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Mal Betonwüste, mal heiß geliebt (WAZ)

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Mal Betonwüste, mal heiß geliebt

Der Bongard-Boulevard ist bekanntlich immer mal Gegenstand verschiedenster Meinungsbekundungen. Mal als kalt und zugig verschrieen oder als „Betonwüste" gegeißelt – und dann auch wieder heiß geliebt und gut besucht bei Top-Veranstaltungen wie „Bochum kulinarisch". Solche abweichenden Einschätzungen sind Jürgen in der Beeck nicht fremd. Er ist Projektleiter der Interessengemeinschaft Boulevard e.V. „Die Entwicklung des Boulevards ist noch jung", sagt er, „man muss auch Geduld haben, und etwas wachsen lassen." Die Düsseldorfer Kö habe sich schließlich auch nicht in einem Jahr erfunden.

Seit acht Jahren bemüht sich die IG Boulevard als Interessengemeinschaft der Kaufleute im Zusammenspiel mit BO-Marketing um den Standort Innenstadt, speziell den Bereich des Boulevards und seiner Nebenstraßen, der Schützenbahn, der Bleich-, Graben- und Große Beckstraße. „Wir wollen uns durch ein gemeinschaftliches Auftreten bei Ämtern und Gremien, aber auch bei den Bochumern selbst mehr Gehör und Aufmerksamkeit verschaffen", so in der Beeck. Oberstes Ziel der ehrenamtlichen Aktivitäten sei es, einen für Besucher attraktiven Boulevard zu schaffen - damit möglichst viele Leute in Bochum erst auf den Geschmack, und dann - bitte gerne - als Kunden wiederkommen mögen.

Die Wurzeln der Interessengemeinschaft liegen in einer gemeinsamen Demonstration der Geschäftsleute am 14. Mai 2001, bei der gegen die seinerzeit als unerträglich empfundene Baustellen-Situation auf dem Massenberg-Deckel protestiert wurde. Heute hat die IGB 52 Mitglieder, davon 40 Geschäftsleute. Neben werblichen Aktivitäten werden von der IGB auch kleinere Veranstaltungen und kundengewinnende Aktionen organisiert, so das Kinder-Osterfest, die Pagen-Aktion, bei der rot berockte Türsteher vor den Mitgliedergeschäften die Kunden begrüßen.

Oder die frühjährliche Primelaktion, bei der der geneigten Kundschaft eine Primel mit auf den Weg gegeben wird. „Im letzten Jahr haben wir erstmals auch das Kuhhirtenfest auf die Beine gestellt", erinnert sich Jürgen in der Beeck, „das vom Zuspruch her sogleich ein großer Erfolg wurde". Ein historischer Markt und eine Vorstellung der Mittelalter-Gruppe der Maiabendgesellschaft waren dabei; Anlass war der 100. Geburtstag des alten Kortebusch' auf seinem bronzenen Denkmalssockel am Alten Markt.

Für die Boulevard-Geschäftsleute ist deutlich, dass sie eine Belebung und Bewerbung der einen Kilometer langen Meile zwischen Rathaus und dem „Blauen Loch" nicht allein bewerkstelligen können. „Von daher sind die Events vom BO-Marketing nicht nur für den Boulevard selbst, sondern auch für uns eminent wichtig", bekräftigt in der Beeck. Insbesondere denkt er dabei an die „Frequenzbringer" Automeile (dieses Jahr am 2. und 3. Mai), Bochum kulinarisch (12. bis 16. August) und den Musiksommer (27. bis 30. August). Gerade diese drei Boulevard-Veranstaltungen würden besonders intensiv auch außerhalb Bochums beachtet. Auch der Stoffmarkt, der am 4. April stattfinden wird, habe sich zur festen Attraktion gemausert. Der Bongard-Boulevard gilt der Stadt als städtebauliche Attraktion. Gleichwohl gibt es auf der Einkaufs- und Flaniermeile noch viel zu verbessern. Um den Standort bemüht sich auch die IG Boulevard. „Bochum kulinarisch" fand im letzten Jahr zum ersten Mal auf dem Boulevard statt - und war sogleich ein Riesenerfolg. Der Stoffmarkt lockt ebenfalls viele Schau- und Kauflustige an.

Quelle: WAZ 11.02.2009 / Lokales / von Jürgen Boebers-Süßmann