Drucken

Stadtwache beschützt Burgfest (WAZ)


WAZ Foto: Archiv, Fischer

 Hattingen.   Auf Burg Blankenstein wird eine Geschoss-Schleuder aufgebaut - und eingesetzt. Fest für die ganze Familie mit Attraktionen, Händlern, Spielen, Köstlichkeiten.

Weil das Wasser so verkeimt, das Bier wenigstens einmal aufgekocht war, wurde im Mittelalter mehr Bier getrunken: Das sagt Stefan Vahldieck. Er gehört zur Bochumer Stadtwache – die ihr Lager am Wochenende beim fünften Fest auf Burg Blankenstein aufschlagen wird. Wo es natürlich auch Bier gibt. Und eine schussfähige Geschoss-Schleuder.

Mit ihr lässt die Stadtwache mit Wasser gefüllte Säcke über die Burgmauern fliegen. Kleine Ritter können sich an der Armbrust und beim Bogenschießen üben. Gaukler, Handwerker, Händler, Spielleute, Minnesänger beleben den Markt. Es gibt Führungen.

Mit dem Gastronomen Detlef Müller rief die Stadtwache das Fest vor fünf Jahren ins Leben. „Wir wollten etwas für die Belebung der Burg tun“, so Vahldieck, der mit etwa 25 Mannen (und Frauen und Kindern) sein Lager aufschlagen wird. „Der Markt ist groß, da müssen wir uns ein wenig einschränken.“ Nächtigen werden sie auf der Burg, sich selbst versorgen und fürs Mittelalter typische Eintöpfe kochen. „Wir bauen auch einen Pranger auf, an den sich die Besucher stellen können, um mal zu sehen, wie das war.“ Kinder können Rüstungen und Helme anprobieren

Die Stadtwache gehört zur Bochumer Maiabendgesellschaft 1388. „Vor fünf Jahren gründeten wir die Stadtwache, legten die Schützenuniformen ab, zogen Mittelalterkleidung an, weil wir die Gesellschaft attraktiver machen wollten.“ Auch Hattinger und Interessierte aus umliegenden Städten sind Mitglied. „Jeder kann mitmachen, wir bieten eine Probezeit an.“ Denn: Jede Mittelalter-Gruppe hat andere Regeln. „Manche wollen sogar die Kleidernähte so, wie sie früher waren.“ Als Kostümgruppe sieht Vahldieck die Gruppe nicht. Geschichtswissen – auch in Schulen – zu vermitteln, ist ein Ziel der Stadtwache, die sich freut, auf der Burg, die in Bochumer Besitz ist aber auf Hattinger Grund liegt, dabei zu sein. „Hier wurden Bochum die Stadtrechte verliehen.“ Absolute Mittelaltertreue fordert die Stadtwache nicht ein: „Sonst müssten wir als Unterhose ja auch eine kratzende Bruche tragen“, gibt Vahldieck zu bedenken.

„Wie früher“ werde auf der Burg am Wochenende gelebt – und auch gegessen, so Müller. Er serviert u.a. Schweinshaxe und Krautfleckerln. „Aber es gibt auch Bratwurst. Das essen die Kinder lieber.“ Weil es ein Familienfest sei, setze er auf niedrige Preise. Der Eintritt kostet drei Euro, aber Kinder unter Schwertlänge kommen umsonst rein. „Da gibt’s schon Gaudi an der Kasse“, weiß er. Von Samstag, 13 bis 21 Uhr, bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr, dauert das Fest. Und Fußballfans dürfen ihr Bier getrost auf der Burg trinken und das Mittelalter Mittelalter sein lassen: Das Champions League-Spiel wird hier gezeigt.

Der Westen 23.05.13 - Liliane Zuuring