Beiträge

622. Maiabendfest 2010

Mitteilung des Vorstandes der Bochumer Maiabendgesellschaft 1388 e.V.

anlässlich des 622. Maiabendfestes


Im Hinblick auf das 622. Maiabendfest, die in diesem Zusammenhang beabsichtigten Veränderungen und die Vielzahl der diesbezüglichen existierenden Meinungen und Gerüchte, hält es der Vorstand der Bochumer Maiabendgesellschaft für angezeigt, die aus seiner Sicht notwendigen Veränderungen kurz zu skizzieren und darzulegen, weshalb nach seiner Ansicht, aber auch nach der Ansicht einer Vielzahl der Mitglieder der Bochumer Maiabendgesellschaft, diese Veränderung notwendig geworden sind.

Voranzustellen ist zunächst, dass der Ablauf des Maiabendfestes nicht gänzlich verändert wird.
So bleibt der erstmals im Jahr 2008 veranstaltete westfälische Brauchtumsabend in seiner bisherigen Form grundsätzlich bestehen. Gleiches gilt ebenfalls für den ökumenischen Gottesdienst und dem Zapfenstreich am Freitag. Diese Veranstaltungen werden allerdings durch bisher nicht dagewesene Darstellungen verschiedener Gruppen, Stände und Besonderheiten im Ablauf sowie Lichtillustrationen aufgewertet werden.

Der Tag des Ausmarsches nach Harpen wird im Wesentlichen ebenfalls wie bisher ablaufen.
So wird dieser, wie bisher, am Samstagmorgen stattfinden. Der Ausmarsch nach Harpen und das Abholen der Eiche durch den Junggesellenhauptmann aus dem Bockholt wird zukünftig allerdings nicht den Schwerpunkt dieses Tages bilden, wie dieses bisher der Fall war. Die Hauptattraktion der zukünftigen Maiabendfeste wird der Einmarsch des Zuges in die Bochumer Innenstadt sein. Nach der Übergabe des Eichbaums soll dann den allen Teilnehmern des Zuges, den Gastvereinen, den Bochumer Bürgern und allen Freunden des Bochumer Maiabendfestes die Gelegenheit gegeben werden, das Bochumer Maiabendfest in der Bochumer Innenstadt gemeinsam zu feiern.
Am Sonntag werden dann zum Ausklang weitere Veranstaltungspunkte angeboten werden. Der Schwerpunkt wird hierbei auf Angebote für Familien und Kinder gelegt werden. Mit dem Sonntag wird das Bochumer Maiabendfest dann seinen Abschluss finden. Die einzelnen Programmpunkte werden rechtzeitig bekannt gegeben werden. Teilweise können diese bereits jetzt auf der Internetseite der Bochumer Maiabendgesellschaft eingesehen werden.

Die wesentliche Veränderung des Bochumer Maiabendfestes zu den Festen der Vorjahre besteht somit in der anderen Gewichtung des Marsches, der Ausweitung des Programmes und des Angebotes sowie der Feier des Maiabendfestes in der Bochumer Innenstadt und die Einbeziehung des Sonn-tags in den Ablauf des Festes.

