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613. Bochumer Maiabendfest 2001

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Maischützen auf "Schuster-Rappen" zum Bockholt "Wilhelm, in diesem Jahr "reiten" wir alle nach Harpen!"

Das 613. Bochumer Maiabendfest, welches durch die Gründung der heutigen Maiabendgesellschaft im Jahre 1948 immer mehr an Bedeutung gewann, erreichte an diesem Wochenende seinen Höhepunkt. Am Vormittag des 28. April marschierten alle Maischützen auf "Schusters-Rappen" auf dem Husemannplatz auf. Da aufgrund der Maul- und Klauenseuche das Mitführen von Tieren in diesem Jahr untersagt war, "ritten" alle Schützen, so wie es der 1. Vorsitzenden Volker Protzel bereits anlässlich des Pilsabend unseres Junggesellenhauptmanns dem 1. Vorsitzenden des Bürgerschützenvereins Bochum-Harpen zurief: "Wilhelm, in diesem Jahr "reiten" wir alle nach Harpen!" Der erste Bürger der Stadt, Herr Oberbürgermeister Ernst Otto Stüber, begrüßte offiziell die "Blau-Weißen" und alle anwesenden Gäste. Eine halbe Stunde später begann der erste farbenprächtige Ausmarsch in diesem Jahrtausend nach Harpen, an der Spitze der Spielmannzug der Maiabendgesellschaft, um die diesjährige Junggeselleneiche vor Sonnenuntergang in die Stadtveste zu holen. Die diesjährige Beteiligung war außerordentlich stark. Als Vertreter des Landes Nordrhein-Westfalen nahm unser "Landesvater" Herr Ministerpräsident Wolfgang Clement teil. Darüber hinaus Herr Oberbürgermeister Ernst Otto Stüber sowie die Ratsherren der Stadt Bochum, Vertreter der Partnerstädte, Ehrengäste, der Beirat der Maiabendgesellschaft, Auswertige bzw. Bochumer Organisationen und Vereine. An der "Harpen`s Ortsgrenze" erfolgte die jährliche Parade unter Beteiligung des Vorstands des Bürgerschützenvereins Bochum-Harpen. Danach marschierte der Zug auf dem Bockholt ein, um der traditionellen Eichbaumausgrabung durch den Junggesellenhauptmann Thorsten Horn, der dabei durch seinen Adjutanten Marc Horn unterstützt wurde, beizuwohnen. Nachdem die Eiche ausgegraben war, erklang das Bochumer Jungenlied mit "Pfiff". Vor dem Rückmarsch stärkten sich die Schützen mit einer kräftiger Erbsensuppe und zogen anschließend mit klingendem Spiel, Graf Engelbert`s - Mannen den Eichbaum und die Silbertaler bewachend, gen Bochum. Somit jährte sich zum 613. Mal wieder ein bedeutendes Stück Bochumer Geschichte, wobei die Tradition des Ausmarsches nach Harpen jedoch erst 1882 wieder aufgenommen und die Eiche fortan im Stadtpark eingepflanzt wurde. Bis heute ist es zwar noch nicht gelungen, eine Urkunde über die Stiftung des Maiabendfestes ausfindig zu machen, aber einer Überlieferung aus dem Jahre 1866 zufolge, scheint es wahrscheinlich zu sein. Sicher ist jedoch, dass Bochum im Mittelalter zur Grafschaft Mark gehörte, die von 1347 bis 1391 von Graf Engelbert III. regiert wurde und der Graf im Jahre 1388, der damals freien Reichs- und Hansestadt Dortmund, aufgrund eines Spottgedichtes die Fehde ansagte. Bei dieser kriegerischen Auseinandersetzung leisteten die Bochumer Junggesellen Engelbert III., der zeitweise auf der Burg Blankenstein residierte, tatkräftige Hilfe und eroberten eine wertvolle Herde Vieh, die die Dortmunder fortgetrieben hatten, in der Nähe von Dorstfeld zurück. Aus Dankbarkeit stifte Graf Engelbert III. den Bochumer Junggesellen dieses, in Deutschland so einzigartige Fest. Beginnend ab 1388 erhielten die Junggesellen somit das Recht, alljährlich am Vorabend des 1. Mai, einen Eichbaum aus den gräflichen Waldungen im Bockholt zuholen. Dieser musste jedoch vor Sonnenuntergang durch die Beckporte nach Bochum gebracht werden. So zogen auch in diesem Jahr die Schützen mit der Eiche und den daran befestigten Silbertalern durch das Becktor und es schallte durch Bochums Straßen: Sunne, sunne, der Maibaum is usse! Daran schloss sich auf dem Husemannplatz die symbolische Zinstaler-Auszahlung auf die Trommel an, denn nachdem im Jahre 1769 der Bockholt in Privatbesitz überging, erhielten die Junggesellen statt der Eiche acht Zinstaler. Mit diesen "Talern" feierten sie dann ihren traditionellen Maiabendfestball. Im Anschluss an die Zinstalerauszahlung erfolgte die seit 1996 traditionelle öffentliche Versteigerung von drei Eichbaum-Silbertalern zugunsten eines Projektes im Rahmen der Jugendberufshilfe. Der diesjährige Erlös ist für ein Projekt der Firma Bobeq GmbH bestimmt. Mit der jährlichen Durchführung des Maiabendfestes dokumentiert die Bochumer Maiabendgesellschaft ihren Anspruch, das historische Erbe ihrer Heimatstadt Bochum im Team der Generationen verantwortlich zu gestalten, und dies auch an die kommenden Generationen weiterzuvermitteln, denn: "Was unsere Väter geliebt, Das lieben wir auch. Und halten fest, Am alten Brauch."

"Blau-Weiß"