Toller Empfang für die Maischützen (WAZ)

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Bochum. Das 622. Maiabendfest, das am Samstag bei Kaiserwetter über die Bühne ging, wird man auf Jahre in Erinnerung behalten. Noch nie war die Stadt so voll, als die Maischützen zurückkehrten. Überschwänglich feiert Bochum sein Heimatfest!

 

 

40.000 (!) sollen es gewesen sein, die am späten Nachmittag vom Kirmesplatz bis zum Boulevard die aus Harpen heimkehrenden Maischützen und ihren Tross begrüßten. Der Boulevard war proppenvoll, die Leute standen in Zwei- und Dreierreihen, um den bunten Lindwurm aus rund 75 Vereinen, Verbänden, Organisationen und Parteien zuzusehen, wie er an der Festbühne am Kuhhirten vorbei flanierte. Die allermeisten von ihnen hatten sich schon Stunden zuvor in der Innenstadt aufgehalten, um beim Besuch des Mittelalterlichen Marktes, beim Shopping oder einfach in den Gaststätten oder an den Getränke- und Imbissbuden zu entspannen. Da kam der Einzug der Maischützen mit dem Junggesellenhauptmann hoch zu Ross vorweg als Spektakel gerade recht.

 

Keine Abnahme der Parade

 

Naturgemäß war der Ausmarsch nach Harpen, der ab 10.15 Uhr vom Rathausplatz aus erfolgte, nicht so gut bestückt wie in den Vorjahren. Bekanntlich solle beim 622. Ausgabe des Maiabendfestes das Hauptaugenmerk vom morgendlichen Ausmarsch auf den nachmittäglichen Einmarsch gerichtet werden. So kam es, dass am Vormittag lediglich die Maiabengesellschaft mit ihren Kompanien, Musikanten und Gruppen nach Harpen zog - nur begleitet von den „Zwergen“ der Christ König Gemeinde, die „ihren“ Hauptmann Jean-Pascal Lohof, der aus Altenbochum stammt, begleiteten.

In Harpen gab es keine pompöse Abnahme der Parade an der Ortsgrenze, wie sonst, vielmehr ging der blau-weiße Zug, dem sich auf Harpener Gebiet die Gruppen und Vereine des Bochumer Nordens anschlossen, geradeaus durch bis zum Bockholt. Harpen war blau-weiß geschmückt, die Straßenränder von feiernden Menschen belebt - man konnte optisch kaum einen Unterschied zu den Vorjahren ausmachen.

 

Die „Rache der Harpener“

 

Dass aber nicht alles Gold ist, stellte sich bei der Ansprache von „Hansi“ Albert, dem Vorsitzenden des BSV Harpen heraus. Er betonte, dass „der Bochumer Norden in den Vorjahren auch sehr viel für das Maiabendfest bewegt“ habe, und dass man (= die Maischützen) die nun gewählte Art des Ausmarsches „nochmals überdenken sollten“. Die, so Albert, „Rache der Harpener“ bestand darin, dass der Maiabendvorstand diesmal nicht mit den obligatorischen Efeukränzen geehrt wurde. Und dass der Junggesellenhauptmann förmlich um die Eiche kämpfen musste - sie war im Boden festgekettet, und ließ sich erst nach geschlagenen 5 Minuten harter Spatenarbeit aus der Harpener Erde ziehen. Auch der Empfang im Festzelt war eher distanziert. Es gab einen Schlag Erbsensuppe, aber kein gemeinsames Mittagessen wie sonst, die BO-Maus-Bande führte ihr Musical auf - und schon ging’s um 14 Uhr zurück nach Bochum. Die Harpener und die anderen Nord-Vereine blieben im Bockholt.

 

Eiche geht an die Fa. Heintzmann

 

Der Kirmesplatz an der Castroper Straße wurde dann eine gute Stunde später zum Sammelplatz für die zahllosen Gruppen, die die rückkehrenden Maischützen auf ihrem Weg nach Bochum begleiten wollten. Der erstmals durchgeführte Aufmarsch und der Umzug vom Kirmesplatz klappten reibungslos. Um 16.30 Uhr war die fröhlich-festliche Parade vor der Kuhhirten-Bühne (sprach-witzig moderiert von Esther Münch und Bernd Lohof) abgenommen, dann erfolgte die Eichpflanzung, wobei der Maibaum in diesem Jahr an die Bochumer Traditionsfirma Heintzmann ging.

 

 

„Erwartungen erfüllt“

 

Danach sollte auf dem Boulevard bei schönsten Frühlingswetter noch lange weiter gefeiert werden, mit Musik und Unterhaltung und einem Feuerwerk am Ende des langen Tages. „Ich habe in all den Jahrzehnten die Stadt nicht so voll gesehen bei unserer Rückkehr“, meinte der Vorsitzende der Maiabendgesellschaft Karl-Heinz Böke gerührt. Und auch die Oberbürgermeisterin fand das „neue“ Maiabendfest richtig gut: „Bochumer haben hier für Bochumer ein Fest auf die Beine gestellt, das sich sehen lassen kann. Die Erwartungen sind alle erfüllt worden“, meinte Ottilie Scholz.

 

WAZ Bochum, 24.04.2010, Jürgen Boebers-Süßmann