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Kranzniederlegung am Sarkophag Graf Engelbert III. in Fröndenberg

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Kranzniederlegung am Sarkophag Graf Engelbert III. in Fröndenberg
 

Zum diesjährigen Auftakt des Bochumer Maiabendfestes besuchte die Bochumer Maiabendgesellschaft mit Ihren Kompanien, Gruppen und Klangkörpen das Grabmal Graf Engelbert des III., um einen Kranz am Sarkophag des Grafen niederzulegen, wie es schon seit vielen Jahren Tradition ist. Die Begrüßungsrede vor dem Stiftskeller hielt in diesem Jahr der 2.Vorsitzende Kar-Heinz Böke, der unseren 1. Vorsitzenden endschuldigen lies, da dieser krankheitsbedingt nicht kommen konnte.

 

Die Begrüßungsrede des 2.Vorsitzenden Karl Heinz Böke
 
besonders begrüßen möchte ich heute einen Menschen, der in all den Jahren immer wieder für einen reibungslosen Ablauf dieser Veranstaltung gesorgt hat und nun in den wohlverdien­ten Ruhestand geht, wie mir ein Vöglein sang „ Ehrenoberst Adolf Ulmke“, lieber Adolf nochmals Danke für all die schö­nen Jahre.

Zuerst einmal recht herzlichen Dank für Eure Einladung und ich begrüße Euch mit einem dreifachen grün und blau weiß.

Wir, die Bochumer Maiabendgesellschaft, sind heute nach Fröndenberg gekommen, um den Stifter des heutigen Maiabendfestes, Graf Engelbert und seiner Gemahlin zu gedenken, aber auch vor allem unter der Prä­misse, Freunde besuchen Freunde, denn – so glaube ich – dass nach mittlerweile 81 Jahren eine Freundschaft und Partner­schaft zwischen unseren Städten und Vereinen entstanden ist, um die uns so manch einer beneidet.

Leider muss ich den 1. Vorsitzenden der Bochumer  Mai­abendgesellschaft, Volker Protzel entschuldigen, der aus ge­sundheitlichen Gründen nicht kommen konnte. Mit seinen Gedanken wird er jedoch heute bei uns sein und wünscht uns allen einen guten Verlauf des heutigen Tages.

Gestatten Sie mir heute, dass ich 81 Jahre zurück schaue auf unsere Partnerschaft. Wie war es 1928 ?  Deutschland wurde nach 10-jähriger Ächtung wieder in die Völkergemein­schaft aufgenommen. Was haben unsere Eltern und Großeltern in den 81 Jahren alles erlebt?

Heute verspüren wir Freiheit, das Recht auf persönliche Ent­faltung, verspüren Freundschaft und gemeinsame Verantwor­tung.

Heute freuen wir uns über eine ganze Generation junger Men­schen, die all diese unseligen Zeiten nicht mehr erlebt haben.

Wir alle freuen uns, dass wir heute 81 Jahre gelebte Partner­schaft zwischen Fröndenberg und Bochum feiern, die Freund­schaften, die Erfolge und die vielen tollen Ereignisse heraus­stellen,

Partnerschaften leben aber nicht allein von der Vergangenheit. Sie machen dann vor allem Sinn, wenn sie auf die Zukunft ge­richtet sind.

Zur Zukunft brauchen wir junge Menschen.

Ihnen müssen wir unsere positiv gelebten Erfahrungen, auch unsere Ziele und Ideale mitteilen, ihnen erklären, dass Zukunft nicht ohne Herkunft denkbar ist. Wir müssen aber vor allem der Partnerschaft einen Sinn geben, der auch sie betrifft, sie mit Leidenschaft ansteckt.

Wir müssen etwas dafür tun, sie miteinander in Verbindung zu bringen, für gemeinsame Projekte, 81 Jahre Partnerschaft ist nur eine Zwischenbilanz.

Ich freue mich, dass wir heute nicht nur in die Vergangenheit blicken, sondern auch nach vorne schauen.

Diese Aussicht ist ein Geschenk der Geschichte. Es ist weder selbstverständlich noch alltäglich. Wir sollten es nutzen, Es gibt noch viel zu tun.

