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Das Maischützen - ABC unter Einbeziehung militärhistorischer Geschichtsquellen.

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Fanfare

Das in seiner Herkunft ungeklärte Wort "Fanfare" bezeichnet ein kurzes, heroisches Trompeten- oder Jagdhorn-Tonstück und auch das Instrument, eine ventillose (Signal-)Trompete, selber.Es ist im 18. Jahrhundert aus dem Französischen entlehnt.Charakteristisch für eine Fanfare, z. B. als Signal oder Tusch, ist die Anwendung des Dreiklangs. Fanfarenmärsche sind Märsche, bei denen die Fanfarenbläser ihren Part im Wechselspiel mit einem Musik- oder Trompeterkorps vortragen. Die Fanfarentrompete was das Signalinstrument der alten preußischen Kavallerie. 1817 wurde ein kürzeres Instrument eingeführt und 1895 die Länge auf 42 cm festgelegt. Einige preußische Regimenter ( Garde du Corps, Garde-Kürassiere, Leib-Garde-Husaren, Sächsische Garde-Reiter) führten seit 1895 bei besonderen Anlässen und Paraden außeretatsmässige Herolds-(Fanfaren-) Trompeten mit Fahnen und Behängen. Fanfaro (auch Fanfare) hieß das Kommando gegebene Trompetensignal "Marsch! Marsch!", das sie attackierende Kavallerie kurz vor dem Einbruch in den Gegner zur schnellsten Gangart aufrief - festgeschlossen, Lanze gefällt und mit "Hurra!".


Fähnrich

Fähnrich heißt eigentlich Fahnenträger. Bei den Landsknechten trug der Fähnrich (Fenrich, Fendrich), der ein kräftiger, stattlicher, im Kampfe erprobter Mann sein musste, die Fahne, die ihm "als seine Braut und leibliche Tochter" anvertraut war und für die er mit Ehre und Leben haftete. Solange das "Fähnlein fleuchte und ein Stück (der Fahne) an der Stangen ist", sollen die Kriegsleute dem Fähnrich in den Tod folgen, "bis alles über einen Haufen auf der Walstatt lieget". In den Soldatenliedern des 16./17. Jahrhunderts spielte dies eine große Rolle. Im altpreußischen Heere gehörten die Fähnriche zu den Offizieren.


Fahne

Das mhd., van(e), ahd. fano und got. fana haben ebenso das stammverwandte lat. Pannus die Grundbedeutung "Tuch". Das indogermanische pan (=Gewebe) ist die gemeinsame Sprachwurzel. Demnach ist "Fahnentuch" eine überflüssige Worthäufung zweier sinngleicher Wörter. Die Bedeutung "Feldzeichen", Banner" hat sich wohl früh durch die Zusammenfassung des ahd. Gundfano (=Kampftuch) ergeben. Erst später wurde auch die Stange, an die das Tuch im Gegensatz zur Flagge befestigt ist, mit in die Bezeichnung Fahne einbegriffen. Seit dem 9. Jahrhundert sind in den Heeren bereits Fahnen in der noch heute gebräuchlichen Form bekannt.
Ursprünglich im Einsatz als Erkennungs- und Richtungszeichen benutzt, diente die Fahne auch als Sammelpunkt eines Heereshaufens. Während der Schlacht wurde sie oft zur Befehlsübermittlung verwandt. So führte beispielsweise das deutsche Fußvolk im 18. Jahrhundert zwei Fahnen, die Avancierfahne für den Vormarsch und die Retirierfahne für den Rückzug. Nach der zunächst rein zweckbestimmten Verwendung als Erkennungszeichen und Sammelpunkt erhielt die Fahne durch die auf sie vereidigte und ihr auf Leben und Tod folgende Truppe symbolische Bedeutung. Die Ehre des Truppenteils war auf das engste mit dem Schicksal seiner Fahne verbunden.
Die Corps und Kompanien innerhalb der Bochumer Maiabendgesellschaft haben als Erkennungszeichen ihre eigene, z.B. I.O.C.- bzw. Kompanie-Fahne. Die Fahnenmuster sind unterschiedlich, weisen aber die traditionsgemäßen Kokardenfarben (blau-weiß) und das Bild des Stifters des Maiabendfestes sowie den Namen des Fahnenstifters auf verschiedene Fahnen haben zusätzlich ein oder mehrere Fahnenbänder mit unterschiedlichen Motiven und Schriftzügen.


