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Zapfenstreich 2010

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Zapfenstreich 2010
 
Die Rede des 1.Vorsitzenden Karl-Heinz Böke:

 

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Dr. Scholz,
Liebe Mitbürgerrinnen und Mitbürger,
Liebe Freunde des Maiabendfestes,
Liebe Maimädchen und Maikerls,
unser 622. Bochumer Maiabendfest geht mit einigen Veränderungen einher:
Veränderungen am Hergang und Geschehen selbst:
Es wird 1 Tag länger andauern, der sich dann den Kindern, unserem Nachwuchs widmen wird, und es werden nur die Bochumer Maischützen nach Harpen ziehen und sich anschließend mit den Gastvereinen auf dem Kirmesplatz treffen, um gemeinsam in die Bochumer Innenstadt zu ziehen. Diese äußerlichen Änderungen haben Kritik hervorgerufen, wohl mit der hintergründigen Annahme, dass durch selbige das Fundament unseres traditionsreichen Heimatfestes gelockert wird.Um dieser verständlichen, aber unberechtigten Kritik zu begegnen/aufzugreifen,  möchte ich einen Auszug der ersten drei Strophen des evangelischen Kirchenlieds "Vertraut den neuen Wegen" zitieren:

1. Vertraut den neuen Wegen, weil leben heißt: sich regen, weil Leben wandern heißt.
2. Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit!
3. Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit. Die Tore stehen offen, das Land ist hell und weit.

Ergänzend dazu möchte ich den Philosophen Heraklit von Ephesus zitieren:
"Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung". Dieser Aphorismus und die erste Strophe des Liedes illustrieren, dass Leben nicht beständig sein bedeutet, es ist mit Aufbruch verbunden und mit einem Weg. Und wie es Wege so an sich haben, führen sie weiter, führen zu etwas Anderem, Neuen hin und sollen dazu beitragen nicht auf einem starrem Punkt zu verharren. Diesen neuen Weg soll auch die Neukonzeption unseres Maiabendfestes gehen. Dieser Wandel bedeutet nicht, dass man seiner eigenen vorherigen Tradition ablehnend gegenüber steht, ganz im Gegenteil, das Bochumer Maiabendfest war schon immer ein identitätsstiftender Brauch und diente als alljährliches städtisches Fest als verbindendes Element der Stadt Bochum.
Doch man darf seine Augen vor der Wirklichkeit nicht verschließen: Es nehmen leider viele der Bochumer Bürger kaum noch Anteil an dieser Tradition. Und da das Wort Identität im Sinne dieses Brauches Gemeinschaft impliziert, müssen die Neugestaltungen dazu beitragen, dass die Attraktivität des Festes für mehr Bochumerinnen und Bochumer steigt. Dies erfordert, dass Bürgerinnen und Bürger mehr miteinbezogen werden, das ist die Intention des neuen Veranstaltungskonzepts, welches in ein mehrtätiges belebtes Stadtfest auf dem Bochumer Boulevard umgesetzt werden soll.
In Bezug auf die zweite Strophe des Liedes " Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit" appelliere ich an das Vertrauen der Maischützen und Freunde der Maiabendgesellschaft sich diesen Neuerungen gegenüber nicht zu verschließen. Es kann nur im Interesse aller sein, dass ein Brauch, der seit 622 Jahren existiert, nicht in Vergessenheit gerät über die Stufen der Nicht-Anteilnahme, der Gleichgültigkeit bis zur Ablehnung aufgrund einer Haltung, die Moderne und Brauchtum nicht mit sich vereinbaren lässt, so dass letzteres stirbt. Und die Gefahr, dass es diesen "neuen" aber verheerenden Weg nimmt, ist groß. Wenn in den eigenen Reihen nicht genügend Anteil an der Hochhaltung des Maiabendfestes genommen wird, so verwundert es auch nicht, dass es in den Augen anderer nicht die gebührende Anerkennung findet. Es ist doch erstaunlich, dass im Kulturhauptstadtjahr 2010 unser Heimatbrauch, der älteste in NRW, zunächst keinen Eingang in eine informative Broschüre oder Festschrift fand, somit das Maiabendfest in den Augen einiger nicht als Kulturbrauch aufgefasst wurde.Vor kurzem erst wurde es in einer zweiten Publikation anlässlich des Kulturhauptstadtjahres erwähnt, diese Aufführung war allerdings nicht nennenswert, nicht so wie es einem der wohl ältesten Bräuche gebührt. Heimat ist Kultur und Kultur ist Heimat. Es ist zu kurz und unweitsichtig gedacht unter den Begriff der Kultur, nur Theater, Konzerthäuser, also darstellende Künste und Musik, und bildende Künste zu fassen; dies ist scheinbar beim Kulturdezernenten in Bochum noch nicht angekommen; es mag daran liegen, dass der verantwortliche kein Bochumer ist. Es wäre ratsam gewesen sich genauer über die Bochumer Geschichte zu informieren.
"Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit. Die Tore stehen offen, das Land ist hell und weit."
Ich habe die Hoffnung, dass unser Fest erhalten bleibt und auch von kommenden Generationen zelebriert wird. Mögen auch Wandel und Veränderung geschehen, so betreffen diese doch nur einen äußeren Rahmen, der innerste Kern bleibt jedoch er selbst. Und das heißt: Das Legat des Grafen Engelbert zu erfüllen. Die Eiche von den Bochumern Maischützen aus Harpen zu holen, vor Dunkelheit hinter die Stadttore zu verbringen und aus dem Erlös ein Fest zu feiern und zwar mit allen Bochumern Bürger. Wandel und Veränderung bedeuten nicht einer alten Tradition abzuschwören oder diese zu negieren, nein, es bedeutet ganz im Gegenteil, dieser Tradition neu zu begegnen, die Veränderungen als Chance zu begreifen, als Chance besser wahrgenommen zu werden, als Chance auch in den Köpfen anderer Kreise in Zukunft als etwas Wesentliches und Sinnstiftendes betrachtet zu werden. Den Kritikern der inneren Reihen, die eine gewisse Änderungsimmunität an den Tag legen, möchte ich sagen, dass sie mit dem Sinngehalt ihres eigenen Liedguts nicht besonders vertraut zu sein scheinen:
"Es kann ja nicht immer so bleiben, hier unter dem wechselnden Mond"
Doch weil es nicht immer so bleibet, so haltet die Freundschaft recht fest,
…und auch dann sind wir immer noch die Bochumer Jungen".
Zum Schluss gestatten Sie mir noch ein Zitat von Joachim Ringelnatz:
Ein Rauch verweht, ein Wasser verrinnt, eine Zeit vergeht, eine neue beginnt.
Ich lade sie deshalb alle ein mit uns morgen Nachmittag gemeinsam unser Maiabendfest zu feiern.

Blau - Weiß