Warum sind die Vorstehenden Veränderungen des Bochumer Maiabendfestes notwendig geworden?
Über mögliche Veränderungen bei der Durchführung des Bochumer Maiabendfestes wurde bereits in der Vergangenheit immer wieder nachgedacht. Der Anlass hierfür war, dass sich die Stärke des Zuges nach dem Ausmarsch aus der Stadt bereits in Höhe des Kirmesplatzes an der Castroper Straße erheblich dezimiert hat. Nach dem Erreichen des Parkplatzes der Stahlwerke reduzierte sich der Zug erneut.
In den Bockholt in Harpen marschierte daher nur noch ein Bruchteil der Ausmarschierer ein. Die Zahl der derer, die nach der Einholung des Eichbaums, zurück in die Bochumer Innenstadt marschierten machte dann nur noch einen verschwindend geringen Teil des ursprünglichen Zuges aus. In Bochum angekommen gaben die meisten Marschierer aufgrund der zurückgelegten Gesamtdistanz von ca. 18 km und der hierdurch verbundenen körperlichen Anstrengung meist ein bedauernswertes Bild ab. Nach der Übergabe des Eichbaums stand deshalb den Wenigsten der Sinn in der Innenstadt noch ein Fest zu feiern. Darüber hinaus konnten viele der anwesenden Besucher der Bochumer Innenstadt überhaupt nicht nachvollziehen, aus welchem Grund eine Gruppe müder Marschierer am Samstagnachmittag in die Bochumer Innenstadt einzog und von einem Teil auch noch einen Eichbaum getragen wurde. Dieses soll nun durch die Neuausrichtung geändert werden.
Der Schwerpunkt des Marsches ist nun der Einmarsch vom Kirmesplatz sowie ein Umzug durch die Bochumer Innenstadt. Unabhängig davon, dass der Zug auf Grund seiner Größe bereits ein ganz anderes Bild abgibt als dieses bei dem bisherigen Einmarsch in die Bochumer Innenstadt der Fall gewesen ist, wird durch die erhebliche Verkürzung des Marschweges wird das Bild derer, die in die Bochumer Innenstadt einmarschieren, ein völlig anderes sein. Die Frische und die Freude der Teilnehmer des Zuges, die bisher regelmäßig beim Ausmarsch am Samstagmorgen vorhanden gewesen ist und sich auf die Zuschauer am Straßenrand übertragen hat, soll jetzt die Rückkehr aus Harpen und den Einmarsch in die Bochumer Innenstadt und den Umzug durch die Stadt zu einem der Höhepunkte des Maiabendfestes werden lassen.
Nach dem Umzug durch die Stadt wird die Übergabe des Eichbaumes stattfinden und im Anschluss hieran wird sich die Feier des Maiabendfestes in der Bochumer Innenstadt anschließen. Durch diese Veränderung wird der ursprüngliche Gedanke des Bochumer Maiabendfestes wieder in den Vordergrund gerückt, nämlich das Feiern des Bochumer Maiabendfestes in Bochum mit seinen Bürgern, Gästen und Freunden. Hierzu werden zahlreiche Unterhaltungsprogramme und Veranstaltungen hauptsächlich auf den Bongardboulevard, aber auch an verschiedenen Plätzen innerhalb der Stadt angeboten werden. Der Schwerpunkt wird hierbei zunächst auf den Ursprung des Maiabendfestes und die damalige Zeit gelegt werden. Dieses Stück Geschichte ist aber nicht nur die des Maiabendfestes oder der Maiabendgesellschaft, sondern auch ein Stück der Geschichte Bochums.
Dieses Stück gemeinsame Tradition soll versucht werden den Bochumern aber auch den Gästen des Festes wieder näherzubringen. Die Bochumer sollen sich wieder gerne mit diesem Teil der Geschich-te Bochums und damit einem Teil auch ihrer Vergangenheit identifizieren können und auch wollen.
In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass zu diesem Zweck, Wahrung der Tradition Bochums, eine Kooperation der Bochumer Maiabendgesellschaft, dem VFL Bochum und der Bäckerei Koch geschlossen wurde. Ein Ziel dieses Zusammenschlusses ist es unter anderem, das durch einen Teil des Verkaufserlöses des eigens kreierten Backwerkes, des Brotes 1388, ein Beitrag zur geplanten Errichtung eines Kunstwerks, welches die Beckporte symbolisieren soll, geleistet werden kann. Hierdurch wollen die Kooperationspartner den Bochumer Bürgern einen Teil ihrer Geschichte zurückgeben.

Es wäre deshalb wünschenswert, wenn in nicht allzu ferner Zukunft das Maiabendfest von einem Großteil der Bevölkerung gemeinsam gefeiert werden würde und hierbei möglichst viele Gruppierungen aus den verschiedenen Stadtteilen Bochums, aber auch der Gastvereine an dem Einmarsch in die Innenstadt teilnehmen würden. Hierbei ist es den einzelnen Gruppen, Schulen, Kindergärten oder Vereinen selbst überlassen, wie sie sich in den Zug einbringen. Es kann z. B. dergestalt geschehen, dass sie mit selbstgebastelten Wa-gen oder mit einem eigenen Motto ihrer Gruppe einen Teil des Zuges bilden. Das Ziel der Bochumer Maiabendgesellschaft ist es lediglich Ausrichter zukünftiger Maiabendfeste zu sein. Die Gestaltung sollten jedoch die einzelnen Gruppen, Gäste und Vereine selbst vornehmen. Das dieses nicht kurzfristig möglich sein wird, ist der Bochumer Maiabendgesellschaft durchaus bewusst. Die dargestellte Umgestaltung des Maiabendfestes bietet jedoch eine Chance sowohl für die Maiabendgesellschaft als auch für Bochum ein traditionelles Fest in Zukunft feiern zu können.

