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Maischützen im Glück (WAZ)

Maischützen im Glück

 

 

Bochum Das Bochumer Maiabendfest geht am Sonntagabend zu Ende. Die Veranstalter ziehen eine erfolgreiche Bilanz der vier Feier-Tage. Auf dem Boulevard war es „so voll wie nie“.

 

„Let me entertain you!“, röhrt Sänger Mario Nowack als Zugabe in den Abendhimmel. Der Boulevard lebt, die Masse bebt. Leuchtende Augen. Famose Stimmung. Hunderte Arme gehen nach oben. Die Robbie-Williams-Coverband „Supreme“ begeistert auf der Bühne. Ein wenig abseits steht die uniformierte Spitze der Maiabendgesellschaft; glückselig. „So voll“, strahlt Vorsitzender Karl-Heinz Böke nach einem langen Tag, „war’s noch nie.“ Die Maischützen haben den Bochumern ein Volksfest versprochen. Die Maischützen haben Wort gehalten.

 

Als Generalprobe hatte der Brauchtumsverein die 624. Auflage des Maiabendfestes deklariert. Im nächsten Jahr steht das Jubiläum an. Doch die Feier-Tage 2012 dürften schwer zu toppen sein. „Alles hat gestimmt, auch das Wetter. Wir wollen die Tradition bewahren, das Heimatfest dabei aber dem Wandel der Zeit anpassen. Diesem Ziel sind wir ein gehöriges Stück näher gerückt“, sagt Vorstandsvize Michael Schüren und meint: weg vom krachledernden Schützenfest-Image, hin zur Party für alle Generationen. Mit Christian Schonefeld haben die (allesamt ehrenamtlich tätigen) Maischützen dafür einen Profi mit blau-weißem Herzblut gewonnen. Mit einem vergleichsweise bescheidenen Etat gelingt es dem Veranstaltungsexperten seit dem Neuanfang 2010, den Boulevard mit zugkräftigen Attraktion zu füllen. Der Mittelaltermarkt (mit Unterstützung der rührigen Stadtwache 1388) ist ein lehrreicher Spaß für die ganze Familie; Speis und Trank genügen (u.a. dank des Strätlingshofs) gehobenen Ansprüchen; die Pagodenzelte verströmen einen Hauch von „Bochum kulinarisch“.

 

Ein sicheres Händchen beweist Christian Schonefeld auch bei der Musikauswahl. Am Donnerstag „Fab 5“, am Freitag „Push up“, am frühen Samstagabend Lokalmatador Michael Wurst: Rock und Pop vereinten Jung und Alt. Höhepunkt war wieder einmal der Auftritt von „Supreme“. Noch im Winter hatten die Maischützen gezögert, die Robbie-Coverband zum dritten Mal hintereinander zu verpflichten. Doch: Es war die exakt richtige Entscheidung. Tausend Besucher feierten am Samstag die Jungs aus Iserlohn mit ihrem Sänger Mario Nowack, der dem britischen Original in Stimme, Optik und Gestik unglaublich nahekommt. Laue T-Shirt-Temperaturen noch am späten Abend, lauthals mitsingende Besucher, alles fröhlich, alles friedlich, ein bisschen wie Urlaub: Genau darauf hat die altehrwürdige Maiabendgesellschaft lange hingearbeitet.

 

Der verkaufsoffene Sonntag gehörte den Familien. Die Maischützen präsentierten ein Kinderprogramm u.a. mit dem Zirkus RatzFatz, derweil die Geschäfte in der Innenstadt ab 13 Uhr geöffnet waren.

Für Karl-Heinz Böke und seine Mannen hat der Weg in die Zukunft gerade erst begonnen. Noch mehr Bürger, Vereine und Gruppen für den Marsch von Harpen in die Innenstadt zu gewinnen, die Partymeile auf dem Boulevard weiter auszubauen: Das sollen die weiteren Etappen auf dem Weg zu einem neuen alten Traditionsfest für alle Bochumer sein.

Let me entertain you!

 

Der Westen 29.04.12 - Jürgen Stahl