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626. Maiabendfest 2014

Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin Carina Gödecke,
Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz,
liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
liebe Freunde des Maiabendfestes,

ich freue mich sehr, sie am heutigen Abend anlässlich des Zapfenstreiches zum 626. Bochumer Maiabendfest hier im Namen der Bochumer Maiabendgesellschaft begrüßen zu dürfen.

Gestatten sie mir vorab, dass ich einen Spruch von Albert Einstein zitiere:
„Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnis¬volle. Es ist das  Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Wissenschaft und Kunst steht. Wer es nicht kennt und sich nicht mehr wundern oder staunen kann, der ist sozusagen tot und sein Auge erloschen.“

Der demografische Wandel gehört zu den „Megatrends“ unserer Zeit. Seit Jahrzehnten konstant niedrige Geburtenraten und eine immer weiter steigende Lebenserwartung haben die Altersstruktur der Bevölkerung nachhaltig verändert. Der Anteil der älteren gegenüber den jüngeren wächst beständig, gleichzeitig „schrumpft die Bevölkerung“ in unsere Region, weil es immer weniger Nachgeborene gibt. Zugespitzt heißt das: wir werden immer weniger und immer älter.

Dieser Trend lässt sich vielleicht beeinflussen, aber ihn aufhalten zu wollen, hieße einer Illusion anzuhängen. Denn demografische Prozesse sind äußerst träge, wie auch der Blick zurück beweist: Die bislang letzte Generation in Deutschland, die so viele Kinder bekam, dass die Zahl der Eltern bzw. das „Bestandserhaltungsniveau“ erreicht wurde, erblickte vor über 130 Jahren das Licht der Welt. Es ist also notwendig, sich auf den Wandel, in dem wir uns längst befinden, realistisch einzustellen – anstatt Entwicklungen die sich kurzfristig ohnehin nicht umkehren lassen, ausschließlich zu beklagen oder gar zu ignorieren.
Hinzu kommt auch noch die wirtschaftliche Veränderung in dieser Region, z.B. Verlust des Bergbaus, Schließung von Stahlwerken u.s.w. und zum guten Schluss Schließung der Opelwerke. Das alles hat das Ruhrgebiet bzw. die Menschen in dieser Region in den letzten Jahren geprägt und stark gemacht.
Auch wir die Maiabendgesellschaft, aber auch andere Vereine sind davon stark betroffen. Der eine Verein etwas mehr der andere Verein etwas weniger. Uns fehlen viele Privatunternehmen, die durch Schließung aufgrund des Strukturwandels oder durch Verdrängung durch Großunternehmen ihr Geschäft schließen mussten. Für sie alle war es eine Selbstverständlichkeit bzw. Pflicht dieses Heimatfest zu unterstützen.
Von diesen neu angesiedelten Filialisten hier in Bochum unterstützt dieses Heimatfest nur ein Geschäft und zwar – das Schuhhaus Voßwinkel - das finde ich persönlich traurig.
Ich bin der Meinung, wer mit uns Bürger in dieser Stadt seine Geschäfte macht, sollte sich auch persönlich bei Volksfesten mehr einbringen.
Hinzu kommt noch, dass uns allen eine ganze Generation fehlt die als Bindeglied zwischen alt und jung agieren sollte. Vielleicht haben wir – die Maiabendgesellschaft – diesen Trend zu spät erkannt, oder gar in der Vergangenheit die Augen vor dieser Veränderung verschlossen, weil wir es einfach nicht wahr haben wollten.
Die Uhren stehen mittlerweile auf fünf vor zwölf.
Auch wenn wir jedes Jahr so ein schönes Heimatfest in unserer Stadt feiern und auch in Zukunft noch feiern möchten, was haben wir davon, wenn uns die Jugend und der Nachwuchs fehlt. Sollte dieser Brauchtum und dieses Maiabendfest wei¬terhin ein Bestandteil unserer Geschichte in dieser Stadt sein, müssen wir uns umso mehr um die Jugend bemühen. Diese Bemühungen müssen schon im Vorschulalter beginnen und in den Grundschulen fortgeführt werden. Natürlich ist mir bewusst, dieses Ziel zu erreichen wird nicht einfach sein, da viele Umweltfaktoren auf die heutige Jugend einwirken.
Sei es z. B. der Einfluss der modernen Medien, die nicht immer zum Vorteil sind, oder seien es auch andere Einflüsse.
Die Jugend wird in der heutigen Zeit, bedingt auch durch Werbung, der maßen überschwemmt, dass es oftmals dieser Generation schwerfällt die richtige Entscheidung zu treffen.
Wir sollten uns aber auch den Menschen gegenüber öffnen, die hier in Bochum ein zu Hause gefunden haben und mittlerweile fest in dieser Stadt intrigiert sind. Ihnen sollten wir nicht mit dummen Bemerkungen oder scheinheiligen Ausreden den Zugang zu unserer Gesellschaft verwehren.
An dieser Stelle zitiere ich einen Absatz aus einer Beilage der WAZ zum 569. Maiabendfest 1957:
„Der Sinn dieses Heimatfestes besteht in der verbindenden Kraft, die gerade auch beim Maiabendfest stark genug ist, durch den Wandel der Zeiten neu zu uns gekommene Mitbürger in den freundschaftlichen Kreis der Alteingesessenen hineinzuführen und sie mit ihrer inneren Existenz enger zu verknüpfen mit dem Ort und der Stadt, in dem sie Arbeit, Brot und Lebensraum gefunden haben.“
Deshalb heiße ich alle Bürger die unseren Heimatgedanken verfolgen in unserer Maiabendgesellschaft herzlich willkommen.
Ich werde meinen Glauben an das Maiabendfest nicht aufgeben und hoffe, dass es weiterhin ein Bestandteil der Geschichte Bochums sein wird.
Auch wenn ich oftmals die Politik kritisiere, weil ich als Mitglied der Maiabendgesellschaft mit manchen Entscheidungen nicht einverstanden bin. So fällt es mir aber persönlich auch nicht schwer sie lobend zu erwähnen wenn es angebracht ist. Deshalb nochmals meinen persönlichen Dank an allen unseren Politiker der Stadt Bochum, die mich bei einer schwierigen Sponsoring-Verhandlung tatkräftig  unterstützt haben.

