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Zapfenstreich 2009

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Zapfenstreich 2009
 
Die Rede des 2.Vorsitzenden Karl-Heinz Böke:
 
ich zitiere aus der Sonderbeilage der Westdeutschen Allge­meinen Zeitung zum 574. Maiabendfest am 30. April 1962.
 
„Letzte Sektion“ ertrotzt Eiche
 
Max Seippels Schrift verteidigt Ausmarsch – Kern unverändert – Erstaunliche Kraft
 
Nachdem das Abholen der Zinstaler weggefallen war, gab es in Krei­sen der Bochumer Junggesellen immer wieder Zweifel, ob man nach Harpen ausmarschieren sollte. Bis 1872 hatte man daran festgehalten, dann suchte man neue Formen für das Fest. Es gab den Zapfenstreich am Vorabend, der damals erst eingeführt wurde. Am Festtage selbst eine Parade durch die Stadt mit anschließendem Frühstück auf dem Schützenhof, mancherlei Volksbelustigung und danach Preisschießen, Fest­essen und Ball.
 
Der gleiche Kommentar könnte auch heute, nach fast 50 Jah­ren, wie­der in der WAZ erscheinen. Bei uns ist es nicht die „letzte Sektion“ wie sie damals genannt wurde, sondern eine andere Gruppierung die sich dafür stark macht nicht mehr nach Harpen zu marschieren und wie man es heute neudeutsch nennt „um ein Event auf dem Boule­vard zu veranstalten“. Party, Party, Party.
 
Ist es das was Max Seippels in seiner Schrift verteidigt? Ich glaube es nicht.
 
Veränderungen wird es immer wieder geben, schon alleine durch die heranwachsende Jugend, die ihre Ideen einbringt, um eventuell das Fest neu oder anders zu gestalten. Das muss auch so sein, ein solches Heimatfest muss mit Leben erfüllt werden um es auch in der Neuzeit am Leben zu erhalten. Ab­schneiden müssen wir die  alten Zöpfe, die aufgrund Jahr­zehnten Gebrauchs, mittlerweile Brauchtum geworden sind aber mit der ureigenen Tradition des Maiabendfestes nichts zu tun haben. Veränderungen haben schon im letzten Jahr stattgefunden, in­dem wir das Fest nach hier verlegt haben und ein buntes Un­terhaltungspro­gramm am Brauchtumsabend für die Bochumer Bürger und Bürgerin­nen geboten haben. In diesem Jahr wer­den wir an all den drei Tagen ein musikalisches sowie kabera­tistisches Programm der Bochumer Bevölkerung bieten.
 
Natürlich sind wir, wie des öfteren von der Stadt und auch von Bo­chum Marketing gefordert, von einem großen Stadtfest weit entfernt. Hier müssen wir in aller Deutlichkeit sagen, so ein Fest kann die Mai­abendgesellschaft alleine nicht schultern. Hier sind ins besondere die Politik und natürlich vor allem auch die ortsansässige Geschäftswelt gefordert und in diesem Zusammenhang denke ich besonders an die vielen Filialisten hier in Bochum. Schein­bar fehlt Ihnen immer noch die Bin­dung zu unserer Stadt bzw. zum Brauchtum dieser Stadt. Umsatz ist gut, aber sich im Brauchtum zu beteiligen ist noch besser.
 
Gerne erinnere ich mich noch daran wie  die Kortumstrasse vor vielen, vielen Jahren in einem blauweißen Fahnenmehr unterging, es war eine persön­liche Pflicht, ja Sie haben richtig gehört, eine persönliche Pflicht ei­nes jeden Ge­schäftsmannes sein Geschäft an diesen Tagen mit blauweißen Fahnen zu schmücken. Aber ich hoffe, dass dieser Aufruf nicht spurlos an der Ge­schäftswelt vorbeigeht und wir im nächsten Jahr in einem  blauweißen Fahnenmeer schwimmen werden.
 
Manch eine Stadt würde sich über solch ein altes Brauchtums­fest  freuen und es ganz anders über die Stadtgrenzen hinaus vermarkten.
 
Wir haben hier in Bochum nicht nur ein Schauspielhaus, Sympho­niker, Museen usw. die um ihre Gunst und Geld buh­len.
So wichtig wie diese Häuser für die Bevölkerung sind, so wichtig sind auch kleine Vereine und Gruppen, die in Hinter­höfen oder Kneipen sich zusammen finden um ein Stückchen mit zur Kultur in Bochum beitragen. Sie haben keine Lobby und kein zu Hause und sind immer fröhlich wenn Sie ge­rufen werden. Vielleicht bekommen auch sie einmal ein zu Hause und brau­chen nicht für Ihre Veranstaltungen, die sich kaum ein Verein noch leisten kann, ausufernde Saalgebühren zahlen.
 
Wir warten schon über 60 Jahre darauf. Aber die Hoffnung sollte man nicht aufgegeben. Darum rufe ich alle Vereine auf, gemeinsam sind wir stark, alleine schaffen wir es nicht. 
 
Zum Schluss rufe ich sie liebe Mitbürger und Mitbürgerinnen auf, unterstützen sie uns morgen beim Aus- sowie beim Rückmarsch durch Ihre Anwesenheit. So wie jeder Künstler von Applaus lebt, so freuen wir uns über ihre Anwesenheit.
 
 
Blau - Weiß