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Kranzniederlegung am Sarkophag Graf Engelbert III. in Fröndenberg

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Kranzniederlegung am Sarkophag Graf Engelbert III. in Fröndenberg

 

 

 

Die Rede des 1.Vorsitzenden Karl Heinz Böke in der Stiftskirche
 
Liebe Anwesende,
ich habe mir schon vor Wochen Gedanken über diese heutige Rede gemacht und mir die Frage gestellt – worüber redest du heute eigentlich – über einen toten Grafen, der hier mit seiner Frau begraben ist? Was war sein Lebensinhalt? Ist er es wert, dass man seiner heute gedenkt?  War es zu seiner Zeit viel anders als heute? Ich denke nicht, selbst sein Leichenzug wurde am Sankt Stephanstag in Menden von seinen Feinden angegriffen. Es herrschten Fehden und Kriege untereinander. Auch wenn es sich nach heutiger Ansicht nur um Scharmützel handelte, die mit den heutigen Kriegen der Völker untereinander nicht vergleichbar sind.
Die Bilder der Gewalt verfolgen uns auch heute noch und das, in einem nie da gewesenen Ausmaß. Täglich neue Nachrichten aus Libyen oder Afghanistan über Terrorattentate auf der einen Seite und die Bombardierung von Terrornester als Antwort. Es erschreckten uns Bilder eines Übergriffs auf einen sterbenden Menschen unter Missachtung der Genfer Konvention. Die Spirale der Gewalt dreht sich weltweit und wird enger und enger. So, wie wir seit fast 60 Jahren ungebrochen in Frieden leben dürfen, gibt es Länder, in denen ganze Generationen von Kindern nur im Krieg vor sich hin vegetierten – dabei denke ich besonders an Afrika - und keine Aussicht auf Erlösung aus diesem Teufelskreis sehen. Wer aber nichts mehr zu verlieren hat, rüstet sich nicht für den Frieden, sondern für den Krieg.
Viele von Ihnen haben in diesem aber auch in den vergangenen Jahren Tränen vergossen. Das Sterben und der Tod eines lieben Menschen hat nicht wenige unter Ihnen traurig gemacht. Von nahem haben sie erlebt, wie es ist, einen Menschen zu verlieren, und damit auch wie vergänglich wir selber sind. Wie könnte uns das nicht nahe gehen!
Abschied nehmen tut weh, macht traurig und hilflos und die Haut wird dünn. Viele ertragen das Oberflächliche nicht mehr. So sehr geht Verletzlichkeit unter die Haut. Wir werden anders, wenn uns die Wellen der Trauer überspülen.
Doch so sehr es schmerzt einen Menschen zu verlieren, so sehr uns das unter die Haut geht, so sehr werden wir auch durchlässiger dafür, was uns gut tut. Ein freundlicher Blick, ein Wort, das uns tröstet. Ein verständnisvolles "ich weiß ..." einer Freundin, eines Freundes. Vielleicht ist es auch dieser Moment der Stille, der jetzt gut tut, weil er uns so sein lässt mit unseren Gedanken und Gefühlen, wie wir jetzt gerade sind und uns erleben.
Auch wenn Menschen tief getroffen sind, kaum mehr wissen, wie das Leben jetzt weitergehen soll, auch wenn sie alles darum gäben, den lieben Menschen wieder bei sich zu haben und ihnen dabei bewusst wird, dass dieser Wunsch unerfüllt bleiben wird. Gerade in solchen Phasen und Momenten kann es sein und ist es immer wieder so, dass das Leben sich ganz neu von seiner starken Seite zeigt.
Nein, die Vergänglichkeit wird nicht vertuscht. Sie bleibt bewusst. Bewusster als wenn wir sie leugnen oder verdrängen würden.
Trotzdem sind wir heute hier zusammen gekommen des Grafen Engelbert den III. zu gedenken, weil wir ihm aufgrund der Fehde mit Dortmund das heutige Maiabendfest zu verdanken haben.
Aber ich bin auch der Meinung, dass wir am heutigen Tage nicht nur des Grafen Engelbert gedenken sollten, sondern auch lieber Menschen und Freunde, die wir im Laufe von Jahren verloren haben und, vor allem der Opfer der Naturkatastrophe in Japan.
Lasst uns nun im Andenken an Graf Engelbert den III., der uns so sein großzügiges Legat hinterlassen hat, einen Kranz niederlegen.