Fangschnur

Hierbei handelt es sich um Uniformzierschnüre. Bei der Reitertruppe verband sie die Kopfbedeckung mit der Uniform. In der Soldatensprache werden diese Achselbänder der Offiziere, die man vor der Achsel trägt, auch "Affenschaukel" genannt.
In der Bochumer Maiabendgesellschaft ist das Tragen der silberfarbenen Fangschnur den Adjutanten vorbehalten.


Fehde

In ihr wird in legitimer und geregelter Weise Gewalttätigkeit ausgeübt, um einen Rechtsstreit zu entscheiden. Nach dem germanischen Recht stellt sie das zwischen Verbrecher und Verletzten bestehende Verhältnis der Feindschaft dar, das die Grundlage erlaubter Rachehandlungen bildete.


Fehdewesen

Im Frühmittelalter hatten die Familienangehörigen und Verwandten die Pflicht, den Totschlag oder die Beleidigung eines Angehörigen ihres Geschlechtes oder ihrer Sippe mit Waffen zu rächen. Der eventuelle Totschläger oder dessen Familienangehörigen und Verwandten konnten den nun drohenden Fehdekrieg verhindern, indem sie einen Teil ihres Viehbestandes oder ihrer Waffen der Sippe des Getöteten anboten oder Geldbuße leisteten. In der Lex Frisionum, die etwa 802 n. Chr. aufgezeichnet wurde, war die Höhe dieses Buß- oder Wehrgeldes von der begangenen Tat abhängig:
  1. Wenn jemand einen anderen aus Zorn an den Kopf schlägt, dass er ihn taub macht, büße er 24 Schillinge.
  2. Wenn jener stumm wird, aber dennoch hören kann, büße er 18 Schillinge.
  3. Wenn jemand einen anderen so schlägt, was sie Beulenschlag nennen, büße er einen halben Schilling.
  4. Wenn er aber Blut vergießt, büße er einen Schilling.
  5. Wenn er ihn schlägt, dass die Hirnschale erscheint, büße er mit 2 Schillingen.
  6. Wenn der Knochen durchgeschlagen wird, büße er mit 12 Schillingen.
  7. Wenn das Schwert die Haut, von der das Hirn umschlossen ist, berührt, büße er 18 Schillinge.
  8. Wenn diese Haut zerrissen wird, so dass das Gehirn heraustreten kann, büße er 24 Schillinge.
  9. Wenn jemand einem anderen ein Ohr abschlägt, büße er 12 Schillinge.
10. Wenn er die Nase abschlägt, büße er 24 Schillinge.
11. Wenn jemand die oberste Stirnfalte mit einem Hieb quer durchschlägt, büße er mit 2 Schillingen.
12. Wenn er die darunter durchschlägt, büße er mit 4 Schillingen.
13. Wenn die dritte, die zunächst den Augen liegt, büße er mit 2 Schillingen.
14. Wenn er eine Augenbraue durchschlägt, büße er mit 2 Schillingen.
15. Wenn er ein Augenlid, ein oberes oder unteres verwundet, büße er mit 2 Schillingen..."

Für einen Schilling konnte man sich zu Beginn des 9. Jhs. ein einjähriges Rind kaufen! Aber oft waren die Verwandten des Ermordeten zu stolz, um sich ihr Racherecht mit Geld abkaufen zu lassen. Und so konnte ein Totschlag zu einer langjährigen Fehde zwischen zwei Familien führen, die vielen unschuldigen Menschen das Leben kostete.
Damit die Fehde nicht zum Mord und damit straffähig wurde, hatten die Betroffenen folgende Regeln zu beachten:
1. Die Fehde, egal ob unter Rittern oder zwischen Rittern und Städten, musste durch einen förmlichen Fehdebrief
    angesagt werden.
2. Die Tötung Unschuldiger war verboten.
3. Das Niederbrennen von Häusern und das Verwüsten von Land war jedoch erlaubt.
4. Während der Fehde musste der Frieden in der Kirche, im Hause, beim Gang zur Kirche, bei der Rückkehr von der Kirche,
    beim Gang zum Gerichtstermin und bei der Rückkehr vom Gerichtstermin beachtet werden.

