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Kranzniederlegung am Sarkophag Graf Engelbert III. in Fröndenberg - 2012

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Kranzniederlegung am Sarkophag Graf Engelbert III. in Fröndenberg

 

 

 

Die Rede des 1.Vorsitzenden Karl Heinz Böke in der Stiftskirche
 
Am heutigen Tage gedenken wir des Grafen Engelberts den III. von der Mark, dem Stifter des Maiabendfestes. Wieso gedenken wir eines Menschen, der um 1330 geboren wurde und 1391 verstarb?
Lassen Sie mich zuvor ein paar Worte zu Tod und Erinnerungskultur in unserer Zeit sagen.
Obschon kirchliche Feiertage wie Totensonntag in der evangelischen Kirche  oder Allerseelen in der katholischen Kirche existieren und auch staatliche Gedenktage wie der Volkstrauertag, ist das Andenken an Verstorbene in der Spätmoderne gesellschaftlich nicht mehr so etabliert, wie es zu früheren Zeiten Usus gewesen ist.
Es ist ein Kennzeichen unserer Gegenwart, dass Sterben und Tod tabuisiert und verdrängt werden. Mit der beginnenden Professionalisierung der Sterbebegleitung wurde der Tod aus dem Alltagsleben der Menschen verdrängt. Zudem leben moderne Menschen mit dem Credo, nichts unkontrolliert auf sich zukommen zu lassen und dem Tod präventiv die Handlungsmacht zu nehmen; wir leben in einer nichtsterblichen Gesellschaft, was dadurch untergraben wird, das die Medien den Tod zum Zentrum der Nachrichten und der Unterhaltung machen.
Während frühere Generationen sich ihrer Ahnen und Familiengeschichte bewusst waren, so ist heute jeglicher Kult um unsere Vorfahren verschwunden. Der moderne Mensch ist heute nicht eingebunden in die Geschichte seiner Vorfahren, sondern radikal individualisiert. Der Umgang mit den Toten wird sparsamer: Feuerbestattung und anonyme Beerdigung werden immer selbstverständlicher: sie bedeuten weniger Kosten, weniger Nachsorge!
Während in früheren Gesellschaftsformen die Gesellschaftsstruktur eine Einbettung von Sterben und Tod gewährleistete und Sterben stets begleitetes Sterben im häuslichen Umfeld war, konnte der zu erwartende Tod verstehbar gemacht werden. Die Unsichtbarkeit des Sterbens durch die heutige Verlagerung in Einrichtungen fördert unsere Hilflosigkeit, die Nichterfahrbarkeit angesichts des Todes.
Die radikale Diesseitigkeit des „modernen Menschen“ bringt meiner Ansicht nach Defizite mit sich und schadet auch dem Totengedenken.
Wir bedürfen aber einer Erinnerungskultur. Es ist essentiell notwenig sich der Vorfahren bewusst zu sein und ihrer zu gedenken. Dies müssen keine Vorfahren im verwandtschaftlichen Sinne sein, dies können Vorfahren wie der Graf Engelbert sein, auf welchen unser Maiabendfest zurückgeht. Denn wofür steht unser Maiabendfest?
Wer um die Geschichte der großen Dortmunder Fehde und die tragende Rolle der Bochumer Junggesellen Bescheid weiß, der erkennt, dass im kulturellen Gedächtnis des Maiabendfestes Werte wie Zusammenhalt, Solidarität, Tapferkeit und Mut vergegenwärtigt und symbolisch inszeniert werden.
Die Bochumer Maiabendgesellschaft ist hier an erster Stelle der spezialisierte Traditionsträger, doch durch die Teilnahme der Bochumer Bürgerinnen und Bürger  haben alle Anteil an dieser Erinnerungsgemeinschaft.
Das Totengedenken bedeutet also nicht sich längst verstorbener Menschen zu erinnern, um Vergangenes zu idealisieren oder zu heroisieren und jeglichen Einfluss auf die Gegenwart zu negieren, sondern um durch eine zeremonielle Kommunikation positive Werte an unsere Zeit heranzutragen.
Das Gedenken der Toten muss keine triste, stille Angelegenheit sein. So heißt es in einer Strophe des Bochumer Jungenliedes:
Es haben viel fröhliche Menschen
Lang vor uns gelebt und gelacht,
Den Ruhenden unter dem Rasen
Sei fröhlich der Becher gebracht.
So ist unser Gedenken an den Stifter unseres Festes – den Grafen Engelbert von der Mark - und an die Bochumer Junggesellen des 14. Jahrhunderts ein freudiges Gedenken.