 


Blau-weiß

Thomas Kuhn
für den Vorstand der Maiabendgesellschaft 1388 e.V.

622. Bochumer Maiabendfest
 
Sonntag 18. April 2010 · Kranzniederlegung / Fröndenberg
10.30 Uhr Abfahrt Kirmesplatz, Castroper Strasse
   
Donnerstag 22. April 2010 · Westfälischer Brauchtumsabend
Treffen der Gastvereine (Uniform) mit der Bochumer Bevölkerung
17.30 Uhr Eröffnung durch das Musikcorps Blau-Weiß Bochum 1956 e.V.
18.00 Uhr Begrüßung und Vorstellung des Junggesellenhauptmannes
und des Junggesellenadjutanten, anschließend Rundgang
über den Boulevard
18.30 Uhr Esther Münch (Waltraud Ehlert)
18.45 Uhr Musikcorps Blau-Weiß Bochum 1956 e.V.
19.00 Uhr -  
22.00 Uhr Musikprogramm auf der Bühne
   
Veranstaltungsort: Bongardboulevard (Kuhhirte)
   
   
Freitag 23. April 2010 · Großer Zapfenstreich
9.00 Uhr Eröffnung der historischen Stände
17.00 Uhr -  
19.30 Uhr Musikalische Unterhaltung am Kuhhirten
19.30 Uhr Ökumenischer Gottesdienst in der Propsteikirche
20.00 Uhr Platzkonzert mit der Bergmannskapelle am Kuhhirten
20.30 Uhr Festumzug von der Propsteikirche zum Bongardboulevard (Kuhhirte)
  Marschweg: Antreten Untere Marktstraße Propsteikirche Richtung Bleichstrasse – rechts in die Bleichstrasse –
links in die Massenbergstrasse – rechts in den Hellweg –
rechts in den Südring  – links in die Brüderstr. – rechts in
die Kortumstr. – links in den Südring – rechts in die
Viktoriastraße - rechts in  Bongardstr. – Bühne am
Kuhhirtendenkmal
21.00 Uhr Großer Zapfenstreich auf dem Boulevard (Kuhhirte)
   
Samstag 24. April 2010 · Ausmarsch nach Harpen
10.00 Uhr AufmarschENDE auf dem Rathausvorplatz und Begrüßung
durch Frau Oberbürgermeisterin Dr. Ottilie Scholz
10.15 Uhr Abmarsch nach Harpen
  Marschweg: Bongardstr. – links in die Kortumstr. –
echts in die Brückstraße – links in die Große Beckstrasse  –
Castroper Strasse – Harpener Hellweg – Maischützenstrasse.
11.00 Uhr Öffnung aller Stände auf dem Boulevard / Innenstadt (mittelalterlicher Markt bis zur Neuzeit)
12.00 Uhr Eintreffen des Zuges an der Grenze Bochum-Harpen
12.30 Uhr Eintreffen im Bockholt und Eichausgrabung. Anschließend Zinstalerauszahlung mit der Maischützenschule
(Bo-Maus-Bande) im Festzelt.
Mittagessen
14.00 Uhr Rückmarsch
  Marschweg: Maischützenstrasse – Harpener Hellweg – Castroper Strasse – links in den Gersteinring – rechts
auf dem Kirmesplatz.
15.00.Uhr Ankunft am Kirmesplatz, Castroper Str.
15.30 Uhr Großer Festumzug in die Innenstadt
  Marschweg: Castroper Straße – Große Beckstraße - rechts
in die  Brückstraße – links in die Kortumstrasse – links in
die Brüderstraße – rechts in den Südring – links in den
Hellweg – links in die Massenbergstraße – Marschspitze
geht bis Hans-Böckler-Str. Auflösung des Zuges.

