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Tradition auf dem Vormarsch (WAZ)

Tradition auf dem Vormarsch

 

 

Bochum. 7,5 Kilometer hin, 7,5 Kilometer zurück: Der Ein- und Ausmarsch von und nach Harpen war wieder einer der Höhepunkt des Maiabendfestes. WAZ-Redakteur Jürgen Stahl marschierte mit.

 

Die Sonne knallt auf den Asphalt. Der Schweiß rinnt. Die Füße schmerzen. Endlich: Das Stadion ist in Sicht. Bald ist er geschafft, der Einmarsch von Harpen in die Innenstadt.

 

Hatten am Donnerstag und Freitag noch Regenschauer und kühlere Temperaturen den Blau-Weißen und ihren Gästen zugesetzt, strahlen am Samstag alle: die Sonne, die Maischützen, die Gastvereine und -gruppen und die vielen hundert Harpener, die ab dem Vormittag die blau-weiß geschmückten Straßen, Fenster und Balkone säumen. Biertische und Grill-Leckereien in Vorgärten und auf Garagenhöfen. Selbst der Himmel hat farblich passend geflaggt.

 

Brauchtum auf dem Rückmarsch? Nicht in Harpen, nicht beim örtlichen Schützenverein. Zwar hat manch einer noch nicht verwunden, dass Harpen nicht mehr Ziel, sondern Start des Traditionsmarsches ist. Doch trotz der Querelen der Vorjahre werden die 500 Maischützen und Begleiter, die am Morgen gen Nordosten aufgebrochen sind, mittags herzlich im Festzelt im Bockholt empfangen. Harpen setzt auf 2013. Dann, so der kühne Plan, sollen alle Vereine und Gruppen ohne Zwischenstation an der Castroper Straße im Bockholt aufbrechen: als opulenter Zug wie einst.

 

Nach der Erbsensuppe muss der Lange ran. Thorsten Horn (33), zum sechsten Mal Junggesellenhauptmann, darf den Harpenern traditionsgemäß die Eiche entreißen. Keine einfache Aufgabe selbst für den 2,04-Meter-Hünen. Das Wurzelwerk sitzt tief, die BSV-Harpen-Mannen ziehen sich am Hornschen Kraftakt hoch: „Na, auf Öl gestoßen?“ Minuten später ist die Eiche in Maischützen-Hand. Der Hauptmann muss nochmal buddeln, um die gewohnt spitzfindige Zugabe einzuheimsen: einen Handstaubsauger – weil der Lange so viel Staub aufwirbelt.

 

Der Fanfarenzug Halver formiert sich an der Spitze des Festumzuges, der sich um 14.30 Uhr in Richtung Innenstadt in Bewegung setzt. „Blau-Weiß!“, ertönt es fröhlich links und rechts der Maischützenstraße. Rumtata, Kamelle, Blümchen: De Zoch kütt. Ein Stück Karneval im warmen Frühling. Die OB ist nicht mehr dabei. Verständlich: Der 7,5-Kilometer-Hinmarsch war bei den schwülen Temperaturen allzu anstrengend. Zurück lässt sich (nicht nur) Ottilie Scholz fahren.

 

Der Redakteur marschiert mit. Vor ihm die Trommler und Posaunisten des Fanfarencorps Haltern. Hinter ihm eine rollende Abordnung aus der Speckschweiz. Auf dem Harpener Hellweg lichtet sich das Fest-Spalier. Fortan ist kaum noch ein Passant zu sehen. Ein Marsch durchs Nichts. Gut gelaunte Mitmenschen schwingen erst wieder auf der Castroper Straße die blau-weißen Fähnchen. Der Redakteur ächzt und schwitzt, versorgt sich an einem Kiosk mit Kaltgetränken. „Nimm ‘ne Kappe mit“, hatte ihm die Liebste geraten. Jetzt ist die Glatze verbrannt.

 

Auf dem Kirmesplatz reihen sich weitere Schützen-, Musik- und Sportvereine ein. Der VfL Bochum wollte ursprünglich einige Kicker entsenden. Doch Trainer Bergmann, so heißt es, hat kurzfristig sein Veto eingelegt. Man habe derzeit andere Sorgen...

 

Der Lindwurm mit nun über 2500 Mitmarschierern ist komplett und zieht zur feierlichen Abnahme auf den Boulevard, wo seit 2010 das Herz des Maiabendfestes schlägt. Der Redakteur biegt gen Zuhause ab. Füße kühlen. Kraft tanken. Der Abend bei den Maischützen wird noch lang.

 

Eiche wird in Hamme gepflanzt

 

Spender des Eichbaums ist in diesem Jahr die Euco-Unternehmensgruppe, Inhaber des Hannibal-Einkaufszentrums. Hier (und nicht wie sonst in der Innenstadt) erhält der Baum auch seinen Platz. Die Einpflanzung am Kreisverkehr Riemker Straße erfolgt am 11. Mai um 17 Uhr. Mit dabei ist der Fanfarenzug des BSV Hamme.

 

Der Westen 29.04.12 - Jürgen Stahl