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Suche nach neuen Wegen (WAZ)

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Suche nach neuen Wegen (WAZ)

Die Jahresversammlung der Maiabendgesellschaft hat den Vorsitzenden Volker Protzel im Amt bestätigt. Drängendste Aufgaben bleiben die Mitgliederwerbung und die Neu-Ausrichtung des Maiabendfestes Volker Protzel, seit dem 29. Oktober 1997 Vorsitzender der Maiabendgesellschaft, hängt drei weitere Jahre dran. Auf der gut besuchten Jahreshauptverammlung der Maischützen am Mittwochabend wurde der 53-Jährige mit überwältigender Mehrheit im Amt bestätigt, ebenso wie Vorstandsmitglied Sebastian Krüger (36).

Gerührt nahm Protzel seine Wiederwahl an. Die Uhr zeigte zu diesem Zeitpunkt 22.13 Uhr, da hatte der Ober-Blau-Weiße - wie alle anderen - schon zwei Stunden Sitzung hinter sich, und das auch noch mit einer dicken Bronchitis. Doch das gesundheitliche Handicap war es nicht, was den Vorsitzenden an diesem Abend wirklich plagte. Vielmehr wird es die erschreckende Entwicklung der Mitgliederzahlen gewesen sein. Finanzvorstand Michael Schüren (38) hatte mit seiner Powerpoint-Präsentation für ein Raunen im Saal gesorgt. Tatsächlich sind die Zahlen in allen vier Kompanien der rund 600 Mitglieder starken Gesamtgesellschaft stark rückläufig, 60 bis 90 Prozent Mitgliederschwund stehen für die Kompanien seit 1999 zu Buche. Schüren wies darauf hin, dass die Entwicklung der Mitgliederstruktur keineswegs mit dem immer mal wieder vermuteten "natürlichen Verlust" zu tun hat: Tatsächlich waren 80 Prozent normale Austritte, nur 20 Prozent Todesfälle. Betrug die Zahl der Neuaufnahmen 1999 noch 46 Personen, so waren es 2006 gerade mal 6. "Das sollte uns zu denken geben", so der Vorstand.

Protzel wies in seiner Ansprache dann auch darauf hin, dass jede/r Blau-Weiße in der Pflicht stünde, Mitglieder zu werben. "Wenn jedes Mitglied im nächsten Jahr nur ein weiteres Fördermitglied gewinnt, wären wir wieder der mitgliederstärkste Verein in Bochum, noch vor dem VfL."

Einher ging die Mitglieder-Diskussion mit der Suche nach neuen Inhalten für Bochums ältestes Heimatfest. "Die Frage, welchen Zusatznutzen können wir jungen Leuten bieten, oder auch die finanzielle Unterstützung junger Offiziere, dürfen keine Tabuthemen sein", mahnte der Vorsitzende. Wie die konzeptionelle
und inhaltliche Neuausrichtung angepackt werden soll, dazu gab es am Mittwoch keine Antworten. Deutlich wurde aber der Wunsch, mit der Stadt und der City-Kaufmannschaft nach Ideen für eine Neu-Ausrichtung suchen zu wollen. Das traditionsreiche Maiabendfest als modernes Stadtfest und Bochumer Besonderheit aufzustellen, in diese Richtung zielen die Überlegungen, die allerdings gleichfalls von Finanzierungsproblemen überlagert werden. Dass der Verein den "Relaunch" allein schaffen könnte, ist unwahrscheinlich. Der Jahresüberschuss der Gesellschaft betrug nach Abzug aller Unkosten gerade mal schlappe 980 Euro.

Quelle: Jürgen Boebers-Süßmann WAZ