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Wechselbad für die Maischützen (WAZ)

Bochum. Von blau-weiß bis grau-schwarz: Die Maischützen waren bei ihrem Jubiläum den Launen des April-Wetters ausgesetzt. Entsprechend durchwachsen fällt die Bilanz des 625. Maiabendfestes aus, das am Sonntag mit dem Kindertag auf dem Boulevard zu Ende ging. „Wir sind zufrieden“, lautet die erste Bilanz von Karl-Heinz Böke, der seine Zukunft als Vorsitzender des Brauchtumsvereins offen lässt.

Sonne satt hatte die Maiabendgesellschaft in den Vorjahren verwöhnt. T-Shirt-Temperaturen herrschten auch beim Traumstart am Donnerstag. Doch fortan ging´s berab. Am total verregneten Freitag war Sänger Michael Wurst auf der Bühne ein armes Würstchen. Selbst beim ökumenischen Gottesdienst in der Propsteikirche blieben am Abend Plätze frei.

Die Blau-Weißen bangten: Wird auch der Festmarsch ins Wasser fallen? Zum Glück nicht. Am Samstag war’s kühl, aber immerhin trocken. Wie angekündigt, zogen 100 Gruppen mit 2500 Teilnehmern am Nachmittag von Harpen in die Innenstadt, wo sie von mehreren hundert jubelnden Menschen empfangen wurden. Erstmals hoch zu Ross: Junggesellenhauptmann Dominik Braun. Mit seinem triumphierenden Gefolge hievte er den im Bockholt entrissenen Eichbaum durch die erst am Donnerstag eingeweihte Beckporte-Nachbildung an der Großen Beckstraße.

Coverband "Fresh Live Music" litt unter schlechtem Wetter

„Schade“, war am Samstagabend zu hören. Zwar hatten rund 300 Tapfere die Wintermäntel wieder aus dem Schrank und Keller geholt. Zwar kletterte das Stimmungsbarometer minütlich. Zwar füllte sich der Platz am Kuhhirten stetig. Doch „Fresh Live Music“ hätte Tausende Besucher verdient gehabt. Großartig, was die Düsseldorfer Coverband mit ihren fünf (!) Sängerinnen und Sängern auf die Bühne zauberte. Aktueller Soul, Pop und Funk vom Allerfeinsten: Wer dabei war, hat’s trotz gefühlter Minuswerte nicht bereut.

Versöhnliches am Sonntag: Dem Kindertag war frühlingshaftes Wetter vergönnt. Zur Freude von Karl-Heinz Böke, der sich vereinsinterner Gegner erwehren muss. Vor dem Jubiläumsfest übte die Bürgergilde scharfe Kritik am Friedensvertrag mit Dortmund. Die Tradition werde verwässert; der Vorsitzende habe sich die Zeremonie im Alleingang ausgedacht. Aus den Reihen der Gilde wurde auch während der Festes Protest gegen den Führungsstil und der Wunsch nach Ablösung laut.

Im Gespräch mit der WAZ zeigte sich der 2012 für weitere drei Jahre gewählte Schützen-Chef „gesprächsbereit“. Ob er seine volle Amtszeit ableisten wird? „Dazu will ich mich nicht äußern.“

WAZ 28.04.2013 / Lokales Bochum / von Jügen Stahl