Fahrzeuge (groß) fahren an der Massenbergstraße nach rechts aus dem Zug in Richtung Hbf.
Fahrzeuge (klein) fahren nach Auflösung des Zuges in Richtung Willy-Brand-Platz nach Hause.
(Marschweg ca. 3,4 km)
17.00 Uhr Abnahme der Parade und Begrüßung durch Esther Münch.
Übergabe des Eichbaumes an den Erwerber Firma Heintzmann.
18.00 Uhr -
22.00 Uhr
Großes Maiabendfest, mit musikalische Unterhaltung,
alle feiern Blau und Weiß
22.00 Uhr Höhenfeuerwerk über dem Boulevard
   
   
Sonntag 25. April 2010 · Kindertag mit der Maiabendgesellschaft
11.00 Uhr -
19.00 Uhr
Öffnung aller Stände auf dem Boulevard - Mitmachaktionen für Kinder
Musikalische Unterhaltung am Kuhhirten
   
Alle Angaben ohne Gewähr.
Zapfenstreich 2010
 
Die Rede des 1.Vorsitzenden Karl-Heinz Böke:

 

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Dr. Scholz,
Liebe Mitbürgerrinnen und Mitbürger,
Liebe Freunde des Maiabendfestes,
Liebe Maimädchen und Maikerls,
unser 622. Bochumer Maiabendfest geht mit einigen Veränderungen einher:
Veränderungen am Hergang und Geschehen selbst:
Es wird 1 Tag länger andauern, der sich dann den Kindern, unserem Nachwuchs widmen wird, und es werden nur die Bochumer Maischützen nach Harpen ziehen und sich anschließend mit den Gastvereinen auf dem Kirmesplatz treffen, um gemeinsam in die Bochumer Innenstadt zu ziehen. Diese äußerlichen Änderungen haben Kritik hervorgerufen, wohl mit der hintergründigen Annahme, dass durch selbige das Fundament unseres traditionsreichen Heimatfestes gelockert wird.Um dieser verständlichen, aber unberechtigten Kritik zu begegnen/aufzugreifen,  möchte ich einen Auszug der ersten drei Strophen des evangelischen Kirchenlieds "Vertraut den neuen Wegen" zitieren:

1. Vertraut den neuen Wegen, weil leben heißt: sich regen, weil Leben wandern heißt.
2. Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit!
3. Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit. Die Tore stehen offen, das Land ist hell und weit.

