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Heim nach Bochum (WAZ)

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Heim nach Bochum (WAZ) 
 
Zum 619. Male werden die Junggesellen in einer Woche das Legat des Grafen Engelbert einlösen und eine Eiche aus dem Bockholt heim nach Bochum holen. Das Maiabendfest ist nach wie vor mit unserer Stadt verhaftet, aber ob das zwangsläufig so bleiben wird, das ist eine andere Frage.

Tatsächlich ringt die Maiabendgesellschaft schon länger um eine angemessene Überführung der Traditions-Veranstaltung ins veränderte Freizeit-Umfeld des 21. Jahrhunderts. Die Zeiten, als das Maiabendfest ein Selbstläufer war, als am Ausmarschtag schulfrei war und die ganze Stadt im blau-weißen Fahnenschmuck auftrumpfte, sind lange vorbei. Wenn morgen zum Auftakt der 619. Saison das Schützenbiwak auf dem Boulevard steigt, dann setzen die Maikerls nicht viel mehr als einen kleinen Farbtupfer.

Warum der Auto-Frühling ausgerechnet am dritten, traditionell blau-weiß "besetzten" April-Wochenende aufgezogen wird, wissen höchstens die Strategen von BO-Marketing. Konkurrenz belebt in diesem Falle mal nicht das Geschäft: So werden sich diesmal nur zwei von vier Maiabendkompanien (und die neu gegründete Bochumer Bürger Gilde) präsentieren; innerhalb der Gesellschaft kam die "Verdrängung", wie man hört, überhaupt nicht gut an.

Dass der Verein finanziell nicht auf Rosen gebettet ist, und deshalb große Werbe-Aktivitäten niemals von alleine ins Werk setzen könnte, hat die letzte Jahresversammlung krass gezeigt: Die Kasse ist leer, die Mitgliederzahl rückläufig. So fällt erstmals in diesem Jahr der Maiabendball am 30. April aus.

Noch wichtiger als das Geld wird sein, den Wert des Maiabendfestes an die nächsten Generationen weiterzugeben. Die Gesellschaft hat dazu Schulveranstaltungen organisiert, Info-Schriften verteilt, auch ein frischer Internet-Auftritt wurde geschaffen. Nun soll auch ein städtebauliches Zeichen her, das die Idee des Maiabendfestes über die zwei Wochen im April hinaus nachhaltig in Erinnerung ruft.

Nachdem die Beckporte aus Pappmaché wegen Baufälligkeit zuletzt nicht mehr aufgestellt wurde, ist es ein großer Wunsch, dass sie neu entstünde - und zwar als Kunst im öffentlichen Raum. Gedacht ist an zwei Skulpturen als zwei Elemente eines Tores, in die Reliefs mit den bekannten Motiven des Maiabendfestes eingebunden werden. Das Tor soll in der Großen Beckstraße beiderseits der Fahrbahn aufgebaut werden und sich vom Schwanenmarkt als weit geöffnetes Tor zur Innenstadt präsentieren. "Das Vorhaben wird von der Vorsitzenden unseres Beirates, OB Ottilie Scholz, ausdrücklich unterstützt", gibt sich der Vorsitzende der Maiabendgesellschaft, Volker Protzel, hoffnungsfroh. Die Beckporte soll den Bürgern und der Stadt zum Geschenk gemacht werden. Nun wird ein detaillierter künstlerischer Vorschlag entwickelt und schon mal bei potenziellen Sponsoren angefragt. Ein namhaftes Mitglied der Maiabendgesellschaft hat bereits eine fünfstellige Summe als Anschubfinanzierung in Aussicht gestellt.

Dass das Maiabendfest eine gute Zukunft haben möge, ist auch die Hoffnung von Theodor Kraushaar, der sich seit Jahren im Beirat des Vereins engagiert. Er appelliert in für ihn typischen Reimen an alle Bochumer/innen, beim Ausmarsch Flagge zu zeigen:

"Schmückt jede Straße, jedes Nest/für unser schönes Heimatfest/lasst uns die Stadt blau-weiß garnieren/wenn wir nach Harpen ausmarschieren/Kommt alle mit und denkt daran: dies' Heimatfest geht alle an!" Junggesellenhauptmann Ewald Fischer jun. führt den Festzug durch die Papp-"Beckporte" nach Harpen. So geschehen anno 1981. Nun soll sie als Kunstwerk neu entstehen.


Quelle: Jürgen Boebers-Süßmann WAZ