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Blau-Weiß äußert Mitgefühl (RN)

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Blau-Weiß äußert Mitgefühl

Die auf Halbmast gesetzten Flaggen waren nur äußeres Zeichen der Anteilnahme. Die Terroranschläge in den USA haben auch gestern das öffentliche Leben in Bochum stark beeinflusst. So bestätigte die Polizei stärkere Sicherheitsmaßnahmen für amerikanische und jüdische Einrichtungen. Details nannten die Beamten aus Sicherheitsgründen nicht.

Mit den Schreckensbildern von Dienstag wurde unterschiedlich umgegangen: Bei Opel standen gestern kurz die Bänder still, für eine Minute blieben Busse und Bahnen stehen, auf verschiedenen Veranstaltungen wurden Gedenkminuten eingelegt, erste Mahnwachen initiiert. Heute gehen die Solidaritätskundgebungen und der Zuspruch für die Terroropfer u.a. mit einer symbolischen fünfminütigen Arbeitsniederlegung, Andachten und Glockenläuten weiter.

Da vielen Menschen in Bochum nicht zum Feiern zumute war, wurden spontan gesellige Abende und Tanzveranstaltungen abgesagt. Der internationale Anästhesie-Kongress im Stadtparkrestaurant verzichtete auf sein spätes "Get together" mit Musik. Lieber wollte man "ruhiger und dezenter" zusammenkommen, berichtete Mitarbeiterin Gabriele Nicpon. "Die Disko fällt aus" , erklärte der Bahnhof Langendreer.

Die Diskotheken Playa und Tarm Center reagierten ebenso. Am Freitag und Samstag wird im Playa um "fünf vor zwölf" die Musik auf allen Ebenen ausgeschaltet. "Wir wollen der Opfer gedenken", sagte Geschäftsführer Klaus Appel. Schon heute Nacht wird es im Tarm-Center still werden, denn um 24 Uhr legt Inhaber Fabian Müller mit den Gästen eine Schweigeminute ein.

Die Maiabendgesellschaft sprach in einem Brief an den New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani ihr tiefes Mitgefühl aus. Die Blau-Weißen haben als Teilnehmer der Steubenparade eine besondere Beziehung zu New York. In dem Schreiben heißt es: "Wir hoffen, dass die Amerikaner die Kraft finden, diesem feigen Anschlag mit Besonnenheit zu begegnen."

Bei einigen Bochumern mischte sich in die Betroffenheit die konkrete Angst um Angehörige und Freunde. Generalmusikdirektor Steven Sloane erreichte die Nachricht von der Tragödie in den USA während der Proben. "Sofort habe ich versucht, meinen Bruder in New York zu erreichen, was nicht möglich war", so Sloane. "Stundenlang war ich in größter Sorge um ihn, bis er sich bei mir meldete".

An seinem Arbeitsplatz zurückerwartet wurde gestern auch Martin Horn. Der Schauspieler, der an einem künstlerischen Projekt in New York arbeitete, tauchte jedoch nicht auf. Schauspielhaus-Sprecherin Kirsten Herkenrath: "Inzwischen wissen wir über verschiedene Kanäle, dass es ihm gut geht". HvL/cko/dc

Quelle: Ruhr Nachrichten (Bochum)