Aus der Geschichte der freien Reichs und Hansestadt Dortmund

(ur) Dortmund wird erstmalig zwischen 880 und 890 urkundlich erwähnt. In einer Aufstellung über gezahlten Zins an das Stift Werden an der Ruhr ist von einem Manne namens Arnold die Rede, der in "Throtmani" wohnt.

In einer Urkunde aus dem Jahre 899 erscheint Dortmund dann unter dem Namen " Trutmunia". Von nun an tritt der Name in den verschiedensten Schreibweisen auf: Trutmenni, Throtmani und Dorpmunde. Daneben findet sich die lateinische Form Tremonia. Seit 1320 schrieben die Dortmunder mit Vorliebe Dorpmunde, woraus im westfälischen Platt "Düopm" wurde. Was der Name bedeutet, weiß man nicht sicher.

Otto der Große war der erste deutsche Kaiser, dessen Aufenthalt um 939 in Dortmund überliefert ist. Der heilige Reinold, Schutzpatron der Stadt Dortmund und war nach der Legende ein Neffe Karls des Großen. Einer der größten Gönner Dortmunds war Kaiser Friedrich Barbarossa. Gleich nach seiner Thronbesteigung berief er im Jahre 1152 eine große Reichsversammlung nach Dortmund. 1154 traf sich Heinrich der Löwe, der spätere Gegenspieler des Kaisers, mit Friedrich Barbarossa in Dortmund.

Im 13. Jahrhundert war Dortmund eine der reichsten und wichtigsten Städte im mächtigen Hansebund. Besonders groß war der Einfluss der Dortmunder Kaufleute in England. Diese schlossen im Jahre 1282 einen Vertrag mit dem Bürgermeister und Rat von London, in dem sie sich verpflichteten, auf ihre Kosten ein Stadttor, das sogenannte Bischofstor, zu bauen, instand zu halten und zu bewachen und leisteten dafür einen Vorschuss von 240 Pfund.

Im Mittelalter war Dortmund wegen seiner starken Befestigungen berühmt. Deshalb glaubte Graf Engelbert III. von der Mark, der die reiche Stadt gern seinem Herrschaftsgebiet einverleibt hätte, sich bei der Eroberung einer List bedienen zu müssen. Es gelang ihm, eine Dortmunder Witwe namens Agnes von der Vierbecke für seinen Plan zu gewinnen. Diese ließ auf sein Geheiß hin an einem Sonntagmorgen des Jahres 1378 in aller Frühe zwei ihrer Wagen durch das Wißstraßentor in die Stadt kommen, den einen mit Heu und den anderen mit Holz beladen. Unter dem Heu jedoch hielten sich einige bewaffnete Mannen des Grafen versteckt. Des Grafen Bruder hielt sich mit den Bewaffneten im Gebüsch vor den Stadttoren verborgen. Agnes bat den Torwächter, ihre Wagen einzulassen und schickte ihn dann unter dem Vorwand fort, für sie einen Pfefferpotthast zu holen. Den mit Holz beladenen Wagen ließ sie nun unter dem großen Fallgitter anhalten, damit dieses nicht heruntergelassen werden konnte. In der irrigen Annahme, auch das innere Tor sei bereits geöffnet, stieg sie auf den Turm und gab das vereinbarte Zeichen. Sofort stürmten des Grafen Mannen aus ihren Verstecken, fanden die innere Pforte jedoch verschlossen. Aufgeschreckt durch den Lärm, eilten die Bürger herbei und entdeckten die Verräterin auf dem Turm. Sie wurde mit ihrem Sohn Arnold sofort hingerichtet. Diese Geschichte ist auch insofern denkwürdig, als in ihr erstmals das Dortmunder "Nationalgericht", nämlich der Pfefferpotthast, erwähnt wird.

