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627. Maiabendfest 2015

Sonntag, 29. März 2015 - Fähnrichsverpflichtung, 11:45 Uhr Abmarsch vom Rathaus zur Eiche am "Platz am Kuhhirten"

Sonntag, 19. April 2015 - Kranzniederlegung in Fröndenberg

Donnerstag, 23. April 2015 - Eröffnung des Maiabendfestes und Westfälischer Brauchtumsabend auf dem Bongard-Boulevard

Freitag, 24. April 2015 - Ökumenischer Gottesdienst,  Marsch durch die Innenstadt, Großer Zapfenstreich

Samstag, 25. April 2015 - Ausmarsch nach Harpen, gr. Festumzug und Einmarsch in die Innenstadt anschl. Maiabendfest

Sonntag, 26. April 2015 - Kindertag

Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin Carina Gödecke,
Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz,
Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Gabi Schäfer
liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
liebe Freunde des Maiabendfestes,

ich begrüße im Namen der Bochumer Maiabendgesellschaft alle herzlich, die sich hier versammelt haben, um das 627. Maiabendfest in unserer Stadt zu feiern.
Unser Maiabendbrauch soll ein Fest der Freude, der Friedfertigkeit und der Verbundenheit aller Menschen sein, egal welcher Glaubensgemeinschaft oder Nation sie angehören und im Gedenken an den Stifter des Festes – den Grafen Engelbert – an Werte wie Solidarität, Hilfsbereitschaft und Mut erinnern.
Die jüngsten Nachrichten und Ereignisse – gerade aus dem Mittelmeerraum, aber auch aus deutschen Städten – zeigen, dass wir diese Werte gar nicht genug hochhalten können.
Gestatten Sie mir ein paar persönliche Worte:
Ich entstamme einer Generation, die die Auswirkungen des Krieges, der Vertreibung und Flucht selbst erlebt hat. Ich bin als Kind auf dem Land in Niedersachsen groß geworden und habe gesehen, wie viele Flüchtlinge barfuss über die Felder kamen auf der Suche nach einer neuen Heimat und nach einem Leben in Frieden. Auch diesen Flüchtlingen standen viele argwöhnisch bis feindselig gegenüber: denn sie sprachen anders, hatten andere kulturelle Bräuche und galten einigen ungeachtet der gleichen Nationalität als Fremde.
Fremdheit erzeugte hier Angst und Ablehnung, wohl vor allem weil Sorgen um die eigene Existenz im Vordergrund standen und die Konfrontation mit teils traumatisierten Kriegsflüchtlingen als belastend erfahren wurde.
Andere jedoch begegneten den Fremden als Freunde und empfingen sie in ihren Häusern, versorgten sie und boten ihnen eine Herberge.
Im gesellschaftspolitischen Milieu Deutschlands gibt es derzeit eine Gruppierung von Menschen, die sich zusammenrotten, um als Europäer das christliche Abendland vor Flüchtlingen zu schützen. Dabei klingt es doch wie Hohn, wenn solche Menschen sich demonstrativ als Christen bezeichnen und dabei die Botschaft Jesu pervertieren und mit Füßen treten. Aus christlicher Perspektive sage ich:
Die Bibel ist ein Buch der Flüchtlinge und Migranten, vielmehr als eines derer, die Heimat finden;  das zeigen gerade die ältesten biblischen Erzählungen über das nomadische Leben der Erzeltern/ersten Menschen. Aber auch das Neue Testament beginnt mit einer Fluchtgeschichte (Josef und Maria flüchten mit dem neugeborenen Jesus nach Ägypten). Im Umgang mit Fremden mahnt die Bibel, sich gegenseitig anzunehmen und zu achten.
Bis zu einem gewissen Grad kann ich die diffusen Ängste vor Fremden und Unbekanntem nachvollziehen, da Politik und Medien Migration fast ausschließlich negativ beurteilen und eigene Existenzängste Widerstände erzeugen. Man bleibt lieber unter seinesgleichen, als sich durch eine neue Kultur, Sprache oder Religion herausfordern zu lassen.
Um diesen Ängsten entgegen zu wirken, helfen Begegnung und Dialog. Nur in der Begegnung und im Austausch erkennen wir, wie Fremdes und Neues eine Bereicherung sein kann und keineswegs eine Zumutung. Ich für meinen Teil bin froh und stolz hier im Ruhrgebiet zu leben, weil ich die multikulturelle Gesellschaft schätze und nicht missen möchte: unverwechselbar, unfassbar vielseitig, bunt, plural und offen.
Gerade ein Traditionsfest wie das der Maischützen ist Ort und fröhlicher Anlass von vielfältigen Begegnungen, der die verschiedensten Menschen zusammenbringt. Es ist kein Fest einiger gegenwartsvergessener Ur-Bochumer, sondern aller Bürger und Freunde Bochums, die gemeinsam eine Tradition weiterleben lassen, die im Geist der Verbundenheit und Solidarität  steht.
Daher lade ich besonders alle ausländischen Kulturvereine ein, sich an unserem Maiabendfest zu beteiligen.
Alle sind in unserer Mitte willkommen, seien es Bochumer seit Generationen, erst seit einigen Monaten oder Gäste, auf dass es wirklich ein Fest der Freude und der Gemeinschaft werde.
Ich lade nun alle ein zu feiern mit einem kräftigen:

Blau – Weiß

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Rede zur Kranzniederlegung 2015

Geschrieben von Karl - Heinz Böke am .