Ergänzend dazu möchte ich den Philosophen Heraklit von Ephesus zitieren:
"Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung". Dieser Aphorismus und die erste Strophe des Liedes illustrieren, dass Leben nicht beständig sein bedeutet, es ist mit Aufbruch verbunden und mit einem Weg. Und wie es Wege so an sich haben, führen sie weiter, führen zu etwas Anderem, Neuen hin und sollen dazu beitragen nicht auf einem starrem Punkt zu verharren. Diesen neuen Weg soll auch die Neukonzeption unseres Maiabendfestes gehen. Dieser Wandel bedeutet nicht, dass man seiner eigenen vorherigen Tradition ablehnend gegenüber steht, ganz im Gegenteil, das Bochumer Maiabendfest war schon immer ein identitätsstiftender Brauch und diente als alljährliches städtisches Fest als verbindendes Element der Stadt Bochum.
Doch man darf seine Augen vor der Wirklichkeit nicht verschließen: Es nehmen leider viele der Bochumer Bürger kaum noch Anteil an dieser Tradition. Und da das Wort Identität im Sinne dieses Brauches Gemeinschaft impliziert, müssen die Neugestaltungen dazu beitragen, dass die Attraktivität des Festes für mehr Bochumerinnen und Bochumer steigt. Dies erfordert, dass Bürgerinnen und Bürger mehr miteinbezogen werden, das ist die Intention des neuen Veranstaltungskonzepts, welches in ein mehrtätiges belebtes Stadtfest auf dem Bochumer Boulevard umgesetzt werden soll.
In Bezug auf die zweite Strophe des Liedes " Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit" appelliere ich an das Vertrauen der Maischützen und Freunde der Maiabendgesellschaft sich diesen Neuerungen gegenüber nicht zu verschließen. Es kann nur im Interesse aller sein, dass ein Brauch, der seit 622 Jahren existiert, nicht in Vergessenheit gerät über die Stufen der Nicht-Anteilnahme, der Gleichgültigkeit bis zur Ablehnung aufgrund einer Haltung, die Moderne und Brauchtum nicht mit sich vereinbaren lässt, so dass letzteres stirbt. Und die Gefahr, dass es diesen "neuen" aber verheerenden Weg nimmt, ist groß. Wenn in den eigenen Reihen nicht genügend Anteil an der Hochhaltung des Maiabendfestes genommen wird, so verwundert es auch nicht, dass es in den Augen anderer nicht die gebührende Anerkennung findet. Es ist doch erstaunlich, dass im Kulturhauptstadtjahr 2010 unser Heimatbrauch, der älteste in NRW, zunächst keinen Eingang in eine informative Broschüre oder Festschrift fand, somit das Maiabendfest in den Augen einiger nicht als Kulturbrauch aufgefasst wurde.Vor kurzem erst wurde es in einer zweiten Publikation anlässlich des Kulturhauptstadtjahres erwähnt, diese Aufführung war allerdings nicht nennenswert, nicht so wie es einem der wohl ältesten Bräuche gebührt. Heimat ist Kultur und Kultur ist Heimat. Es ist zu kurz und unweitsichtig gedacht unter den Begriff der Kultur, nur Theater, Konzerthäuser, also darstellende Künste und Musik, und bildende Künste zu fassen; dies ist scheinbar beim Kulturdezernenten in Bochum noch nicht angekommen; es mag daran liegen, dass der verantwortliche kein Bochumer ist. Es wäre ratsam gewesen sich genauer über die Bochumer Geschichte zu informieren.
"Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit. Die Tore stehen offen, das Land ist hell und weit."
Ich habe die Hoffnung, dass unser Fest erhalten bleibt und auch von kommenden Generationen zelebriert wird. Mögen auch Wandel und Veränderung geschehen, so betreffen diese doch nur einen äußeren Rahmen, der innerste Kern bleibt jedoch er selbst. Und das heißt: Das Legat des Grafen Engelbert zu erfüllen. Die Eiche von den Bochumern Maischützen aus Harpen zu holen, vor Dunkelheit hinter die Stadttore zu verbringen und aus dem Erlös ein Fest zu feiern und zwar mit allen Bochumern Bürger. Wandel und Veränderung bedeuten nicht einer alten Tradition abzuschwören oder diese zu negieren, nein, es bedeutet ganz im Gegenteil, dieser Tradition neu zu begegnen, die Veränderungen als Chance zu begreifen, als Chance besser wahrgenommen zu werden, als Chance auch in den Köpfen anderer Kreise in Zukunft als etwas Wesentliches und Sinnstiftendes betrachtet zu werden. Den Kritikern der inneren Reihen, die eine gewisse Änderungsimmunität an den Tag legen, möchte ich sagen, dass sie mit dem Sinngehalt ihres eigenen Liedguts nicht besonders vertraut zu sein scheinen:
"Es kann ja nicht immer so bleiben, hier unter dem wechselnden Mond"
Doch weil es nicht immer so bleibet, so haltet die Freundschaft recht fest,
…und auch dann sind wir immer noch die Bochumer Jungen".
Zum Schluss gestatten Sie mir noch ein Zitat von Joachim Ringelnatz:
Ein Rauch verweht, ein Wasser verrinnt, eine Zeit vergeht, eine neue beginnt.
Ich lade sie deshalb alle ein mit uns morgen Nachmittag gemeinsam unser Maiabendfest zu feiern.

Blau - Weiß

Nachbetrachtung zum 622. Maiabendfest im Jahr 2010

Das 622. Maiabendfest wurde im Rahmen des westfälischen Brauchtumsabends am 22.April 2010 eröffnet, auch wenn die Stände des mittelalterlichen Marktes entlang des Boulevards bereits früher geöffnet hatten und sich regen Interesses erfreuten.
Nachdem der Vorsitzende der Bochumer Maiabendgesellschaft, Herr Karl-Heinz Böke, und der Junggesellenhauptmann, Jean-Pascal Lohof, ihre Eröffnungsreden gehalten hatten, fand ein Rundgang über den mittelalterlichen Markt entlang des Boulevards statt.
Hierbei konnten die Teilnehmer Einblick in die mittelalterliche Handwerkskunst nehmen.
Parallel hierzu wurden die zahlreichen Besucher des westfälischen Brauchtumsabends durch Esther Münch, alias Waltraud Ehlert, auf der Bühne vor dem Kuhhirten unterhalten.

Am Morgen des 23. April 2010 fanden Stadtführungen für Schulklassen statt, bei welchen den Schülern die Geschichte Bochums nähergebracht wurde. Im Anschluss hieran besuchten sie dann den mittelalterlichen Markt und konnten an den verschiedenen Ständen das Handwerk des Mittelalters und das Leben im Mittelalter hautnah erleben. Die Schülerinnen und Schüler, aber auch deren Lehrer, waren von dem angebotenen Programm begeistert. Auf Grund der positiven Resonanz soll dieser Programmpunkt auch im Rahmen der folgenden Maiabendfeste als fester Bestandteil aufgenommen und noch ausgebaut werden.
Am Abend des 23. April 2010 fand dann um 19:30 Uhr der ökumenische Gottesdienst in der Probsteikirche und hiernach der Umzug durch die Innenstadt statt. Gegen 21:00  Uhr wurde schließlich auf der Bühne vor dem Kuhhirten zum Großen Zapfenstreich geblasen.

