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Rede zur Kranzniederlegung 2014

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Wir alle, die wir uns hier versammelt haben, wir haben eines gemeinsam: uns verbindet die Erinnerung an bestimmte Menschen, die uns im Tod vorausgegangen sind.
So wie wir uns heute hier eingefunden haben, um des Grafen Engelbert den III. von der Mark zu gedenken dem wir das heutige Maiabendfest zu verdanken haben, so werden viele von Ihnen sicherlich in diesem Moment auch an Angehörige, Freunde oder Kameraden denken die sie verloren haben und darum finde ich es richtig, dass wir aller Toten gedenken und nicht nur des Grafen, dem wir zwar unser Maiabendfest zu verdanken haben, der aber zu seiner Lebenszeit, auch viel Unheil in seinem Herrscherbereich angerichtet hat.
So wird vielleicht so manche Erinnerung an die letzte gemeinsame Zeit mit diesen verstorbenen Menschen wach. In dieser Stunde haben wir uns entschieden, hierher zu kommen und unsere Erinnerung und unser Gedenken mit anderen zu teilen.
An dieser Stelle zitiere ich Augustinus:

Auferstehung ist unser Glaube, Wiedersehen unsere Hoff¬nung, Gedenken unsere Liebe.
    
Wenn 1 Million Menschen in der großen weiten Welt sterben verändert dessen Tod unser Leben nicht.
Wenn nur 1 Mensch aus unserem persönlichen Umkreis stirbt, verändert dieser Tod unser ganzes Leben.
Durch den Tod eines lieben Angehörigen, eines Freundes oder Kameraden werden alle bisherigen Werte für das Leben völlig geändert.

Was vorher noch wichtig war ist dann völlig unwichtig.
Was vorher noch ein Zukunftsplan war ist dann Vergangenheit.
Was vorher noch Freude war ist nur noch Trauer.
Was vorher Sicherheit war ist dann Angst vor der Zukunft.

Der Tod schlägt oft erbarmungslos zu. Er fragt nicht nach Sinn oder Gerechtigkeit.  
Unser christlicher Glaube gibt den Trauernden Trost, denn ob es dein verstorbener Vater, deine Mutter oder dein verstorbener Ehepartner, Freund oder Kamerad gewesen ist, alle sind Sie nur vorausgegangen, wir werden Sie alle wiedersehen. Die wahren Werte im Leben anzustreben, dies geben unsere Verstorbenen uns als Mahnung und Verpflichtung mit auf den Weg.
Wir brauchen hier nicht die große globale Welt zu verändern, sondern nur unseren kleinen persönlichen Lebensumkreis.
Was gehen uns die Toten an? Alle, die heute der Einladung zur Gedenkfeier gefolgt sind, haben auf diese Frage ihre individuelle Antwort gefunden, jedenfalls eine, die sie veranlasst, hier sichtbar anwesend zu sein.
Es gab Zeiten, da war der Tod zwar ein immer trauriger, aber doch akzeptierter Teil des Lebens. In bäuerlichen Gesellschaften, in stark glaubensgeprägten Gemeinschaften ist er das noch heute: wer begreift, dass alles endet, was entsteht, hat sich vielleicht bereits eine gelassene Haltung zu Fragen des Werdens und Vergehens erarbeitet, wenngleich jedes Sterben zumindest zu respektvollem Innhalten, wenn nicht zur Trauer über den unzweifelhaften Verlust veranlassen sollte.
Aber der Tenor unserer Zeit ist ein anderer. Ewige Jugend und ewiges Leben sind gleichsam Klassenziele ganzer Generationen geworden. Wehe den, der es nicht vermag, bis ins Greisenalter hinein gesund, dynamisch und gut drauf zu erscheinen – er oder sie ist dann bald - einfach kein gesuchter Kontakt mehr. Und der Tod erscheint in diesem Umfeld so sehr als Angriff auf das eigene Wohlbefinden, dass fast panisch alles vermieden wird, was an ihn erinnert.
Dazu passt, dass auch mit den Toten vielfach kaum jemand etwas zu tun haben möchte. Es erscheint vielen als Zumutung, zu einer Beerdigung gehen zu sollen, und die Vorstellung, man sei vielleicht dazu berufen, dafür zu sorgen, dass der Leichnam eines Verwandten irgendwie anständig unter die Erde kommt, erscheint als geradezu abwegig. Ich höre manchmal von Bekannten eines Verstorbenen, man habe ohnehin nie sonderlich viel miteinander zu tun gehabt, und man könne und wolle nun auch nicht für die Beerdigung sorgen. Da mögen eine Vielzahl gegenseitiger Verletzungen der Vergangenheit ebenfalls eine Rolle spielen, aber die Zeiten, in denen man sich auch einem eher ungeliebten Verwandten gegenüber meist irgendwie moralisch verpflichtet fühlte, scheinen unwiderruflich vorbei zu sein.
Es geht natürlich auch anders. Ein Requiem für einen Toten, eine schlichte Feier mit oder ohne Beteiligung eines Geistlichen, ein Jahresgedenken findet doch immer noch statt, und wir sind ja heute auch hier, um den vielen Leben, die in den letzten zwölf Monaten geendet haben, sozusagen einen offiziellen Abschluss zu geben. Und es gibt darüber hinaus -ich glaube fest daran-, göttliche Fingerzeige, die demonstrieren, was auch möglich ist.
Ich wünsche jedem von uns, dass sein Sterben ähnlich fürsorglich begleitet werden möge wie man es sich persönlich wünscht. Und mögen auch wir selbst den Mut finden, unseren Verwandten und Freunden und vielleicht auch eher Fremden mit Guten Diensten zur Seite zu stehen, wenn ihr Leben endet.