Heimatfest auf neuen Wegen (WAZ)

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Bochum. Nach der Eichpflanzung war das Maibendfest in der Vergangenheit stets mehr oder weniger vorbei. In diesem Jahr nicht. Vielmehr wurde am Samstag auf dem Boulevard bei schönsten Frühlingswetter noch lange weiter gefeiert.

 

 

Tausende waren es, die sich bis in den späten Samstagabend zwischen den Biertischen, Buden und Handwerksständen drängten. Um 20 Uhr, als die geile Robbie-Williams-Coverband „Supreme“ loslegte, herrschte beim Maiabendfest auf einmal Party-Stimmung wie bei einem Open-Air-Festival. „Hey, die Maischützen können ja plötzlich rocken!“, meinte ein Besucher, sichtlich überrascht. Das sprühende Hohenfeuerwerk um 22 Uhr, das mit viel Applaus bedacht wurde, war das Tüpfelchen auf dem i.

 

Ein Wagnis

 

Auch die Oberbürgermeisterin staunte, fand das „neue“ Maiabendfest richtig gut: „Hier haben Bochumer für Bochumer ein Fest auf die Beine gestellt, das sich sehen lassen kann!“, meinte Ottilie Scholz begeistert.

Tatsächlich hätte kein Mensch ernsthaft geglaubt, dass das „neue“ Maiabendfest auf Anhieb solch’ einen Erfolg zeitigen würde. Bekanntlich wurde nach langem Hin- und Her und dem zum Teil harschen Protesten aus dem BSV Harpen das Hauptaugenmerk vom morgendlichen „Ausmarsch nach Harpen“ auf den „Einmarsch nach Bochum“ am Nachmittag verschoben – ein Wagnis für die Maiabendgesellschaft und für den Veranstalter, die Agentur Life Event.

 

Fest in Bochum angekommen?

 

Offenbar hat es sich gelohnt: Der Boulevard war auch wegen des Mittelalter- und Handwerkermarktes den ganzen Samstag über so voll wie lange nicht, noch spätabends amüsierten sich Tausende bei Musik, Pils und Feuerwerk. Ist das Maiabendfest also in Bochum angekommen? Abwarten.

Selbst wer voraussetzt, dass der Wettergott die Neuerungen klasse fand (das blau-weiße Wetter kam ja wie bestellt, wie wohl wäre ein verregnetes Fest ‘rübergekommen?), so bleibt viel zu tun. In erster Linie muss es gelingen, den „Bochumer Norden“ zu integrieren. Dass Harpen und Gerthe schmollen (wollen), während in Bochum gefeiert wird, mag nicht das Problem der Maiabendgesellschaft sein. Aber der Idee eines „Stadtfestes für alle“ widerspricht es.

 

Mut der Verantwortlichen

 

Auch der der veränderten Struktur geschuldete, kläglich bestückte Rückmarsch bis zum Kirmesplatz sollte dringend überdacht werden. Konzeptionelle Kleinigkeiten (noch mehr Fahnen, noch mehr Bänke?) dürften rascher abzuklären sein.

Unterm Strich bleibt, dass der Mut der Verantwortlichen belohnt wurde, dass der Relaunch gelungen ist. Die Begeisterung war groß, und das zu Recht. Im nächsten Jahr muss sich erweisen, ob das veränderte Konzept nachhaltig trägt.

 

WAZ Bochum, 25.04.2010, Jürgen Boebers-Süßmann