Die Hauptleidtragenden dieser kriegerischen Auseinandersetzungen waren die Bauern und ihre Familien. Ihnen verwüstete man nicht nur die Felder, sondern raubte und tötete ihr Vieh, zündete ihre Scheunen, Ställe und Häuser an und legte auch Hand an sie und ihre Familienangehörigen. Die kämpfenden Parteien gaben z.T. erst dann auf, wenn sie sich bis zum letzten Mann niedergemetzelt hatten.
Die Könige verloren durch das Fehdewesen nicht nur ihre Kämpfer, sondern mussten mit ansehen, wie ganze Landstriche zerstört wurden. So ist verständlich, dass schon die Merowinger die Fehde verbieten lassen wollten. König Childebert II. (+ 596) erließ im Jahre 596 ein königliches Dekret, in dem die Tötung im Rahmen der Fehde untersagt wurde. Auch in westgotischen, burgundischen und bayrischen Volksrechten wurde ein völliges Fehdeverbot befohlen. Aber die Verbote brachten nichts!
Erst im 11. Jh. versuchten Kirche und König, nun gemeinsam gegen die Fehden vorzugehen. Die Rachehandlungen wurden generell vom Freitag bis Sonntag, an allen hohen Festen, in der Fasten- und in der Adventszeit untersagt. Wer dagegen handelte, musste mit der Exkommunikation, der Verbannung und verschiedenen Züchtigungsstrafen rechnen. Ein totales Verbot konnte aber erst im Jahre 1495 ausgesprochen werden. Die Totschläger hatten sich von nun an auf folgende Art und Weise beim Getöteten, seinen Angehörigen und Verwandten zu entschuldigen:
"In der Kirche oder am Friedhof musste der Täter öffentlich, manchmal mit brennenden Kerzen in der Hand oder im Büßerhemd, oft verbunden mit bitten. Daran schloss sich die förmliche Verzeihung um Gottes willen und der Sühneeid (Urfehde), der mit Friedenskuss und Trinkgelage gefestigt wurde. Neben einer Geldleistung musste der Täter häufig Seelenmessen stiften, ein Stein- oder Holzkreuz als >Sühnekreuz< errichten, eine Wallfahrt zu Ehren Gottes und des Erschlagenen unternehmen und ähnliches.


Feldwebel

Das Wort Feldwebel lautet ursprünglich Feldweibel. Den zweiten Bestandteil "Weibel" leitet man gewöhnlich her von dem mhd. Zeitwort weiben, das "weben" bedeutet, an die schnelle Bewegung des Weberschiffchens erinnernd; auch sich hin und her bewegen. Es deutet also auf geschäftige Tätigkeit. "Weibel" heißt in Schwaben heute noch der Gerichtsdiener.
Bei den Landsknechten gab es Gemeinweibel und Feldweibel; beide waren Mittelpersonen zwischen dem Hauptmann und den Knechten. Die Gemeinweibel wurden monatlich im Ringe der Knechte gewählt, die Feldweibel wurden vom Feldobersten eingesetzt.
Der Feldwebel war nächst dem Hauptmann schon bei den Landsknechten der wichtigste Mann der Kompanie und diente diesem als Stütze bei den schriftlichen Geschäften. Bei Verhandlungen zwischen dem Hauptmann und den Knechten bildete er den Mittelsmann. Zwischen Uneinigen war er Schiedsrichter; darüber hinaus Drillmeister. Somit war er der weise Mann der Kompanie. Schon in einer Vorschrift für die Kurfürstlich-Brandenburgischen Truppen aus der Zeit des Kurfürsten Friedrich III. heißt es:" Der Feldwebel hat fast die ganze Last der Companie auff sich, und nichts bey der Compagnie geschehe, es sey so geringe, alß es wolle, das er nicht nachricht darvon habe."
Innerhalb der Bochumer Maiabendgesellschaft wird der Dienstgrad von Maischützen in den Junggesellengruppen geführt. Bei den Klangkörper nennt man sie Musikfeldwebel.
Die Ernennung zu diesem Dienstgrad erfolgt anlässlich des Exerzierabends durch den Junggesellenhauptmann auf Vorschlag der Gruppen- bzw. Corpsführer.


Feldwebelleutnant

Für einen Einsatzfall wurde zur Besetzung von Offizierstellen bei den Ersatztruppenteilen, der Landwehr und dem Landsturm mit "Allerhöchste Kabinetts-Order" (A.K.O.) vom 15.11 1877 der Dienstgrad "Feldwebelleutnant" in Preußen eingeführt. Diesen Dienstgrad konnten zunächst nur wiedereinberufene, längerdienende Unteroffiziere erreichen. Ihre Uniform entsprach der der Vizefeldwebel; Degen, Fußbekleidung und Schulterstücke waren dem Leutnant gleich. Ansonsten war die Uniform noch mit den Tressen und Auszeichnungsknöpfen der Unteroffiziere versehen, daher nannte man diese verärgert: "Kainszeichen", hinzu kam, dass sie, meist altgedient, immer noch unter dem jüngsten Leutnant rangierten.
Innerhalb der Maiabendgesellschaft wird diese Dienstgradbezeichnung auch heute noch geführt.


