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Blau-weißes Biwak trotzte kühlem Wetter (WAZ)

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Biwak trotzte kühlem Wetter (WAZ)

 Junggesellen-Hauptmann Klaus Liermann jun. vorgestellt

Von Jürgen Boebers-Süßmann

Na mal ehrlich: Ein paar Zuschauer mehr hätten es bei der Vorstellung des Junggesellen-Hauptmannes am Samstag schon sein dürfen. Die Maischützen mit ihren Abteilungen und Kompanien stellten zweifellos die größte Gruppe unter den Schaulustigen auf dem Dr.-Ruer-Platz.
Aber es war ja auch ein kalter Frühlingsmorgen, dieser Samstagmorgen. So mancher Musikant fröstelte im dünnen Jacket, die Passanten huschten mit hoch geschlagenen Kragen vorbei, die Kinder drumherum hielten sich mit Würstchen vom Grill warm.
 Die Vorstellung des Junggesellen-Hauptmannes ist an sich unspektakulär, und doch ist es für jede/n Bochumer/in immer wieder etwas Spezielles, wenn der Mann in der weißen Hose hoch zu Ross heran geritten kommt; ist er doch das lebendige Sinnbild einer über 600 Jahre lebendig gebliebenen Tradition. In diesem Jahr steht Klaus Liermann jun., Spross einer durch und durch blau-weiß gewirkten Bochumer Familie, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Der 29-Jährige tritt mit seinem Amt auch das Erbe seines Vaters Klaus Liermann an, der über Jahrzehnte die Seele der Maiabendgesellschaft war und einige Tage vor dem 615.Maiabendfest 2003 kurz vor seinem 70. überraschend starb.

Klaus Liermann jun. kann sich in diesem Jahr auf sieben besonders charmante Ehrendamen und auf ein eingespieltes Team verlassen, so auf seinen Vorgänger im Amte, Thorsten Horn, der fünfmal die blau-weiße Bagage als Hauptmann nach Harpen führte, und in diesem Jahr als "Graf Engelbert" ins gelb-rote Kostüm schlüpft. Graf Thorsten las denn auch den feierlichen Spruch vor, mit dem der echte Graf anno 1388 das Maiabendfest den Bochumer Jungen gespendet hatte. Der
Hauptmann von heute bedankte sich mit seiner Truppe mit einem dreimal kräftigen "Blau-Weiß!" für die damit für alle Ohren einmal mehr ausgesprochene Erlaubnis, den jungen Eichbaum aus dem Bockholt heimholen zu dürfen.
Eine Premiere war die Hauptmannsvorstellung für Ottilie Scholz, die erstmals als erste Bürgerin dieser Stadt mit den blau-weißen Honoratioren auf der Bühne stand. Sie erinnerte an die Tradition des einmaligen Heimatfestes, die nicht verloren gehen dürfe, und machte den Maikerls und Maimädels Hoffnung auf
das nächste Jahr: "Dann ist der Rathausplatz endlich fertig, und dann möchte ich Sie alle und noch viel mehr Bürgerinnen von dort nach Harpen verabschieden" - Hoffnungsfrohes Klatschen.
Noch mehr Applaus bekam Ottilie Scholz bei der Anprobe des extra für sie geschneiderten Schultertuchs. Um ihr die Verlegenheit der als "männlich" aufgefassten Schirmmütze beim Ausmarsch nächste Woche zu ersparen, hatte der Vorstand das mit Goldrand gewirkte Seidentuch in der hellblauen Farbe der Bochumer Maiabendgesellschaft in Auftrag gegeben.

Nach der Vorstellung gab's den Festumzug durch die Stadt, und obwohl der Wind zeitweilig kräftig um die Ecken pfiff, so war der Pfiff des Jungendliedes doch immer wieder gut zu vernehmen. Das auf fünf Standort in der Innenstadt verteilte Schützenbiwak lockte die Bochumer/innen bis Nachmittags bei Musik und guter Unterhaltung zum Schnack bei Bratwurst, Bier und Buletten.

 Von Jürgen Boebers-Süßmann WAZ