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Kranzniederlegung am Sarkophag in Fröndenberg 2003

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Kranzniederlegung am Sarkophag in Fröndenberg 2003 
 

Am 13. April 2003 versammelten sich die vier Kompanien am Kirmesplatz an der Castroper Strasse, um gemeinsam zur Kranzniederlegung nach Fröndenberg zu fahren. Es ist schon lange Tradition geworden, vor dem Ausmarsch nach Harpen am Grabe des Grafen Engelbert in der Stiftskirche zu Fröndenberg einen Kranz nieder zu legen. Gemeinsam mit den Fröndenberger Schützenvereinen marschierte die Bochumer Maiabendgesellschaft zur Stiftskirche. Dort wurden die Maimädels und Maikerls von Bürgermeister Krause begrüßt. Oberbürgermeister Ernst Otto Stüber verwies auf viele Gemeinsamkeiten, die Fröndenberg und Bochum miteinander haben. Mit einer Schweigeminute wurde des verstorbenen Ehrenvorsitzenden der Bochumer Maiabendgesellschaft Klaus Liermann gedacht. Beim anschließenden Gedenkgottesdienst in der Stiftskirche wurden dann die Kränze am Grabe niedergelegt. Im Anschluss daran verbrachte die Bochumer Maiabendgesellschaft mit den Fröndenbergern noch ein paar schöne Stunden.


Die Rede des 1. Vorsitzenden Volker Protzel in der Stiftskirche:

" It´s the greatest, it´s the best: Das Bochumer Maiabendfest!" In dem kindgerechten Theaterstück der Bochumer Maischützenschule rund um die Geschichte des Bochumer Maiabendfestes hat dieser Slogan eine zentrale Bedeutung. Es ist das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema - selbst wenn der Ursprung des Festes auf eine kriegerische Handlung ("Kloppe mit den Dortmundern") zurück geht. Das Theaterstück befasst sich in Rückblicken mit der Entstehung des Bochumer Maiabendfestes: Die Fehde des Grafen Engelbert mit den Dortmundern, der Raub einer Viehherde der Harpener Bauern durch Dortmunder Söldner, das Zurhilfeeilen der Bochumer Junggesellen, die den Dortmundern diese Viehherde wieder abjagden, die Freude des Grafen Engelbert hierüber und als Belohnung für die Tat das Legat an die Junggesellen, alljährlich einen Eichbaum aus den gräflichen Waldungen des Bockholtes zu holen, um aus dem Erlös das Bochumer Maiabendfest zu feiern. Die Lehren, die aus dieser historische überlieferten Begebenheit zu ziehen sind, werden in die Neuzeit transferiert und führen dazu, das sogar Dortmunder an dem Fest in der Gegenwart teilhaben. Das Maiabendfest wird im Theaterstück der Kinder letztendlich zum Schmelztiegel im Ruhrgebiet, ungeachtet der Differenzen, die Städte oder auch Fußballclubs untereinander haben. Die Theaterkinder sehen im Maiabendfest ein Fest der Zusammengehörigkeit und Gemeinschaft, ein Fest der Freude und ein Fest der Versöhnung. Eine in ferner Vergangenheit liegende Begebenheit wird nicht als Selbstzweck zum Feiern angesehen, sondern das Fest als solches wird als Chance des Zusammenlebens und Zusammenfeierns in der Gegenwart und in der Zukunft erachtet. Die Konfliktbewältigung und Konfliktvermeidung stellt das zentrale Thema im Theaterstück dar. Zum Schluss liegen sich Dortmunder und Bochumer beim Maiabendfest in den Armen und feiern gemeinsam. Das Theaterstück der Kinder beeindruckt durch seine Konsequenz in der Bewältigung von Konfliktsituationen. Das Maiabendfest ist kein Fest des alljährlichen Gedenkens einer kriegerischen Handlung, denn sonst hätte es keine 615 Jahre überlebt. Es ist und war immer ein Fest des Gemeinsinns und der Freude- ein Fest des Sich aufeinander verlassenen Könnens, des Zusammenrückens. Es findet seinen Höhepunkt in dem Eichbaum, der eine starke blühende Zukunft symbolisiert. Das Maiabendfest vereinigt in sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ein Vermächtnis wird jedes Jahr aufs Neue gelebt und erlebt und findet seinen Höhepunkt in einer Eiche, die Zukunft, Neue Blüte und Beständigkeit symbolisiert. Welches andere Fest kann dies schon von sich behaupten ? Nur so konnte das Bochumer Maiabendfest 615 Jahre überleben. Bochumer Bürger dachten im Maiabendfest immer an eine schöne und bessere Zukunft als an eine kriegerische Auseinandersetzung im Mittelalter. Das Maiabendfest hat in der Tat gerade in schwierigen Zeiten die Bochumer in den vergangenen Jahrhunderten in einem Band zusammengeschweißt. Im besonderen nach Kriegs- und Notzeiten diente das Maiabendfest zur Bewältigung und zur Normalisierung des harten alltäglichen Lebens und galt als Aufbruchsignal in eine neue bessere Zukunft. Es diente und dient noch heute stets dem Gemeinwohl. Fernab jeglichen politischen Interesses ließ sich das Maiabendfest auch niemals für die eine oder andere politische Entwicklung vereinnahmen. Es ist und war immer ein Fest der Bochumer Bürger zu ihrem Gemeinwohl, eine Insel im Sturm der Geschichte und gesellschaftlichen Entwicklung, die Bestand hatte und worauf man sich verlassen konnte. Und hieran haben viele Generationen Bochumer Bürger vor uns gearbeitet. Denn das Maiabendfest repräsentiert einen Wert, gewissermaßen ein ethisches Vermächtnis unseres Grafen Engelbert: Jede Handlung zum Gemeinwohl - und sei sie auch noch so klein - hat Auswirkung und Bestand für alle Zukunft. Mit dem Eichbaum, der seit 1388 den Bochumer Junggesellen seitdem rechtmäßig zum Feiern des Maiabendfestes jedes Jahr zusteht, hat Graf Engelbert der damaligen Beistandhaltung Zukunft und Perspektive gegeben. Nicht, auf dass ihrer jedes Jahr gedacht würde und damit weitere Konflikte vorprogrammiert gewesen wären. Nein, der Lohn für eine einmalige Hilfeleistung: das durch den Eichbaum ermöglichte Fest am Vorabend des 1.Mai auf das sich die Bochumer jedes Jahr wieder freuen können, steht seit 1388 im Mittelpunkt. Und Feste zu feiern ist dem Menschen allemal lieber als über Konflikte nachzudenken. Ich würde mir wünschen, dass jeder Konflikt der vergangenen Jahrhunderte zur Konfliktvermeidung, Versöhnung und zum Ausbau des Miteinanders geführt hätte. Wir lebten heute in einer sicheren und friedlicheren Welt. In der Hoffnung auf eine solche lassen Sie uns nun den Kranz am Grabe des Grafen niederlegen.