Gestatten Sie mir, dass ich mit einem Zitat von Johann Wolf­gang von Goethe schließe:

 

Wie fruchtbar ist der kleinste Kreis,

wenn man ihn wohl zu pflegen weiß.
 
 
 
Die Rede des 2.Vorsitzenden Karl Heinz Böke in der Stiftskirche
 
Wir sind heute hier zusammen gekommen um dem Stifter des heutigen Maiabendfestes, Graf Engelbert und seiner Gemahlin zu gedenken, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Gestatten Sie mir, dass ich vorab aus einem Brief Dietrich Bonhoefers vom
Heiligabend 1943 zitiere:

Wir treten aus dem Schatten
bald in ein helles Licht.
Wir treten durch den Vorhang
vor Gottes Angesicht.
Wir legen ab die Bürde,
das müde Erdenkleid;
Sind fertig mit den Sorgen
und mit dem letzten Leid.
Wir treten aus dem Dunkel
nun in ein helles Licht.
Warum wir's Sterben nennen?
Ich weiß es nicht.

Ich meine nicht jenes überindividuelle Gedenken, für das wir Gedenktage und Gedenkstätten haben wie Volkstrauertage, Denkmäler für die Opfer von Krieg und Gewalt, sondern unser ganz persönliches Gedenken der Menschen, die uns ganz nahe waren und die der Tod aus unserem Leben gerissen hat.
In Worten aus dem reformierten jüdischen Gebetbuch "Tore des Gebets" habe ich ausgedruckt gefunden, was es bedeutet:
Beim Aufgang der Sonne und bei ihrem Untergang, erinnern wir uns an sie.
Beim Wehen des Windes und in der Kälte des Winters, erinnern wir uns an sie.
Beim Öffnen der Knospen und in der Wärme des Sommers, erinnern wir uns an sie.
Beim Rauschen der Blätter und in der Schönheit des Herbstes, erinnern wir uns an sie.
Zu Beginn des Jahres und wenn es zu Ende geht, erinnern wir uns an sie.
Wenn wir müde sind und Kraft brauchen, erinnern wir uns an sie.
Wenn wir verloren sind und krank in unserem Herzen, erinnern wir uns an sie.
Wenn wir Freude erleben die wir so gern teilen würden,  erinnern wir uns an sie.
So lange wir leben, werden sie auch leben, denn sie sind ein Teil von uns, wenn wir uns daran erinnern.

Sie sind nun ein Teil von uns, wenn wir uns an sie erinnern", das ist wahr. So wahr es ist, dass wir uns nur darum an sie erinnern, weil sie ein Teil von uns sind. Der Toten zu gedenken, die als Lebende einmal unser Leben geteilt haben, ist nichts, was wir tun. Es geschieht uns. Wir legen nicht Hand an, um der Toten zu gedenken. Ihre Hand legt sich auf unser Herz.
Das tut furchtbar weh, am Anfang, manchmal sehr lange, manchmal für immer. Manchmal auch, mit der Zeit, spüren wir es, wie Kinder im Schlaf die beruhigende Hand von Vater oder Mutter leise auf ihrem Kopf spüren: sie weckt sie nicht auf, sie tut ihnen wohl; das Herz spürt die bergende Nähe.
Wie unruhig würde wohl ihr Schlaf, wenn die Hand nicht wäre? Wie unruhig und unsicher würde unser Leben, wenn das Gedenken nicht sein könnte, die manchmal so schrecklich schmerzende, die unverlierbare Nähe derer, deren Hand wir warm und lebendig auf unserem Gesicht gespürt haben?
"Sie sind ein Teil von uns". Ohne sie könnten wir die nicht sein, die wir sind. Im Gedenken werden wir uns selbst durchsichtig und erkennen die ernsten und fröhlichen, die von Schmerzen gepeinigten und vom Glück leuchtenden Gesichter, aus denen unser Gesicht geworden ist, von ihnen geprägt und ihnen antwortend in Zustimmung und Widerspruch.
Am Ende heißt "der Toten gedenken", zu sich selbst kommen, das eigene Gesicht finden. Ich wünsche Ihnen, dass Sie der Toten in Frieden gedenken können.