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War einmal eine Beckporte ..(WAZ)

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War einmal eine Beckporte . . .


Wenn die Maischützen morgen nach Harpen ziehen, dann werden sie nicht durch die Beckporte marschieren. 2003 war das Holztor letztmals vor Rietkötter aufgebaut worden (danach war nur ein stilisiertes, blau-weiß verkleidetes Gerüst am Start). Ein Ersatz für die Porte ist nicht in Sicht. Jedenfalls nicht kurzfristig.

Wie berichtet, macht sich die Maiabendgesellschaft zwar Gedanken um den Neubau einer gestalteten Beckporte, aber die ist noch weit weg. In den nächsten Monaten sollen von künstlerischen Seite Pläne erarbeitet werden, aber die Finanzierungsfrage ist noch ungeklärt. Bis zu 200 000 Euro, wird spekuliert, könnte eine neue Beckporte kosten. Ganz schön viel für einen kleinen Verein. Sponsoren und Spender sind also gefragt.

Es ist 20 Jahr her, da wurde schon mal vom Neubau einer Beckporte aus festem Mauerwerk gesprochen. Zum 600. Maiabendfest anno 1988 sollte nach Entwürfen des Stiepeler Architekten Karl-Friedrich Gehse eine historisch nachempfundene "Porte" auferstehen. Die Räume im Torhaus hätten als Museum der Maiabendgeschichte dienen können. Gehses Pläne waren begeistert begrüßt worden. "Beim Vorsitzenden der Maiabendgesellschaft, bei der Sparkasse, beim Stadtbaurat Ahuis, beim Oberstadtdirektor Jahofer, bei der Propsteigemeinde - überall nur positive Reaktionen", schrieb die WAZ damals. Warum die künstlerisch hoch stehende Planung kurze Zeit später in der Schublade verschwand, ist eines jener typischen Bochumer Geheimnisse, deren Auflösung wir niemals kennen werden.

So bleiben zu den Maiabendfesten jüngere Zeiten zwei Beckporten im Gedächtnis. Die erste war 1961 in Dienst gestellt worden. Bühnenbildner des Schauspielhauses und Dekorateure eines Bochumer Kaufhauses hatten das alte, nach Osten weisende Stadttor in Holz, Pappmaché und mit aufgeklebten "Backstein"-Tapeten nachgebildet. Ende der 70er Jahre kam schließlich jene Beckporte zum Zuge, die sogar der akutelle Hauptmann noch kennen dürfte. Die Stadtschreinerei hatte das Teil damals als Holzrahmenbau mit wasserfesten Spanplatten gebaut. Die Antwort auf die Frage, was aus dem Ding geworden sei, ist einfach: Die Beckporte ist im Magazin Kronenstraße eingelagert. BO-Marketing hatte sie per "Geschäftsbesorgungsvertrag" von der Stadt geerbt. Aufgebaut wird sie nicht mehr: "Das Gerüst ist intakt, aber die Verkleidung in einem desolaten Zustand", bedauern die Marketing-Experten. Für eine Reparatur sein kein Geld da. Die Beckporte, die die Stadt Ende der 70er Jahre erstellte. Das ist die Beckporte, die 1961 erstmals zum Einsatz kam. Sie war von Bühnenbildnern des Schauspielhauses gezimmert worden.

Quelle: Jürgen Boebers-Süßmann WAZ