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Kranzniederlegung am Sarkophag Graf Engelbert III. in Fröndenberg

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Kranzniederlegung am Sarkophag Graf Engelbert III. in Fröndenberg

 

Traditionell fand auch in diesem Jahr die Kranzniederlegung am Sonntag vor dem Beginn der Feierlichkeiten zum jährlichen Maiabendfest, in diesem Jahr dem 622., in der Stiftskirche in Fröndenberg statt.
Hierzu waren zahlreiche Mitglieder der Bochumer Maiabendgesellschaft 1388 e.V. nach Fröndenberg gereist, um im Anschluss an den Umzug durch die Stadt Fröndenberg und einem Gottesdienst in der Stiftskirche, in welcher sich das Grab des Grafen Engelbert III. von der Mark befindet, dort zu seinem Gedenken einen Kranz niederzulegen.
Hieran schloss sich das ebenfalls schon traditionelle Mittagessen an, welches auch dieses Jahr wieder von dem Schützenverein der Stadt Fröndenberg organisiert worden war. Dieses zog sich bis in den Nachmittag hinein und bildete den Abschluss der diesjährigen Veranstaltung in Fröndenberg.

 

Die Rede des 1.Vorsitzenden Karl Heinz Böke in der Stiftskirche
 
Dieser Sonntag, der dem Gedenken des Grafen Engelbert und seiner Gemahlin – Stifter des Bochumer Maiabendfestes – gewidmet ist, geht vorüber, ohne dass er sich von anderen Tagen wesentlich unterschieden hätte.
Sind es die Sorgen der Gegenwart und die lastende Ungewissheit der Zukunft, die uns das jüngst Vergangene so fernrücken?
Oder hat uns die Zeit phrasenhafter Entwertung aller Begriffe mit ihrem hohlen Heldenkult auch noch um das letzte Besitztum betrogen: um die Erinnerung an seine Verstorbenen.
Mancher mag vielleicht auch denken, warum Christentum nur am Sonntag, warum ein bestimmter Tag des Gedenkens für die, die mit unserm Leben und Denken so eng verwoben sind, dass sie uns auf Schritt und Tritt begleiten — heute viel unlöslicher mit uns verbunden, als je in den Tagen gemeinsamen Alltags.
Wenn wir einmal ganz nüchtern den Sinn dieses Tages überdenken, dann, steigt in uns die Erkenntnis auf, dass der Tod zweierlei Bedeutung hat.
Einmal das individuelle Sterben eines Menschen, das Herausbrechen seines Lebens aus einem ganz bestimmten Wirkungskreis, aus dem Bereich seiner Familie und seiner besonderen Umgebung, und zum andern jenes Ungreifbare, darüber Hinausgehende, für das es keinen Begriff gibt und das doch in der Vorstellung aller Völker seit der Antike lebendig ist. Unsterblich ist die Rede des Perikles auf die gefallenen Athener, ewig gültig das Wort Heraklits:
„Die im Kriege Gefallenen sind bei Göttern und Menschen geehrt“; ungezählt bleiben die Worte der Bibel, die die Völker aller Epochen und Sprachen ihren gefallenen Kriegern zum Gedächtnis in Stein meißelten.
Für unsere menschliche Schwäche wird das immer nur fassbar sein durch die Liebe für eben den, um den wir im Besonderen trauern, weil er für uns den Zugang zu jener Welt bedeutet.
Vielleicht darum das Wort: „Selig sind die Leidtragenden"; jedenfalls ist darum das Trauern im Sinn des Gedenkens und mit dem Wunsch, den lebendigen Zusammenhang mit den Toten zu erhalten und zu vertiefen, so wichtig.
Ihr Tod ist nicht das letzte, was geschah, sondern er ist nur die Verwandlung eines scheinbar zerbrochenen Lebens in die Vollendung seines eigentlichen Wesens, auf einer höheren Ebene und in einem größeren Zusammenhang. So wie es in dem Requiem für einen Freund Rainer Maria Rilkes heißt:
Leben ist nur ein Teil... wovon? Leben ist nur ein Ton ... worin? Leben hat Sinn nur verbunden mit den vielen Kreisen des weithin wachsenden Raumes, Leben ist so nur der Traum eines Traumes, aber Wachsein ist anderswo.
Wir, von denen die meisten nach dem Krieg aufgewachsen sind, die wir in den Trümmern einer zusammenstürzenden Kulturepoche aufgewachsen sind, in der sich die alten Ordnungen auflösen und alle überlieferten Werte in Frage gestellt wurden, wir stehen mit leeren Händen in einer entzauberten Welt.
Opferbereitschaft, Heldentum, Ehre, Treue, das alles ist fragwürdig geworden, leer und schal, weil ein materialistisches Zeitalter diese Begriffe aus dem metaphysischen Zusammenhang, in dem allein ihnen Sinn zukommt, herausgelöst hat. Es ist nicht damit getan, neue Ideale neben die alten oder an ihre Stelle zu setzen, was allein notwendig ist, ist die geistige Wandlung des Menschen. Die Humanitas: das Bild, das der Mensch vom Mensch-Sein hat, muss von Grund auf erneuert werden. Das aber ist eine Forderung, die wir Lebenden aus eigener Kraft nicht zu bewältigen vermögen.
Und darum ist es richtig und notwendig, der Toten gemeinsam zu gedenken, im vollen Bewusstsein der Verantwortung die uns Überlebenden alle gleichermaßen auferlegt wurde. Aus solchem Gedenken muss die Kraft erwachsen, Hass in Liebe zu verwandeln und eine neue Ordnung im Geiste der Brüderlichkeit aufzubauen.