Am Samstag erfolgte der Ausmarsch vom Rathausplatz nach Harpen. An diesem nahmen die Bochumer Maiabendgesellschaft sowie einige Gastvereine teil. In Harpen eingetroffen, fand die Abnahme der Parade in diesem Jahr in abgespeckter Form in Höhe des alten Amtshauses statt. Schließlich im Bockholt angekommen, fiel die Begrüßung durch den Vorsitzenden des BSV Harpen deutlich kühler aus, als in den Jahren zuvor. Dieser konnte sich zudem der einen oder anderen Spitze in seiner Rede nicht enthalten, auch wenn er immer wieder betonte, nicht sticheln zu wollen. Pünktlich um 14:00 Uhr startete dann für die Marschierer der Rückmarsch zum Kirmesplatz.
In diesem Jahr bestand zudem erstmals die Möglichkeit einen Bustransfer in Anspruch zu nehmen. Hierfür hatte die BoGeStra Busse eingesetzt, die alle, welche den Rückmarsch nicht auf sich nehmen wollten, aus Harpen zum Kirmesplatz an der Castroper Straße brachten.
Der Kirmesplatz bildete den Sammelplatz für all diejenigen, die mit in die Innenstadt marschieren wollten.
Gegen 15:30 Uhr erfolgte von dort der Abmarsch in die Bochumer-Innenstadt. Es stellte sich schnell heraus, dass die Neuerung, dass der Einmarsch den Schwerpunkt des Marsches bildet, von der Bevölkerung und den Gästen des Maiabendfestes bereits im ersten Jahr angenommen wurde. Denn bereits an der Castroper Straße hatten sich viele Zuschauer eingefunden.
Als der Zug dann den Nordring passiert hatte und in die Große Beckstraße einmarschierte, bot sich den Marschierern ein Bild, das selbst die kühnsten Vorstellungen und Hoffnungen übertraf. Die Zuschauer standen dicht gedrängt am Straßenrand, dass die Bürgersteige nicht ausreichend breit waren und jubelten den Einmarschierern zu. Das Bild war überwältigend.
Nach dem Umzug durch die Innenstadt wurde der Zug an der Bühne vor dem Kuhhirten vorbeigeführt und jede teilnehmende Gruppe namentlich erwähnt. Auf Grund der Länge des Zuges nahm dieses einige Zeit in Anspruch.
Nachdem die letzten Teilnehmer vorgestellt waren und die Bühne passiert hatten, folgte die Ansprache des Vorsitzenden der Bochumer Maiabendgesellschaft, Herrn Karl-Hein Böke, der Oberbürger-meisterin, Frau Dr. Scholz, sowie des Junggesellenhauptmanns Jean-Pascal Lohof. Hiernach fand die Übergabe des Eichbaums an die Firma Heintzmann, ein altes traditionelles Bochumer Unternehmen, statt. Es schloss sich das musikalische Unterhaltungsprogramm an, welches bis ca. 22:00 Uhr andauerte. Um 22:00 Uhr bildete das Feuerwerk, dieses wurde von Dach des Hauses der Firma Lötte gezündet, den krönenden Abschluss eines gelungenen Tages, was allerdings nicht bedeutete, dass sich der Boulevard nun leerte. Es wurde noch bis in die Nacht weitergefeiert.

Der Sonntag stellte schließlich mit seinem Schwerpunkt für Familien und Kinder sowie einem musikalischen Unterhaltungsprogramm den Abschluss des diesjährigen Maiabendfestes dar.