Zum Gedenken des Grafen Engelbert

Liebe Freunde des Maiabendfestes,
anlässlich des 627. Jahrestags unseres Stadtfestes gedenken wir des Grafen Engelbert von der Mark, auf den der Bochumer Maiabendbrauch zurückgeht und der hier in Fröndenberg seine letzte Ruhe gefunden hat.
Welchen Sinn hat es einer Person und Ereignissen zu gedenken, die der Epoche des Spätmittelalters angehören?
Dieses Totengedenken heißt nicht gegenwartsvergessen der Großen Dortmunder Fehde, gestohlenem und zurückgewonnenem Vieh zu gedenken, es bedeutet insbesondere, sich der Werte zu erinnern, die mit der alten Tradition verbunden sind: Solidarität, Verbundenheit, Gemeinschaft, Mut und Hilfsbereitschaft.
Ich verstehe unser Brauchtum als Feier all derjenigen, die sich zu diesen Werten bekennen und sie gemeinschaftlich hochhalten gegen jene, die über den Stolz auf die eigene Tradition, auf das „Eigene“, die Offenheit und Integrationen anderer vermissen lassen.

Die jüngsten Nachrichten aus unserem Land hinsichtlich dieser genannten Werte stimmen mich nachdenklich. Verbundenheit und Hilfsbereitschaft zu leben, scheint uns leichter zu fallen, wenn wir sie unter unseresgleichen praktizieren, also: in den eigenen Reihen, mit Menschen, die uns durch gleiche Nationalität, Kultur, Religion verbunden sind. Geht es um Fremde – unabhängig davon, was die Anderen zu Fremden macht – verspüren wir Barrieren.

Wie solidarisch zeigen wir uns mit denen, deren  „Gut“ genommen wurde?
Wie verbunden fühlen wir uns mit Menschen, denen Ungerechtigkeit widerfahren ist und die uns um Aufnahme, Hilfe und Gerechtigkeit bitten?
Haben wir Empathie für Menschen, deren wirtschaftliche Existenz ruiniert ist und die eine Chance bei uns möchten?
Können wir nachempfinden, wie ein Menschenleben unter der Willkürherrschaft despotischer Gruppen sich anfühlt?

Es beeindruckt mich, welch ungeahnte Aktualität die Legende um den Grafen Engelbert, die Harpener Bauern und die Bochumer Junggesellen entfaltet und uns dazu anregt, nicht in der Vergangenheit zu bleiben, sondern zu hinterfragen, wie es um unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt und unseren Mut zur Tatkraft bestellt ist.

Ein anderer Gedenktag fand vor kurzem statt: am 11. April jährte sich zum 70. Mal der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald. „Nie wieder“, lautet eine Parole, die immer zu solchen Anlässen ertönt, aber dunkle Schatten liegen auf diesem hehren Anspruch. Denn auch im Jahr 2015 fliegen Steine, auch im Jahr 2015 brennen Häuser. Ich bin nicht nur fassungslos über die tiefe Verwurzelung des Hasses, sondern auch über die tiefen Risse, die unser Ansehen in der Welt bekommt. Es scheint zu einer traurigen Tradition zu werden, dass eine kleine, aber beständige Gruppe von Menschen meint, Gastfreundschaft und Willkommenskultur mit Füßen zu treten.
Im vollen Bewusstsein der eigenen Vergangenheit ist es an uns – auch als noch so kleiner Verbund von Menschen – zu bezeugen, dass geistige sowie tatsächlich Brandstiftung und Aggression keine Traditionen sind, die wir pflegen und weitergeben wollen. Mit unserem Engagement lassen wir die Traditionen weiterleben, die im Geist des Friedens, der Freude und der Verbundenheit stehen.

Ich freue mich auf ein Fest aller Bochumer und heiße im Namen der Maiabendgesellschaft Gäste herzlich willkommen und ermuntere Sie alle, dem Fremden den Becher zu reichen mit einem kräftigen Blau-Weiß.

Pressekonferenz 2015

Präsentierten das Programm des 627. Maiabendfestes:
Annette Adameit, Sparkasse Bochum - Karl-Heinz Böke, Vorsitzender Maiabendgesellschaft -
Thorsten Kindermann, Schauspielhaus Bochum -
Junggesellenhauptmann Dominik Braun und sein Bruder und Adjutant Philiipp (vorne von rechts).
Thomas Kuhn und Michael Schüren, Vorstand Maiabendgesellschaft (hinten von rechts)
Foto: Sparkasse Bochum

Sparkasse zahlt Zinstaler aus

627. Maiabendfest, 23. bis 26. April 2015

Die Sparkasse Bochum steht dem Bochumer Maiabendfest seit Jahren fest zur Seite. Nach dem Einmarsch am Samstag wird am Balkon der Sparkasse am Boulevard der Zinstaler ausgezahlt. Und nach dem Auftritt des Schauspielhauses wird um 23 Uhr das musikalische Höhenfeuerwerk vom Dach der Sparkasse Bochum gezündet.

„Als größtes Geldinstitut in Bochum sind wir selbstverständlichen beim größten Volksfest in Bochum dabei. Im Sinne unseres gemeinwohlorientierten Auftrags versteht es sich von selbst, dass wir Herkunft stärken und Zukunft fördern möchten“, betonte Annette Adameit, Sparkasse Bochum, bei der Pressekonferenz in der Sparkasse.
 


v.l. Karl-Heinz Böke (Vorsitzender), Dr. Buschfort (Knappschaft-Bahn-See),
Dominik und Phillip Braun (Junggesellenhauptmann und Adjutant),
Herr Wilmert (Stadtwerke Bochum) und Michael Schüren (Vorstand)

Am heutigen 26. Februar 2015 fand die Pressekonferenz zum 627. Bochumer Maiabendfest in den Räumen der Stadtwerke Bochum statt.