Es lebe Bochum, es lebe das Maiabendfest.
Blau - Weiß

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Das Programm vom 24. - 27. April 2014

Geschrieben von Stefan Braun.

Donnerstag, 24. April - Westfälischer Brauchtumsabend
17:45 Uhr Musikalische Eröffnung durch das Musikkorps Blau-Weiß Bochum-Weitmar
18:15 Uhr Offizielle Eröffnung Bühne am Kuhhirten
18:30 Uhr Verlesung des Legates, Fassanstich durch die Fiege-Brauerei, Rundgang über den Boulevard
18:45 – 20:00 Uhr „Wireless“
20:15 – 22:15 Uhr „Ralf Weihrauch“, englische Folksongs, Pipes and more

Freitag, 25. April - Großer Zapfenstreich
11:00 Uhr Historische Rundgänge für die Bochumer Schulen
11:00 Uhr Eröffnung der historischen Stände
18:00 Uhr „PushUP & friends“, feat. Maurice Allen Lee und Rodney Moore
18:45 Uhr Preisvergabe „Gewaltfrei“
19:30 Uhr Ökumenischer Gottesdienst in der Propsteikirche Peter und Paul, Platzkonzert am Kuhhirten mit der Bergmannskapelle
20:30 Uhr Festumzug auf dem Boulevard
21:00 Uhr Großer Zapfenstreich mit Totengedenken
22:00 Uhr Ende, Stände haben jedoch bis 24:00 Uhr geöffnet