Die große Anteilnahme der Gastvereine, der Bochumer Bevölkerung und der Gäste hat gezeigt, dass die Neuerungen im Ablauf des Festes durchweg angenommen worden sind.
Dem Einmarsch in die Bochumer-Innenstand ist durch die neue Schwerpunktsetzung nun die Bedeutung zugekommen, die er verdient.
Dieses dürfe der entscheidende Schritt gewesen sein, um den Bochumer Bürgern und den Freunden des Maiabendfestes zu verdeutlichen, dass es sich bei dem Maiabendfest um ein Bochumer Fest handelt, mit welchem sie sich auch identifizieren können und vor allem auch wollen.
Dass die neue Form des Maiabendfestes auf dem besten Weg dahin ist, eine feste Größe zu werden, wird zudem durch die Aussteller des mittelalterlichen Marktes bestätigt. Diese waren über die Reso-nanz und des Interesse der Besucher des Marktes derart positiv überrascht, dass sich die meisten von ihnen vorstellen können, das Bochumer Maiabendfest als einen feststehenden Termin vorzumer-ken und auch für die folgenden Jahre ihre Teilnahme zugesagt haben.
Es gab zwar hier und dort einige Dinge, die beim nächsten Maiabendfest besser gemacht oder verän-dert werden müssen. Dieses war jedoch auf Grund der Neugestaltung auch nicht anders zu erwarten.
Festzustellen ist jedoch, dass die Grundstruktur für das nächste Maiabendfest steht.


Für das 622. Maiabendfest gilt es nun noch Dank zu sagen.

Der Dank gilt zunächst den Besuchern des Festes, die die Straßen so zahlreich gesäumt haben, das selbst unsere Oberbürgermeisterin, Frau Dr. Scholz, den Einmarsch in die Bochumer –Innenstand und den Zug entlang der Bühne als „grandios“ bezeichnet hat.

Dank gilt aber auch den Mitgliedern der Bochumer Maiabendgesellschaft, welche durch ihren Einsatz und die tatkräftige Unterstützung dafür gesorgt haben, dass dieser Erfolg möglich geworden ist.
In diesem Zusammenhang ist besonders die Gruppe "Stadtwache Bochum 1388" hervorzuheben, die über den gesamten Zeitraum des Festes mit Ständen auf dem Boulevard vertreten gewesen ist, welche sie selbst besetzt hatte und daher doppelt beansprucht war.

Die Bochumer Maiabendgesellschaft bedankt sich zudem bei den Gastvereinen, die am diesjährigen Maiabendfest teilgenommen haben. Sei es, dass sie mit nach Harpen marschiert sind oder aber vom Kirmesplatz mit in die Bochumer-Innenstadt. Dieses insbesondere in dem Bewußtsein, dass es auch für sie nicht einfach gewesen ist auf die Umstrukturierung des Maiabendfestes zu reagieren. 

Last but not least ist auch der Agentur Life Event und hiermit verbunden Herr Christian Schonefeld zu nennen.
Dieser hat es durch seinen unermüdlichen Einsatz in den letzten Wochen möglich gemacht, dass die neue Ausrichtung des Fests tatsächlich umgesetzt werden konnte. Ohne die professionelle Begleitung wäre dieses überhaupt nicht möglich gewesen.

Ein dreifach kräftiges Blau-Weiß ist schließlich dem Wetter-Gott geschuldete, welcher sich für die Dauer des 622. Maiabendfestes als echter Maikerl herausgestellt hat.

Zum Schluss bleibt festzustellen, dass auf Grundlage des neuen Konzeptes des Maiabendfestes durchaus hoffnungsvoll in die Zukunft geblickt werden und die Bochumer Maiabendgesellschaft 1388 e.V. auf das 622. Maiabendfest mit Recht stolz sein kann.


Ein herzliches Blau-Weiß

Thomas Kuhn
Für den Vorstand der Bochumer Maiabendgesellschaft

Kranzniederlegung am Sarkophag Graf Engelbert III. in Fröndenberg

 

Traditionell fand auch in diesem Jahr die Kranzniederlegung am Sonntag vor dem Beginn der Feierlichkeiten zum jährlichen Maiabendfest, in diesem Jahr dem 622., in der Stiftskirche in Fröndenberg statt.
Hierzu waren zahlreiche Mitglieder der Bochumer Maiabendgesellschaft 1388 e.V. nach Fröndenberg gereist, um im Anschluss an den Umzug durch die Stadt Fröndenberg und einem Gottesdienst in der Stiftskirche, in welcher sich das Grab des Grafen Engelbert III. von der Mark befindet, dort zu seinem Gedenken einen Kranz niederzulegen.
Hieran schloss sich das ebenfalls schon traditionelle Mittagessen an, welches auch dieses Jahr wieder von dem Schützenverein der Stadt Fröndenberg organisiert worden war. Dieses zog sich bis in den Nachmittag hinein und bildete den Abschluss der diesjährigen Veranstaltung in Fröndenberg.

