, die gemeinsam eine Tradition weiterleben lassen, die im Geist der Verbundenheit und Solidarität  steht.
Daher lade ich besonders alle ausländischen Kulturvereine ein, sich an unserem Maiabendfest zu beteiligen.
Alle sind in unserer Mitte willkommen, seien es Bochumer seit Generationen, erst seit einigen Monaten oder Gäste, auf dass es wirklich ein Fest der Freude und der Gemeinschaft werde.
Ich lade nun alle ein zu feiern mit einem kräftigen:

Blau – Weiß