Samstag, 26. April - Festmarsch in die Innenstadt und 626. Maiabendfest
09:30 Uhr Aufmarschende auf dem Rathausvorplatz
09:45 Uhr Begrüßung durch den Vorsitzenden Karl-Heinz Böke und Frau Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz
09:50 Uhr Abmarsch nach Harpen
11:00 Uhr Öffnung aller Stände auf dem Boulevard/Innenstadt
12:00 Uhr Eintreffen im Bockholt, Eichbaumausgrabung, gemeinsames Erbsensuppenessen
13:45 Uhr Abmarsch zum Kirmesplatz / Castroper Strasse (Rückmarsch)
15:00 Uhr Ankunft am Kirmesplatz
15:45 Uhr Großer Festumzug in die Innenstadt
16:30 Uhr Abnahme der Parade
17:00 Uhr Übergabe des Eichbaumes an den diesjährigen Stifter VfL Bochum, Zinstalerauszahlung durch die Sparkasse Bochum am Balkon der Sparkasse
18:00 Uhr Musik am Kuhhirten, Bochum feiert „Blau und Weiß“ - „Red Devils“ und „Fab 5“ Songs mit Hitgarantie aus Bochum
20:00 Uhr „Danny & The Chicks“
21:30 Uhr „Tribute to Johnny Cash“ Schauspielhaus Bochum
23:00 Uhr anschließend Musik-Höhenfeuerwerk vom Dach der Sparkasse

Sonntag, 27. April - Kindertag mit der Maiabendgesellschaft
11:00 Uhr Öffnung aller Stände auf dem Boulevard
Kinder-Mitmach-Aktionen
Ronja singt das Bochumer Jungenlied
14:00 Uhr Autogrammstunde VfL Bochum
15:00 Uhr Kinderzirkus Ratz Fatz
19:00 Uhr Ende der Veranstaltung

Historische Stadtführungen
Freitag, 25.04.2014 15:00 bis 19:00 Uhr
Samstag, 26.04.2014 11:00 bis 15:00 Uhr
Sonntag, 27.04.2014 11:00 bis 19:00 Uhr

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Rede zur Kranzniederlegung 2014

Geschrieben von Karl - Heinz Böke am .

Wir alle, die wir uns hier versammelt haben, wir haben eines gemeinsam: uns verbindet die Erinnerung an bestimmte Menschen, die uns im Tod vorausgegangen sind.
So wie wir uns heute hier eingefunden haben, um des Grafen Engelbert den III. von der Mark zu gedenken dem wir das heutige Maiabendfest zu verdanken haben, so werden viele von Ihnen sicherlich in diesem Moment auch an Angehörige, Freunde oder Kameraden denken die sie verloren haben und darum finde ich es richtig, dass wir aller Toten gedenken und nicht nur des Grafen, dem wir zwar unser Maiabendfest zu verdanken haben, der aber zu seiner Lebenszeit, auch viel Unheil in seinem Herrscherbereich angerichtet hat.
So wird vielleicht so manche Erinnerung an die letzte gemeinsame Zeit mit diesen verstorbenen Menschen wach. In dieser Stunde haben wir uns entschieden, hierher zu kommen und unsere Erinnerung und unser Gedenken mit anderen zu teilen.
An dieser Stelle zitiere ich Augustinus:

Auferstehung ist unser Glaube, Wiedersehen unsere Hoff¬nung, Gedenken unsere Liebe.
    
Wenn 1 Million Menschen in der großen weiten Welt sterben verändert dessen Tod unser Leben nicht.
Wenn nur 1 Mensch aus unserem persönlichen Umkreis stirbt, verändert dieser Tod unser ganzes Leben.
Durch den Tod eines lieben Angehörigen, eines Freundes oder Kameraden werden alle bisherigen Werte für das Leben völlig geändert.

Was vorher noch wichtig war ist dann völlig unwichtig.
Was vorher noch ein Zukunftsplan war ist dann Vergangenheit.
Was vorher noch Freude war ist nur noch Trauer.
Was vorher Sicherheit war ist dann Angst vor der Zukunft.

