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Die Bochumer Jungen machen’s vor (WAZ)

 

Bochum. Echte Bochumer Jungen regeln Fehden mit Finesse statt Fäusten. Der Maiabendgesellschaft ist diese Tugend 1000 Euro wert. In seinem Jubiläumsjahr vergibt der Brauchtumsverein erstmals einen „Preis für gewaltfreie Konfliktlösung“.

Die Geschichte ist überliefert: Im Mittelalter gehörte Bochum zur Grafschaft Mark, in der von 1347 bis 1391 Graf Engelbert III. regierte. Wegen eines Spottgedichtes sagte er der freien Reichsstadt Dortmund den Streit an. Die Bochumer Junggesellen leisteten tatkräftige Hilfe. Sie eroberten eine wertvolle Herde Vieh, die die Dortmunder fortgetrieben hatten, wieder zurück. Aus Dankbarkeit durften die Jünglinge ab 1388 alljährlich am Vorabend des 1. Mai aus den gräflichen Waldungen im Bockholt (heute: Harpen) einen Eichbaum abholzen. Dieser musste vor Sonnenuntergang auf den Schultern der Junggesellen durch die Beckporte nach Bochum gebracht werden: der Ursprung des Maiabendfestes, das im nächsten Jahr zum 625. Mal gefeiert wird.

 
 
„Anno 1388 wurde gezeigt, wie man Fehden gänzlich ohne Gewalt löst. An diesen historischen Kontext knüpfen wir mit unserer Auszeichnung an“, sucht der Vorsitzende der Maiabendgesellschaft, Karl-Heinz Böke, würdige Nachfolger der Bochumer Jungen; heißt: Einzelpersonen oder Gruppen, die „durch ihr couragiertes Eingreifen Konflikte abwenden, entschärfen und zu einer gewaltfreien Lösung führen“. Ob in der Schule, auf der Straße, im Betrieb, Verein oder in der Nachbarschaft: Das friedliche Miteinander entscheidet.
 
Friedensvertrag mit OB Sierau
 
Der Preis ist mit 1000 Euro dotiert. Dem Sieger winkt zudem ein goldfarbener Pokal mit dem neuen Erkennungszeichen der Maischützen: eine Kuh mit junger Eiche. Die Jury bürgt für eine sachkundige Auswahl. Polizeipräsidentin Diana Ewert ist ebenso dabei wie die Richterin am Bochumer Landgericht, Isabell Hoffmann, und Feuerwehrchef Dr. Dirk Hagebölling. Sitz und Stimme haben zudem Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz und Karl-Heinz-Böke.
 
Nominierungen sind über die Internetseite des Vereins möglich (www.bochumer-maiabendgesellschaft.de). Die Preisverleihung erfolgt am Freitag, 26. April 2013 – also inmitten des Jubiläumsfestes (25. bis 28. April). In Sachen Friedfertigkeit gehen Karl-Heinz Böke und seine Mannen dabei mit gutem Beispiel voran. Die Fehde mit Dortmund um das geklaute Vieh soll nach über sechs Jahrhunderten förmlich beigelegt werden. Zur Unterzeichnung des Friedensvertrages wird der Dortmunder OB Sierau erwartet. Die Zustimmung der Maischützen ist aber mit einer Bedingung verknüpft: Die Dortmunder müssen den Bochumern jährlich acht Fässer Bier stiften.
 
Finesse statt Fäuste: Die Blau-Weißen haben’s halt drauf.

 

Der Westen 13.12.13 - Jürgen Stahl