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Beckporte bleibt im Keller / Maischützen online (WAZ)

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Beckporte bleibt im Keller / Maischützen online (WAZ)
 
618. Maiabendfest erreicht mit dem Ausmarsch am 29. April seinen Höhepunkt. Rathausplatz wird wieder zur zentralen Sammelstelle für die Blau-Weißen und die Bürger. Dämmerschoppen erfährt Neuauflage
 
Am 29. April erreicht das 618. Maiabendfest mit dem Ausmarsch nach Harpen seinen Höhepunkt. Zwei wichtige Veränderungen gibt es in diesem Jahr bei Bochums einzigartigem Heimatfest: Der Rathausplatz steht endlich wieder den Blau-Weißen zur Verfügung. Und: Die Beckporte wird nicht mehr aufgestellt. Volker Protzel, der Vorsitzende der Bochumer Maiabendgesellschaft, ist froh: "Endlich steht uns, nach fast zehn Jahren, der Rathausplatz wieder als Festgebiet zur Verfügung." Tatsächlich ist der Platz der traditionelle Aufmarsch- und Versammlungsort der Maikerls und Maimädels; allein: wegen der Baustellen lief in dieser Hinsicht in den letzten Jahren nix mehr. Der Dr.- Ruer-Platz war Ausweichquartier, wurde von vielen aber immer wieder als zu beengt angesehen. Um den großen Platz angemessen zu nutzen, wird der beliebte Dämmerschoppen wieder eingeführt. Er findet am Donnerstag, 27. April, also zwei Tage vor dem Ausmarsch statt. Es gibt Getränke- und Imbissstände, das Bogestra Musikkorps musiziert, und um 22 Uhr steigt ein blau-weißes Feuerwerk in den Himmel. "Wir wollen damit die Verbundenheit des Festes zur Stadt und zu ihren Bürger weiter stärken", erläutert Protzel. In der Vergangenheit musste der Dämmerschoppen aus Platz- und Finanzgründen ausfallen; nun soll durch die gesellige Aktion auch die neue Innenstadt belebt werden. Die Kaufmannschaft ist in die Absprachen und den Veranstaltungsablauf einbezogen. Auf die Kaufleute, aber auch auf die Hausbesitzer in der Innenstadt setzen die Blau-Weißen auch am Ausmarschtag. Da die Pappmaché-Beckporte in die Jahre gekommen und eigentlich beaufällig ist, haben sich BO-Marketing und die Maiabendgesellschaft entschlossen, sie in diesem Jahr nicht wieder am Ausgang des Brückviertels aufbauen zu lassen. Einspareffekt: 7500 Euro. Das Geld soll komplett umgeleitet werden, in "positive, zukunftsgewandte Aktivitäten", wie Protzel sagt. Konkret soll damit vor allem für Fahnenschmuck und Dekoration gesorgt werden, damit Bochum am Feststtag in Blau-Weiß "ertrinkt", wie es früher stets gewesen war. "Wir setzen sehr auf die Hausbesitzer und Geschäftsleute, die ihre Gebäude hoffentlich festlich schmücken", so Protzel. Um die Innenstadt während des Marsches nach Harpen lebendig zu halten, wird es auf der Bühne am Rathausplatz ein Programm mit Musik und Vorstellungen der Maischützen-Schüler ("Die BO- Maus-Bande") geben. Der Ausmarsch erfolgt ab 10.30 Uhr; gegen 16.30 Uhr werden die erneut von Junggesellenhauptmann Klaus Liermann angeführten Maikerls zurück erwartet. Die Eiche des 618. Maiabendfestets wird von BP/Aral gespendet und in der Grabenstraße gepflanzt. Punkt 12.36 Uhr ging gestern der komplett neu gestaltete Internet-Auftritt der Bochumer Maiabendgesellschaft online. Webmaster Stefan Braun und Internet-Administrator Martin Credé haben die Seite www.bochumer-maiabendgesellschaft.de entrümpelt, sie schneller, moderner und übersichtlicher gemacht. Neben der Historie des Festes gibt es einen aktuellen Sektor, über den Informationen aus den einzelnen Kompanien und Gruppen abgerufen werden können. Es gibt auch ein Gästebuch, in das man Lob & Tadel eintragen kann. Eine Bildergalerie soll noch folgen. Schon die alte website war sehr beliebt, bis zu 250 Klicks pro Tag wurden gezählt. Es dürfen gerne noch mehr werden!
 
Von Jürgen Boebers-Süßmann WAZ
 

Kommentar - Nach alter Art
Das 618. Maiabendfest wirft seine Schatten voraus. Wenn ende April der Marsch nach Harpen erfolgt, dann will die Gesellschaft, dann wollen aber auch alle Mitglieder des Traditionsvereins ein Maiabendfest "nach alter Art" feiern. Mit dem Rathausplatz als Mittelpunkt, mit blau-weißem Fensterschmuck, mit der herzlichen Beteiligung von Jung und Alt. Es wäre zu wünschen, dass diese Sache rund würde. Lange zehn Jahre mussten die Maischützen improvisieren, was den Baustellen geschuldet war. Jetzt bietet sich, auch im intensivierten Zusammenspiel mit BO-Marketing, die Chance, das Fest weiter als Volksfest für die ganze Stadt zu verankern. Mancher mag sich grämen, dass die lieb gewonnene Papp-Beckporte nicht mehr aufgebaut wird. Aber das Thema ist noch nicht zu Ende diskutiert. Immer noch geistert das Vorhaben einer fest installierten Beckporte als städtebauliches Tor am Ausgang des Brückviertels durch die Köpfe. Vielleicht ist ja im Zuge des Umbaus der Brückstraße dafür doch noch Spielraum.