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Neustart für das Maiabendfest (WAZ)

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Wenn Ende April das 622. Maiabendfest steigt, dann wird kaum noch etwas so sein, wie es war. Zwar wird die Eiche aus dem Bockholt geholt. Aber das Drumherum des Heimatfestes soll eine komplette Neuausrichtung erleben. „Es wird einen Bruch geben“, so der 1. Vorsitzende der Maiabendgesellschaft, Karl-Heinz Böke.

Tatsächlich wurde in den letzten Monaten hinter dem blau-weißen Kulissen ein verändertes Veranstaltungskonzept geschmiedet, das auf die Zukunft blickt, ohne die Vergangenheit zu verleugnen. Es basiert auf zwei Grundlagen. Zum Einen wird der angestammte morgendliche Ausmarsch nach Harpen nicht mehr so stark gewichtet wie ehedem; zum Anderen soll das Maiabendfest zukünftig keine Veranstaltung der Maiabendgesellschaft allein mehr sein, sondern sich zu einem Stadtfest für alle Bürger mausern. „Herzenssache Bochum!“ lautet der Slogan, der den Neustart in Worte fasst.

Dringend geboten

Hintergrund der Überlegungen sind die seit Jahren quälenden Unzufriedenheiten mit dem Ablauf und der Gestaltung des Traditionsfestes. Kurz gesagt, bestand das Problem darin, dass nach dem morgendlichen Ausmarsch die Innenstadt „leer“ war. Nachmittags kehrten die Maikerls mit der Eiche zurück und feierten danach „unter Ausschluss der Öffentlichkeit“ weiter. „So konnte es nicht weitergehen“, sagt Böke, „wenn das so geblieben wäre, würde das Fest in drei, vier Jahren tot gewesen sein.“

Versammlung auf dem Kirmesplatz

Man entschloss sich deshalb, das Fest „umzukehren“. Statt des frühmorgendlichen Ausmarsches soll der nachmittägliche Einmarsch in Bochum zum Anziehungs- und Bezugpunkt werden. „Wir Maischützen marschieren wie gehabt nach Harpen, holen die Eiche und marschieren dann nach Bochum zurück“, schildert Vorstand Michael Schüren den Ablauf. „Ab dem Kirmensplatz Castroper Straße stoßen dann alle Vereine, die mitmarschieren wollen, zu uns. Gemeinsam geht es dann farbenprächtig und fröhlich nach Bochum hinein.“

Bühne auf dem Boulevard

Dort soll, wenn der Festumzug kommt, bereits der „der Bär los sein“. Denn der Boulevard verwandelt sich vom Donnerstag bis zum Sonntag in eine Event- und Erlebnismeile, die von morgens bis abends für jeden Geschmack etwas bietet. So soll der Boulevard mit einem Handwerks- und Mittelalter-Markt bestückt werden, es gibt eine große Bühne am Kuhhirten, auf der nicht nur Blasmusik, sondern auch Pop & Rock geboten wird, dazu Lesungen, Kabarett und Infos zur Bochumer Stadtgeschichte. „Der geschmückte und beleuchtete Boulevard wird von Donnerstag bis Sonntag zu einer Erlebniswelt“, verspricht Christian Schonefeld vom Veranstalter Life Event Service. Wie einen Mix aus Kuhhirtenfest und Musiksommer mag man sich das „neue“ Maiabendfestes vorstellen. Die bewährten Komponenten wie der ökumenische Gottesdienst, der Zapfenstreich und der Brauch-tumsabend bleiben erhalten und werden ins verändert Erscheinungsbild integriert.

Der Umbruch werde mittel- und langfristig zur Stabilisierung des Maiabenfestes beitragen, hoffte Schüren: „Das Fest hat nur eine Chance, zu überleben, wenn wir es gemeinsam schaffen, es zu einem Stadtfest für ganz Bochum weiterzuentwickeln.“

 

WAZ Bochum, 18.03.2010, Jürgen Boebers-Süßmann