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Dem Taubenschiss trotzen (WAZ)

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WAZ-MONTAGSGEPRÄCH - HEUTE MIT GRAF ENGELBERT III. VON DER MARK  

Dem Taubenschiss trotzen

 
Graf Engelbert hat seinen Platz mitten im quirligen Treiben des Bermuda3ecks - und soll doch bald weichen. Von Traditionen der Maischützen bis zur Neueröffnung der Hooters-Bar
 
 Graf Engelbert der III. von der Mark 
Wenn ab dem nächsten Jahr die Kortumstraße komplett umgebaut wird, wird sich wohl auch Graf Engelbert ein neues Plätzchen suchen müssen. Sein Bronze-Denkmal soll, wie man hört, mit der Straßenneugestaltung aus dem Bermuda3eck verschwinden und andernorts aufgestellt werden.

Im WAZ-Silvester-Interview äußert sich der im 14. Jahrhundert geborene Graf Engelbert III. von der Mark zu diesem und anderen aktuellen Bochumer Umständen.

Inmitten des bunten, prallen Lebens, zwischen Kino, Kneipe und Supermarkt, trotzen Sie seit Jahrzehnten Wind und Wetter ...

Graf Engelbert: Alles gut und schön. Wenn nur dieser Taubenschiss nicht wäre. Schaun'S mal, wie ich aussehe...

Wie hat es Ihnen neben der nach Ihnen benannten U-Bahn-Station sonst gefallen?

Graf Engelbert: Anfangs hatte ich noch ziemlich meine Ruhe. Aber seit 1977 der "Treffpunkt" und all die anderen Kneipen aufmachten, war es mit der Ruhe vorbei.

Da sehnten Sie sich wohl manchmal auf Ihre stille Burg Blankenstein zurück?

Graf Engelbert: Ach, all dieses Gedrängel und Gewusel in der Stadt! Wie damals in den Scharmützeln bei der Fehde gegen die Dortmunder.

Und dann kam auch noch "Bochum Total" ...

Graf Engelbert: Schrecklich, dieser Krach! Und diese moderne Musik! Einmal haben mir sogar ein paar Punks einen Luftballon um den Hals gebunden. Dass man sich als Denkmal aber auch nicht gegen sowas wehren kann!

Die Zeiten sind in 600 Jahren halt lockerer geworden. Von den Jüngeren kennt Sie, pardon, auch kaum noch einer.

Graf Engelbert: Immerhin kommen mich die Maischützen jedes Jahr besuchen.

Dass muss Sie als Stifter des Bochumer Heimatfestes doch sehr freuen?

Graf Engelbert: Ja, die Blau-Weißen! Das sind meine größten Fans. Aber ehrlich gesagt, ist das mit der Dortmunder Fehde und den zurückgeholten Kühen schon so lange her, dass ich mich an die Einzelheiten dieser causa gar nicht mehr erinnere.

Aber an Harpen und den Bockholter Wald erinnern Sie sich doch sicher?

Graf Engelbert: Und ob: "Baukum es ne groute Stadt, Harpen es ouk wat!"

Na bitte! Und auch 620 Jahre nach Ihrer legendären Eichbaum-Stiftung wird das Maiabendfest immer noch gefeiert.

Graf Engelbert: Aber nur noch so klein!! Früher bekamen die Bochumer Kinder am Maiabend noch schulfrei.

Wie sind Sie eigentlich ausgerechnet im Bermuda3eck gelandet?

Graf Engelbert: 1964 wurde ich nach einer Modell des Essener Bildhauers Ferdinand Spindel in Bronze gegossen und hier postiert. Damals wollte man mich auf dem Rathausplatz nicht haben.

Und wo waren Sie vor 1964?

Graf Engelbert: Vor dem Krieg stand ich an der Kreuzung Friedrichstraße/Bahnhofstraße (heute Kortum- und Brüderstraße) - damals noch im Stil der romantisch-kriegerischen Vorstellung eines Ritters mit Harnisch und Helm. Doch dieses mein Denkmal wurde, wie so viele, zu Rüstungszwecken eingeschmolzen. 1944 ist das wohl gewesen.

Dass Sie bald erneut umziehen werden, scheint so gut wie sicher. Gibt es einen Wunschtermin?

Graf Engelbert: Nun, um ehrlich zu sein: Die Eröffnung der "Hooters Bar" würde ich hier gerne
 
Quelle: WAZ Bochum, 30.12.2007, Von Jürgen Boebers-Süßmann
           Foto: WAZ, Michael Korte (Montage, Archiv)