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Mit Trommel und Querflöte (WAZ)

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Mit Trommel und Querflöte
 
Guten Freunden gibt man gern ein Geburtstagsständchen. Sechs Vereine aus der Umgebung musizierten gemeinsam mit den Bochumer Spielleuten.
 
Gerade einmal acht Wochen ist der kleine Theo alt und schon Mitglied bei den Spielleuten Bochum. Damit ist er - um genau zu sein - 94 Jahre und zehn Monate jünger als der Verein selbst, der am vergangenen Wochenende sein 95-jähriges Bestehen feierte.

Das dürfte Theo nicht sonderlich interessiert haben, und doch befand sich der kleine Spross unter den Partygästen im Bonhoeffer-Haus. Nachdem sich die Spielleute am Freitag am Hauptfriedhof Freigrafendamm zur Kranzniederlegung und zum Totengedenken am Ehrenmal trafen, wurden die Festlichkeiten am Samstag mit dem Jubliäumsball fortgesetzt. Hierbei sorgten Schlagersänger Michael Kern und DJ Olli für die musikalische Unterhaltung. Am Sonntag folgte dann die Matinee, das Spielleutetreffen, mit befreundeten Musikvereinen aus der Umgebung.

96 Mitglieder, davon 33 aktive Musiker, hat der Verein heute, gestartet sind die Corpsführer August Bornemann und Dietrich Jung 1912 mit 14 Spielleuten. Beide Weltkriege zwangen die Bochumer zur zwischenzeitigen Instrumentenniederlegung, doch schon 1945 griff man wieder zu Trommel und Querflöte. "Anfang der 50er Jahre haben wir uns dann der Bochumer Maiabendgesellschaft angeschlossen", erzählt Manfred Krämer, der 2. Vorsitzende und derzeitige Corpsführer. Seitdem unter dem Namen "Spielmannszug der Bochumer Maiabendgesellschaft 1388" durch die Stadt ziehend, dürfen sie dennoch ihr Gründungsjahr als Beisatz weiter führen. "Seit 40 Jahren machen wir an jedem letzten Freitag im April den Zapfenstreich für die Maiabendgesellschaft", sagt Michael Deutsch, seit sieben Jahren 1. Vorsitzender.

Sorgen bereitet Deutsch derzeit jedoch der mangelnde Nachwuchs. Bis auf die Kinder aus den eigenen Reihen, würden sich kaum Bochumer Jugendliche den Spielleuten anschließen, klagt Deutsch. Von sieben jungen Musikern ist nur ein Mädchen nicht die Tochter eines Mitglieds. Bis zum 100. Geburtstag in fünf Jahren gibt es also noch viel zu tun.
 
Quelle: WAZ / 11.09.2007 / LOKALES