Durch die große Dortmunder Fehde von 1388 bis 1390 (siehe Bochumer Maiabendfest), in der sich die Stadt erfolgreich gegen eine Übermacht von 45 Fürsten und 1200 Rittern behauptet hatte, war Dortmund tief in Schulden geraten. Als diese Schulden im Jahre 1400 noch immer nicht abgetragen waren, verloren die durch immer höhere Steuern belasteten Bürger die Geduld und sperrten den Rat in die Stadttürme. Dabei wurden immer zwei Ratsherren, "die nicht besonders miteinander befreundet waren", in den gleichen Turm eingeschlossen. Gegen hohes Lösegeld und die Zusicherung, dass künftig auch den Handwerkern Sitz und Stimme im Rat der Stadt eingeräumt werde, ließ man sie schließlich wieder frei. Die Alleinherrschaft der Patrizier war durch diese "Große Revolution" gebrochen.

Die Religionsstreitigkeiten des 16. Jahrhunderts brachten auch nach Dortmund viel Unruhe. Auch hier hatten die Wiedertäufer, die in Münster einige Jahre lang ein Schreckensregiment geführt hatten, ihre Anhänger.

Der 30jährige Krieg brachte auch Dortmund in große Bedrängnis. Im Jahre 1632 belagerte der berüchtigte General Pappenheim mit seinem Heer die Stadt. Die Feinde legten Laufgräben gegen die Stadtmauer an und versuchten, die Zugbrücke am Neutor durch Sprengen der Kette zum Niederfallen zubringen. Die Bürger setzten sich zur Wehr, indem sie einen großen Stein von der Mauer hinabwarfen, durch den der Oberstwachtmeister Pappenheims erschlagen wurde. Daraufhin ließ Pappenheim schwere Geschütze auffahren und bombardierte die Stadt mit neun feurigen Kugeln. Obwohl diese keinen großen Schaden anrichteten, bekamen die Bürger Angst, öffneten die Tore und ergaben sich auf Gnade und Ungnade. Pappenheim ließ drei Regimenter in der Stadt zurück, die dort 25 Wochen lang schrecklich hausten und die "Bürgerey betrübeten". Außerdem mussten die Bürger eine hohe Kriegssteuer zahlen.

Als freie Reichsstadt musste die Stadt Dortmund nach jeder Königswahl dem neuen Herrscher ihre Huldigung leisten und um Bestätigung ihrer Rechte und Freiheiten nachsuchen. Die letzte Kaiserhuldigung hat 1742 bei der Wahl Karls VII. stattgefunden. Der Kaiser schickte als seinen Abgesandten den Freiherrn von Asseburg nach Dortmund, um den Huldigungseid der Stadt entgegenzunehmen.

Mit dem Untergang des alten Deutschen Reiches verlor auch die Reichsstadt Dortmund ihre Selbständigkeit. Im Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wurde Dortmund zusammen mit den Reichsabteien Corvey, Fulda und Weingarten sowie der Reichsstadt Windsheim an den Fürsten Wilhelm von Oranien-Nassau übertragen.

Die Schlacht von Jena und Auerstädt von 1806 beendete die oranien-nassauische Herrschaft in Dortmund. Die Franzosen besetzten die Stadt. Am 8. März 1808 wurde Dortmund in das Großherzogtum Berg eingegliedert und Hauptstadt des Ruhrdepartements, das das Gebiet von Senden im Norden bis Meinerzhagen im Süden, von Gütersloh im Osten bis Wattenscheid (heute ein Stadtteil von Bochum) im Westen umfasste.

Die Stadt Dortmund beteiligte sich begeistert an der Seite Preußens an den Freiheitskriegen. Jedoch erkannte die preußische Verwaltung die Bedeutung der in und um Dortmund lagernden Bodenschätze und richtete im September 1815 das Westfälische Oberbergamt in Dortmund ein. Nach 1850 erfasste ein sog. Gründungstaumel die Stadt; zahlreiche Aktiengesellschaften wurden gebildet. Im Mai 1889 brachten auch hier die Bergarbeiter ihre Unzufriedenheit durch Streik zum Ausdruck. Am 11. August 1899 konnte der Kanal und der Dortmunder Hafen in Anwesenheit Kaiser Wilhelm II. eingeweiht werden. Als würdiger Rahmen der Feierlichkeiten diente das alte Rathaus am Markt und in das neue Jahrhundert trat Dortmund dann als größte und bedeutendste Industriestadt des Ruhrgebietes ein.

(Quelle: Dortmunder Informations- und Presseamt)