Wir haben uns heute hier eingefunden, um des Grafen Engelbert den III. von der Mark zu gedenken, dem wir das Bochumer Maiabendfest verdanken.
Die Historie dürfte uns allen bekannt sein:
Bei der Großen Dortmunder Fehde im Jahr 1388 unterstützten die Bochumer Junggesellen den Grafen Engelbert und konnten das von bewaffneten Dortmundern geraubte Vieh den rechtmäßigen Besitzern – den Harpener Bauern – zurückbringen. Zum Dank stiftete der Graf den Bochumer Junggesellen dieses Fest.
Ein Gedenken an den Grafen Engelbert, als Kind seiner spätmittelalterlichen Zeit, schließt ergo auch die Erinnerung an Spannungen und kämpferische Auseinandersetzungen zwischen engsten Nachbarn ein.
Das Phänomen der Feindschaft unter Nachbarn ist auch heute noch im kulturellen Gedächtnis vieler Menschen verwurzelt, auch wenn die meisten Vorbehalte gegenüber „den Anderen“ mit einem Augenzwinkern, im spöttisch-ironischen, jedoch harmlosen Tonfall hervorgebracht werden.
Ich hingegen finde es befremdlich, um nicht zu sagen verhängnisvoll, wenn althergebrachte Städterivalitäten in gewissen Milieus auf fruchtbaren Nährboden fallen, im Zuge dessen zu ernst genommen werden und als Parolen in gewalttätigen Auseinandersetzungen herhalten müssen.
Wenn fortwährende Gegnerschaft als Ritual inszeniert wird, um die eigene Identität zu stärken, dann ist dies eine beklagenswerte Identität. Identität sollte nicht aus der Abwertung der „Anderen“ generiert werden, sondern aus der Hervorhebung der eigenen Merkmale.
Dem Maiabendbrauchtum blieb häufig der Vorwurf nicht erspart, es beinhalte militaristische Züge, welche die traditionelle Fortführung einer lokalen Feindschaft zwischen Bochum und Dortmund zelebrierten.
Das Maiabendfest, wie ich es verstehe, dient nicht dazu, städtischen Zwietracht aufrechtzuerhalten, geschweige denn zu sähen oder überholte Feindbilder zu stabilisieren.
Viel eher kennzeichnen unsere jährliche Feier Solidarität und Gemeinschaftstreue. Mit Blick auf unsere Vergangenheit waren diese Werte auf eine enge Gruppe begrenzt. Der zeitliche Abstand zu den Tagen Engelberts fördert indessen zu Tage, was wir überwunden haben: wir leben nun in Partnerschaft und Harmonie mit unseren Nachbarn.
Um den Wert der Freundschaft und des guten Zusammenlebens zu betonen, beinhaltet der diesjährige Festakt eine symbolische Handlung.
Die Feierlichkeiten des 625. Maiabendfestes gehen mit einer Besonderheit einher:
Die Jahrhunderte der Fehde zwischen Bochumer Jungen und Dortmundern sollen anlässlich dieses Festes ihr offizielles Ende finden durch den Schluss eines Friedensvertrages zwischen der Stadt Bochum und der Stadt Dortmund.
Diese Geste soll eben nicht das Andenken an eine mit negativen Emotionen konfliktbehaftete Beziehung erhalten, sondern die Überwindung der Rivalität aufzeigen.
Gestatten sie mir, dass ich zum Schluss noch ein Zitat von René Descartes zitiere:
Die nur ganz langsam gehen, aber immer den rechten Weg verfolgen, können viel weiter kommen als die, welche laufen und auf Abwege geraten.