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Burgfest in Blankenstein (WAZ)

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Burgfest in Blankenstein
 
Mitten im Mittelalter
 

Den Eingang zu Burg Blankenstein flankieren zwei Ritter. Ihre Rüstungen funkeln im Sonnenschein. Gegen drei Taler gewähren sie Einlass. Kinder „unter Schwertlänge” und Besucher in mittelalterlichem Gewand winken sie durch.

Die Gruppe Bochum 1388 hat zum ersten Mal ihre Zelte in Blankenstein aufgeschlagen. Ein kleiner Nachwuchsritter kommt mit eigenem Holzschwert und Schild. Bevor er das Gelände betreten darf, spricht er erst sein Ritterehrenwort, in friedlicher Absicht gekommen zu sein. Er blickt den großen Ritter bewundernd an.

Hinter dem Eingangstor beginnt die Zeitreise ins 14. Jahrhundert. Unter grünen Bäumen stehen große blau-weiße Zelte. Jemand brutzelt sein Mittagessen im großen Topf über offenem Feuer.

Die Gemäuer der Burg sind festlich geschmückt. Bunte Fahnen wehen seicht im Wind. Viele Menschen haben sich zeitgemäß gekleidet, tragen bunte Gewänder, Leinenhemden oder geschnürte Lederhosen.

Auch Alexandra, Oliver und Dominique haben sich für das Ritterfest in ihre mittelalterlichen Gewänder geworfen. Während die Herren eher schlicht unterwegs sind, trägt Alexandra ein prachtvolles rotes Kleid mit schwarzer Korsage. In ihren blonden Locken funkelt eine silberne Stirnkette. Die Freunde aus Mülheim sind häufiger auf Mittelaltermärkten. „Das hat aber nichts mit Realitätsflucht zu tun”, stellt Oliver klar. Vielmehr sei es der Spaß daran, in andere Rollen zu schlüpfen: „Einfach ein Ausgleich zum Alltagsstress”. Die drei nehmen an Live-Rollenspielen teil. Dominique und Oliver zeigen ihre Waffen: „Das sind Schaumstoffschwerter. Damit kann also nichts passieren. Dafür kann man im positiven Sinne seine Energie rauslassen. Auf ganz ungefährliche Art und Weise”. Dominique erklärt die Faszination: „Wenn man eine Geschichte liest, stellt man sich alles vor. Aber durch das Rollenspiel hat man kurzfristig das Gefühl, selbst mittendrin zu sein”.

Der erste Eindruck vom Blankensteiner Ritterfest ist: alles etwas kleiner als bei anderen Veranstaltungen. Aber: „Die tolle Atmosphäre hier gleicht das wieder aus”.

„Guck mal! Der sieht aus wie Gandalf!”, ruft ein Junge seiner Mutter zu. Tatsächlich. Ein Zauberer mit Rauschebart, prachtvollem, bodenlangen Gewand und behangen mit geheimnisvollen Amuletten spaziert vorbei. „Früher nannten sich Zauberer Alchimisten”, erklärt er der Kinderschar. Er sagt einen magischen Spruch auf und verzaubert die Kinder mit Kartentricks und bunten Tüchern. Wenig später verschwindet er, taucht an anderer Stelle wieder auf.

Plötzlich und unangekündigt finden auch die Schaukämpfe statt. Besonders viele Kinder beobachten gebannt, wie sich die beiden Kontrahenten mit Schwert und Schild duellieren. Ganz unblutig natürlich. Es geht lediglich um die Ehre. Und darum, die Technik des Schwertkampfes zu demonstrieren. Max (6) und Emma (5) beobachten das Treiben ganz genau. Max möchte sich noch etwas abschauen. Er stellt sich so ein Ritterleben nämlich ziemlich aufregend vor: „Zuhause hab ich auch einen echten Ritterhelm”. Emma hingegen fühlt sich in einer anderen Rolle wohler: als Prinzessin.

WAZ Hattingen, 14.06.2009, Linda Aschendorf