Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin Carina Gödecke,
Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz,
liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
liebe Freunde des Maiabendfestes,

ich freue mich sehr, sie am heutigen Abend anlässlich des Zapfenstreiches zum 626. Bochumer Maiabendfest hier im Namen der Bochumer Maiabendgesellschaft begrüßen zu dürfen.

Gestatten sie mir vorab, dass ich einen Spruch von Albert Einstein zitiere:
„Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnis¬volle. Es ist das  Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Wissenschaft und Kunst steht. Wer es nicht kennt und sich nicht mehr wundern oder staunen kann, der ist sozusagen tot und sein Auge erloschen.“

Der demografische Wandel gehört zu den „Megatrends“ unserer Zeit. Seit Jahrzehnten konstant niedrige Geburtenraten und eine immer weiter steigende Lebenserwartung haben die Altersstruktur der Bevölkerung nachhaltig verändert. Der Anteil der älteren gegenüber den jüngeren wächst beständig, gleichzeitig „schrumpft die Bevölkerung“ in unsere Region, weil es immer weniger Nachgeborene gibt. Zugespitzt heißt das: wir werden immer weniger und immer älter.

Dieser Trend lässt sich vielleicht beeinflussen, aber ihn aufhalten zu wollen, hieße einer Illusion anzuhängen. Denn demografische Prozesse sind äußerst träge, wie auch der Blick zurück beweist: Die bislang letzte Generation in Deutschland, die so viele Kinder bekam, dass die Zahl der Eltern bzw. das „Bestandserhaltungsniveau“ erreicht wurde, erblickte vor über 130 Jahren das Licht der Welt. Es ist also notwendig, sich auf den Wandel, in dem wir uns längst befinden, realistisch einzustellen – anstatt Entwicklungen die sich kurzfristig ohnehin nicht umkehren lassen, ausschließlich zu beklagen oder gar zu ignorieren.
Hinzu kommt auch noch die wirtschaftliche Veränderung in dieser Region, z.B. Verlust des Bergbaus, Schließung von Stahlwerken u.s.w. und zum guten Schluss Schließung der Opelwerke. Das alles hat das Ruhrgebiet bzw. die Menschen in dieser Region in den letzten Jahren geprägt und stark gemacht.
Auch wir die Maiabendgesellschaft, aber auch andere Vereine sind davon stark betroffen. Der eine Verein etwas mehr der andere Verein etwas weniger. Uns fehlen viele Privatunternehmen, die durch Schließung aufgrund des Strukturwandels oder durch Verdrängung durch Großunternehmen ihr Geschäft schließen mussten. Für sie alle war es eine Selbstverständlichkeit bzw. Pflicht dieses Heimatfest zu unterstützen.
Von diesen neu angesiedelten Filialisten hier in Bochum unterstützt dieses Heimatfest nur ein Geschäft und zwar – das Schuhhaus Voßwinkel - das finde ich persönlich traurig.
Ich bin der Meinung, wer mit uns Bürger in dieser Stadt seine Geschäfte macht, sollte sich auch persönlich bei Volksfesten mehr einbringen.
Hinzu kommt noch, dass uns allen eine ganze Generation fehlt die als Bindeglied zwischen alt und jung agieren sollte. Vielleicht haben wir – die Maiabendgesellschaft – diesen Trend zu spät erkannt, oder gar in der Vergangenheit die Augen vor dieser Veränderung verschlossen, weil wir es einfach nicht wahr haben wollten.
Die Uhren stehen mittlerweile auf fünf vor zwölf.
Auch wenn wir jedes Jahr so ein schönes Heimatfest in unserer Stadt feiern und auch in Zukunft noch feiern möchten, was haben wir davon, wenn uns die Jugend und der Nachwuchs fehlt. Sollte dieser Brauchtum und dieses Maiabendfest wei¬terhin ein Bestandteil unserer Geschichte in dieser Stadt sein, müssen wir uns umso mehr um die Jugend bemühen. Diese Bemühungen müssen schon im Vorschulalter beginnen und in den Grundschulen fortgeführt werden. Natürlich ist mir bewusst, dieses Ziel zu erreichen wird nicht einfach sein, da viele Umweltfaktoren auf die heutige Jugend einwirken.
Sei es z. B. der Einfluss der modernen Medien, die nicht immer zum Vorteil sind, oder seien es auch andere Einflüsse.
Die Jugend wird in der heutigen Zeit, bedingt auch durch Werbung, der maßen überschwemmt, dass es oftmals dieser Generation schwerfällt die richtige Entscheidung zu treffen.
Wir sollten uns aber auch den Menschen gegenüber öffnen, die hier in Bochum ein zu Hause gefunden haben und mittlerweile fest in dieser Stadt intrigiert sind. Ihnen sollten wir nicht mit dummen Bemerkungen oder scheinheiligen Ausreden den Zugang zu unserer Gesellschaft verwehren.
An dieser Stelle zitiere ich einen Absatz aus einer Beilage der WAZ zum 569. Maiabendfest 1957:
„Der Sinn dieses Heimatfestes besteht in der verbindenden Kraft, die gerade auch beim Maiabendfest stark genug ist, durch den Wandel der Zeiten neu zu uns gekommene Mitbürger in den freundschaftlichen Kreis der Alteingesessenen hineinzuführen und sie mit ihrer inneren Existenz enger zu verknüpfen mit dem Ort und der Stadt, in dem sie Arbeit, Brot und Lebensraum gefunden haben.“
Deshalb heiße ich alle Bürger die unseren Heimatgedanken verfolgen in unserer Maiabendgesellschaft herzlich willkommen.
Ich werde meinen Glauben an das Maiabendfest nicht aufgeben und hoffe, dass es weiterhin ein Bestandteil der Geschichte Bochums sein wird.
Auch wenn ich oftmals die Politik kritisiere, weil ich als Mitglied der Maiabendgesellschaft mit manchen Entscheidungen nicht einverstanden bin. So fällt es mir aber persönlich auch nicht schwer sie lobend zu erwähnen wenn es angebracht ist. Deshalb nochmals meinen persönlichen Dank an allen unseren Politiker der Stadt Bochum, die mich bei einer schwierigen Sponsoring-Verhandlung tatkräftig  unterstützt haben.

Es lebe Bochum, es lebe das Maiabendfest.
Blau - Weiß