Drucken

Turbulenter Abend (WAZ)

am .

Turbulenter Abend (WAZ)

Auf ihrer Jahresversammlung diskutierte die Bochumer Maiabendgesellschaft am Mittwoch bis nach Mitternacht, wie es mit dem Maiabendfest weitergehen soll. Ein Antrag forderte gar die Abschaffung des Ausmarsches nach Harpen
 

Drei neue Vorstandsmitglieder gewählt, den Vorstand entlastet, den Kassenbericht genehmigt - das Fazit der Jahresverammlung der Bochumer Maiabendgesellschaft liest sich wie business as usual. Aber nix da! Die Bataillonsversammlung am Mittwochabend nahm nicht weniger als 4:15 Stunden in Anspruch. Und sie dürfte als eine der turbulentesten Zusammenkünfte aller Zeiten in die Geschichte der Blau-Weißen eingehen.

"Zweck der Maiabendgesellschaft ist die Ausrichtung des Maiabendfestes" - so steht es in der Satzung. Und genau darüber, über den Zustand und die Zukunft des Heimatfestes, lässt sich inzwischen trefflich streiten. Denn auch die Maiabendgesellschaft hat einsehen müssen, dass das Fest in der Öffentlichkeit nicht mehr den Stellenwert hat wie ehedem. Wie man die Erosion des Maiabendfestes stoppen und es wieder attraktiver machen könnte, darüber gehen seit Langem die Meinungen unter den Mitgliedern auseinander. Verkürzt gesagt, gibt es zwei Fraktionen: die eine will die Tradition wahren, die andere mit derselben radikal brechen. Das führte am Mittwoch zu dem völlig überraschenden Antrag der "Bochumer Bürger Gilde" (eine Gruppierung innerhalb der Maiabendgesellschaft), die nicht nur die Bestellung einer externen Marketing-Agentur forderte, um "die Wiederbelebung des Maiabendfestes nicht länger dem Zufall zu überlassen". Sondern die auch allen Ernstes die Abschaffung sowohl des Zapfenstreichs (weil militärisch und unzeitgemäß) als auch des Ausmarsches nach Harpen forderte - und damit zwei Pfeiler des Maiabendfestes zur Disposition stellte.

Entsprechend hoch stieg der Adrenalinspiegel bei den rund 100 Versammlungsteilnehmern. Zwar wurden besagte Anträge am Ende klar abgeschmettert, aber allein, dass öffentlich die Abschaffung des Ausmarsches gefordert wurde, das konnten viele Blau-Weiße nicht verknusen. "Wir sind dabei, den Ast abzusägen, auf dem wir selbst sitzen", hörte man am Rande.

Immerhin ist seit Mittwoch der geschäftsführende Vorstand wieder komplett. Gingen die Neuwahlen von Thomas Kuhn und Michael Schüren glatt über die Bühne, so wäre die vom Vorstandsvorsitzenden Volker Protzel favorisierte Wiederwahl des lang gedienten Vorständlers Karl-Heinz Böke fast an einer Kampfabstimmung gegen den von der 2. Kompanie als Gegenkandidaten präsentieren Willi Rüskamp gescheitert. Dazu kam es dann aber doch nicht, Böke wurde in geheimer Wahl mehrheitlich bestätigt, auch Sebastian Krüger bleibt im Amt.

Weit nach Mitternacht verließendie letzten Blau-Weißen den Saal. Auf dem Heimweg wurde noch lange diskutiert, wie es mit dem Maiabendfest weiter gehen soll.

So richtig wusste das keiner zu sagen.

Bochum, 16.10.2008, Von Jürgen Boebers-Süßmann