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Blick zurück auf dem Boulevard (WAZ)

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Blick zurück auf dem Boulevard

 

Der Blick zurück war es, was die Besucher beim Kuhhirtenfest so in den Bann zog. Ständig umlagert waren die großformatigen Aufnahmen des alten Bochums, die etwa zeigten, wie die Massenbergstraße zwischen den Weltkriegen aussah.

Die Immobilien-Standort-Gemeinschaft Boulevard hat nach dem Erfolg im letzten Jahr die Neuauflage organisiert. „Das Fest soll wachsen. Wir hoffen, großere Teile der Straße nutzen zu können", sagt ISG-Projektleiter Jürgen In der Beeck. Nun ist die Gemeinschaft noch keine „echte" ISG, wie sie das neue Landesgesetz ermöglicht, wonach nicht nur die Einzelhändler, sondern auch Immobilienbesitzer mit ins Boot geholt werden, was eine finanzielle Schlagkraft beschert. „Das ist es, was wir anstreben, denn dann hätten wir ganz andere Möglichkeiten, den Boulevard attraktiver zu machen. Zurzeit klopfen wir die Bereitschaft der potenziellen Mitglieder zur Teilnahme ab." Händler seien in jedem Fall dabei.

Nostalgiker kamen auf dem gut besuchten Boulevard auf ihre Kosten. Die Gruppe 1388 der Maiabendgesellschaft stellte das Mittelalter nach, „zeitlich zwar noch vor dem Kuhhirten, aber auch das war Teil Bochums Geschichte", sagt Stefan Vahldieck. Gezeigt wurden die alte Schreibkunst, Würfelspiele, aber auch Techniken der Stadtverteidigung und Schwertkämpfe.

Bochumer Motive in Reliefs sind die Spezialität des Hobbyschnitzers Franz Fehrenbacher aus Hamme, die er an seinem Stand demonstrierte. 1996 erlernte er die Holzschnitzerei, schuf seither u.a. das Bochumer Rathaus, die Stiepeler Dorfkirche oder – natürlich – die Figur des Kuhhirten. „Als nächstes habe ich mir das Bergbaumuseum vorgenommen." Mit dem Anbau? „Nein, das würde zuviel Holz verbrauchen."

ISG-Mitglied Hayat Marti hat mit einigen Helfern kiloweise Pflaumen entkernt und Kuchen gebacken. Der Verkaufserlös fließt den Kindergärten St. Peter und Paul und Wasserstraße zu. Sie boten für die kleinen Besucher das Basteln alter Spielsachen an. Heike Braukhoff zog wie eine „Rattenfängerin" in der Rolle der Frau des Kuhhirten Besucher in ihren Bann und zeigte ihnen die historischen Ecken Bochums, das Gerberviertel und die Propsteikirche.

Und WAZ-Redakteur Jürgen Boebers-Süßmann las in einer lauschigen Nische neben dem Kuhhirten-Denkmal aus seinen stadthistorischen Büchern „Do kass di drop verloten" und „Links und rechts der Renne".

»Als nächstes will ich  das Bergbaumuseum schnitzen«

Weißt du noch? Die Stelltafeln mit historischen Fotografien aus Bochum waren stets dicht umlagert.

 

WAZ Bochum, 21.09.2009, Sabine Vogt