 

Die Rede des 1.Vorsitzenden Karl Heinz Böke in der Stiftskirche
 
Dieser Sonntag, der dem Gedenken des Grafen Engelbert und seiner Gemahlin – Stifter des Bochumer Maiabendfestes – gewidmet ist, geht vorüber, ohne dass er sich von anderen Tagen wesentlich unterschieden hätte.
Sind es die Sorgen der Gegenwart und die lastende Ungewissheit der Zukunft, die uns das jüngst Vergangene so fernrücken?
Oder hat uns die Zeit phrasenhafter Entwertung aller Begriffe mit ihrem hohlen Heldenkult auch noch um das letzte Besitztum betrogen: um die Erinnerung an seine Verstorbenen.
Mancher mag vielleicht auch denken, warum Christentum nur am Sonntag, warum ein bestimmter Tag des Gedenkens für die, die mit unserm Leben und Denken so eng verwoben sind, dass sie uns auf Schritt und Tritt begleiten — heute viel unlöslicher mit uns verbunden, als je in den Tagen gemeinsamen Alltags.
Wenn wir einmal ganz nüchtern den Sinn dieses Tages überdenken, dann, steigt in uns die Erkenntnis auf, dass der Tod zweierlei Bedeutung hat.
Einmal das individuelle Sterben eines Menschen, das Herausbrechen seines Lebens aus einem ganz bestimmten Wirkungskreis, aus dem Bereich seiner Familie und seiner besonderen Umgebung, und zum andern jenes Ungreifbare, darüber Hinausgehende, für das es keinen Begriff gibt und das doch in der Vorstellung aller Völker seit der Antike lebendig ist. Unsterblich ist die Rede des Perikles auf die gefallenen Athener, ewig gültig das Wort Heraklits:
„Die im Kriege Gefallenen sind bei Göttern und Menschen geehrt“; ungezählt bleiben die Worte der Bibel, die die Völker aller Epochen und Sprachen ihren gefallenen Kriegern zum Gedächtnis in Stein meißelten.
Für unsere menschliche Schwäche wird das immer nur fassbar sein durch die Liebe für eben den, um den wir im Besonderen trauern, weil er für uns den Zugang zu jener Welt bedeutet.
Vielleicht darum das Wort: „Selig sind die Leidtragenden"; jedenfalls ist darum das Trauern im Sinn des Gedenkens und mit dem Wunsch, den lebendigen Zusammenhang mit den Toten zu erhalten und zu vertiefen, so wichtig.
Ihr Tod ist nicht das letzte, was geschah, sondern er ist nur die Verwandlung eines scheinbar zerbrochenen Lebens in die Vollendung seines eigentlichen Wesens, auf einer höheren Ebene und in einem größeren Zusammenhang. So wie es in dem Requiem für einen Freund Rainer Maria Rilkes heißt:
Leben ist nur ein Teil... wovon? Leben ist nur ein Ton ... worin? Leben hat Sinn nur verbunden mit den vielen Kreisen des weithin wachsenden Raumes, Leben ist so nur der Traum eines Traumes, aber Wachsein ist anderswo.
Wir, von denen die meisten nach dem Krieg aufgewachsen sind, die wir in den Trümmern einer zusammenstürzenden Kulturepoche aufgewachsen sind, in der sich die alten Ordnungen auflösen und alle überlieferten Werte in Frage gestellt wurden, wir stehen mit leeren Händen in einer entzauberten Welt.
Opferbereitschaft, Heldentum, Ehre, Treue, das alles ist fragwürdig geworden, leer und schal, weil ein materialistisches Zeitalter diese Begriffe aus dem metaphysischen Zusammenhang, in dem allein ihnen Sinn zukommt, herausgelöst hat. Es ist nicht damit getan, neue Ideale neben die alten oder an ihre Stelle zu setzen, was allein notwendig ist, ist die geistige Wandlung des Menschen. Die Humanitas: das Bild, das der Mensch vom Mensch-Sein hat, muss von Grund auf erneuert werden. Das aber ist eine Forderung, die wir Lebenden aus eigener Kraft nicht zu bewältigen vermögen.
Und darum ist es richtig und notwendig, der Toten gemeinsam zu gedenken, im vollen Bewusstsein der Verantwortung die uns Überlebenden alle gleichermaßen auferlegt wurde. Aus solchem Gedenken muss die Kraft erwachsen, Hass in Liebe zu verwandeln und eine neue Ordnung im Geiste der Brüderlichkeit aufzubauen.