Fröndenberg

'Frundeberg' ist die älteste bekannte Form des Ortsnamens Fröndenberg; er ist zu finden in einer Urkunde des Papstes Coelestin III. aus dem Jahre 1197, ausgestellt für das bei Bentrop gelegene damalige Prämonstratenserkloster Scheda, das 1147 erwähnt wird und seine Gründung der Edelfrau Wiltrudis und ihrem Sohn Rathard aus dem Geschlecht der Rüdenberger verdankt. Um 1170 wird Rabodo von Rüdenberg auch als 'de Dalewic' (von Dellwig) bezeichnet. Sein Erbe ging auf die Söhne des Edelherrn Jonathas von Volmarstein über. Sie bauten sich an der Ruhr bei dem Dorfe Ardey eine Burg. Dort nahmen sie ihren Wohnsitz und nannten sich danach 'von Ardey'. 1296 lag diese Burg im Gebiet der Grafen von der Mark. 1318 wird zum letzten Male von einem Edelherrn von Ardey berichtet. Von der Burganlage blieben nur Mauerreste und Gräben übrig. Den Burgberg durchschneidet heute die Eisenbahnlinie nach Unna.
Bei dem Dorfe Fröndenberg gründete der Kölner Erzbischof Heinrich von Molenark zwischen 1225 und 1230 ein Kloster für Zisterzienserinnen. Graf Otto von der Mark, der später auch 'von Altena' nach seiner gleichnamigen Burg hieß, ließ auf seine Kosten den Bau der Klosterkirche beginnen (heutige Stiftskirche).Er gilt als deren Stifter. Nach den in der Zeit von 1257 bis 1270 ausgestellten Urkunden leitete seine Schwester Richardis als Äbtissin das Kloster. Der Patron des Klosters war neben der Jungfrau Maria der Märtyrer Mauritius (Anführer der Thebaischen Legion, Martertod um 300 zu St. Moritz in Wallis/Schweiz). Das Fröndenberger Wappen zeigt ihn in Ritterrüstung über dem märkischen Schachbalken.
Das Kloster der Zisterzienserinnen wurde allmählich in eine Versorgungsstätte für die Töchter des südwestfälischen Adels umgewandelt. 1550 spricht man urkundlich von einem freien Stift. Äbtissin und Stiftsdamen trugen an ihrer Tracht seit dem 18. Jahrhundert das Mauritiuskreuz. Am Mauritiustage (22. September) hatten die Fröndenberger in der 'Freiheit' eine Kirmes mit einem Markt. Im 17. Jahrhundert waren die Stiftsdamen lutherisch, katholisch oder reformiert. Ebenso hatten sich im Stift und in der Bauernschaft Fröndenberg drei christliche Gemeinden gebildet, die an Sonn- und Feiertagen abwechselnd die ehemalige Klosterkirche, jetzt Stiftskirche genannt, benutzten.1837 vereinigten sich Lutheraner und Reformierte zur evangelischen Gemeinde.1894 hatten die Katholiken auf dem Sodenkamp ein neues Gotteshaus, die Marienkirche; aber die Stiftskirche blieb Simultankirche. Das Stift Fröndenberg bestand bis 1812. Damals verfügte es über 187 landwirtschaftliche Betriebe, aufgeteilt in 'Höfe', 'Kolonien', 'Kotten' und 'Stellen', die im Umkreis von rund 20 km beiderseits der Ruhr lagen. Außer der frühgotisch begonnenen Stiftskirche, deren hoher Westturm erst 1900-1902 angebaut wurde, blieben das angrenzende Boeselagerhaus, die beiden Abteigebäude von 1607 und 1661 und das Stiftshaus an der 'Steinernen Treppe' erhalten.
In der 1230 erbauten Stiftskirche zu Fröndenberg befindet sich der Sarkophag des Graf Engelbert III. von der Mark. Dorthin wurde er, seinem letzten Willen folgend, unter Bewachung von 500 Gefolgsamen und erheblichen Verlusten durch kriegerische Angriffe der kölnischen Stadt Menden nach seinem Tode am 22. Dezember 1391 beigesetzt. Aus Dankbarkeit für die Stiftung des Maiabendfestes erfolgt dort alljährlich - am 3. Sonntag im April - die feierliche Kranzniederlegung der Bochumer Maiabendgesellschaft.

 

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