Der Tod schlägt oft erbarmungslos zu. Er fragt nicht nach Sinn oder Gerechtigkeit.  
Unser christlicher Glaube gibt den Trauernden Trost, denn ob es dein verstorbener Vater, deine Mutter oder dein verstorbener Ehepartner, Freund oder Kamerad gewesen ist, alle sind Sie nur vorausgegangen, wir werden Sie alle wiedersehen. Die wahren Werte im Leben anzustreben, dies geben unsere Verstorbenen uns als Mahnung und Verpflichtung mit auf den Weg.
Wir brauchen hier nicht die große globale Welt zu verändern, sondern nur unseren kleinen persönlichen Lebensumkreis.
Was gehen uns die Toten an? Alle, die heute der Einladung zur Gedenkfeier gefolgt sind, haben auf diese Frage ihre individuelle Antwort gefunden, jedenfalls eine, die sie veranlasst, hier sichtbar anwesend zu sein.
Es gab Zeiten, da war der Tod zwar ein immer trauriger, aber doch akzeptierter Teil des Lebens. In bäuerlichen Gesellschaften, in stark glaubensgeprägten Gemeinschaften ist er das noch heute: wer begreift, dass alles endet, was entsteht, hat sich vielleicht bereits eine gelassene Haltung zu Fragen des Werdens und Vergehens erarbeitet, wenngleich jedes Sterben zumindest zu respektvollem Innhalten, wenn nicht zur Trauer über den unzweifelhaften Verlust veranlassen sollte.
Aber der Tenor unserer Zeit ist ein anderer. Ewige Jugend und ewiges Leben sind gleichsam Klassenziele ganzer Generationen geworden. Wehe den, der es nicht vermag, bis ins Greisenalter hinein gesund, dynamisch und gut drauf zu erscheinen – er oder sie ist dann bald - einfach kein gesuchter Kontakt mehr. Und der Tod erscheint in diesem Umfeld so sehr als Angriff auf das eigene Wohlbefinden, dass fast panisch alles vermieden wird, was an ihn erinnert.
Dazu passt, dass auch mit den Toten vielfach kaum jemand etwas zu tun haben möchte. Es erscheint vielen als Zumutung, zu einer Beerdigung gehen zu sollen, und die Vorstellung, man sei vielleicht dazu berufen, dafür zu sorgen, dass der Leichnam eines Verwandten irgendwie anständig unter die Erde kommt, erscheint als geradezu abwegig. Ich höre manchmal von Bekannten eines Verstorbenen, man habe ohnehin nie sonderlich viel miteinander zu tun gehabt, und man könne und wolle nun auch nicht für die Beerdigung sorgen. Da mögen eine Vielzahl gegenseitiger Verletzungen der Vergangenheit ebenfalls eine Rolle spielen, aber die Zeiten, in denen man sich auch einem eher ungeliebten Verwandten gegenüber meist irgendwie moralisch verpflichtet fühlte, scheinen unwiderruflich vorbei zu sein.
Es geht natürlich auch anders. Ein Requiem für einen Toten, eine schlichte Feier mit oder ohne Beteiligung eines Geistlichen, ein Jahresgedenken findet doch immer noch statt, und wir sind ja heute auch hier, um den vielen Leben, die in den letzten zwölf Monaten geendet haben, sozusagen einen offiziellen Abschluss zu geben. Und es gibt darüber hinaus -ich glaube fest daran-, göttliche Fingerzeige, die demonstrieren, was auch möglich ist.
Ich wünsche jedem von uns, dass sein Sterben ähnlich fürsorglich begleitet werden möge wie man es sich persönlich wünscht. Und mögen auch wir selbst den Mut finden, unseren Verwandten und Freunden und vielleicht auch eher Fremden mit Guten Diensten zur Seite zu stehen, wenn ihr Leben endet.