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Presseberichte 2001

Blau-Weiß äußert Mitgefühl

Die auf Halbmast gesetzten Flaggen waren nur äußeres Zeichen der Anteilnahme. Die Terroranschläge in den USA haben auch gestern das öffentliche Leben in Bochum stark beeinflusst. So bestätigte die Polizei stärkere Sicherheitsmaßnahmen für amerikanische und jüdische Einrichtungen. Details nannten die Beamten aus Sicherheitsgründen nicht.

Mit den Schreckensbildern von Dienstag wurde unterschiedlich umgegangen: Bei Opel standen gestern kurz die Bänder still, für eine Minute blieben Busse und Bahnen stehen, auf verschiedenen Veranstaltungen wurden Gedenkminuten eingelegt, erste Mahnwachen initiiert. Heute gehen die Solidaritätskundgebungen und der Zuspruch für die Terroropfer u.a. mit einer symbolischen fünfminütigen Arbeitsniederlegung, Andachten und Glockenläuten weiter.

Da vielen Menschen in Bochum nicht zum Feiern zumute war, wurden spontan gesellige Abende und Tanzveranstaltungen abgesagt. Der internationale Anästhesie-Kongress im Stadtparkrestaurant verzichtete auf sein spätes "Get together" mit Musik. Lieber wollte man "ruhiger und dezenter" zusammenkommen, berichtete Mitarbeiterin Gabriele Nicpon. "Die Disko fällt aus" , erklärte der Bahnhof Langendreer.

Die Diskotheken Playa und Tarm Center reagierten ebenso. Am Freitag und Samstag wird im Playa um "fünf vor zwölf" die Musik auf allen Ebenen ausgeschaltet. "Wir wollen der Opfer gedenken", sagte Geschäftsführer Klaus Appel. Schon heute Nacht wird es im Tarm-Center still werden, denn um 24 Uhr legt Inhaber Fabian Müller mit den Gästen eine Schweigeminute ein.

Die Maiabendgesellschaft sprach in einem Brief an den New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani ihr tiefes Mitgefühl aus. Die Blau-Weißen haben als Teilnehmer der Steubenparade eine besondere Beziehung zu New York. In dem Schreiben heißt es: "Wir hoffen, dass die Amerikaner die Kraft finden, diesem feigen Anschlag mit Besonnenheit zu begegnen."

Bei einigen Bochumern mischte sich in die Betroffenheit die konkrete Angst um Angehörige und Freunde. Generalmusikdirektor Steven Sloane erreichte die Nachricht von der Tragödie in den USA während der Proben. "Sofort habe ich versucht, meinen Bruder in New York zu erreichen, was nicht möglich war", so Sloane. "Stundenlang war ich in größter Sorge um ihn, bis er sich bei mir meldete".

An seinem Arbeitsplatz zurückerwartet wurde gestern auch Martin Horn. Der Schauspieler, der an einem künstlerischen Projekt in New York arbeitete, tauchte jedoch nicht auf. Schauspielhaus-Sprecherin Kirsten Herkenrath: "Inzwischen wissen wir über verschiedene Kanäle, dass es ihm gut geht". HvL/cko/dc

Quelle: Ruhr Nachrichten (Bochum)

Zwischen Beckporte und Harpen notiert

Nein, nichts kann die Maikerls aufhalten, wenn es einmal im Jahr ins Bockholt geht: Nicht das Wetter, nicht die Baustellen, schon gar nicht der MKS-Erreger, der Junggesellenhauptmann Thorsten Horn zwang, als einziger Hauptmann in der Geschichte den Weg selber zu marschieren. Aber zum ersten- und letztenmal, wie der Vorsitzende der Maiabendgesellschaft, Volker Protzel, ihm und den Bochumern versprach. Schließlich sei "der einzige Virus, den der Hauptmann verbreitet, der Maiabendvirus." Da lässt man sich doch gerne anstecken.

* * * Traditionen muss man hüten, wie das ehrwürdige Maiabendfest beweist, denn wie schnell sind sie vergessen oder verändert. Junggesellenhauptmann Thorsten Horn war auf dem besten Wege dazu, als er im WDR-Fernsehinterview das Fest auf das letzte Wochenende im Mai verlegte. Der Sender korrigierte (aus Traditionsbewusstsein?) das Datum jedoch, so dass wir uns auch im nächsten Jahr auf ein Maiabendfest Ende April freuen können.

* * * Oberbürgermeister Ernst-Otto Stüber erwies sich als echter Maikerl. Im Bockholt heftig bemitleidet ob seines durchnässten Zwirns: "Du bist ja nass bis auf die Haut", konterte das wetterfeste Stadtoberhaupt staubtrocken: "Wir Bochumer sind hart im Nehmen." Sprach`s und nahm knallhart die Eiche mit.

* * * Auch das Karneval-Urgestein Theodor "Schutzmann Theo" Kraushaar liebt das Maiabendfest. Und das in einer Art und Weise, dass es sogar dem Harpener Sonnenkönig Wilhelm Albert unheimlich wurde. Als die Majestät ihn mit Efeu bekränzte, übermannte die Rührung den wackeren Schutzmann, doch Monarch Wilhelm floh die Zärtlichkeiten: "Nicht küssen! Mensch, der liebt sogar mich!"

* * * Zu besonderer Hochform läuft der Schürenhöfer genannte Sonnenkönig Wilhelm immer dann auf, wenn es ums Veräppeln der erschöpft im Biwak ankommenden Bochumer geht. So fand er auch, der diesjährige Graf-Engelbert-Darsteller, Andreas Pilaczyk, passe gut zu dem jungen Baum im Bockholt. Schließlich sei der mittelgroße Mann im Goldhelm selber ein "Bonsai-Engelbert", werde sich aber wohl, wie die Eiche, noch entwickeln.PvD

Quelle: Ruhr Nachrichten (Bochum)


50 Jahre Gruppe "Lustige Jung`s"

Auch sie sind Zeugen einer stolzen Tradition - die Gruppe "Lustige Jung`s" in der 4. Kompanie der Bochumer Maischützen. Und das schon seit 50 Jahren.

Am Anfang waren es mit dem damaligen Fähnrich Werner Dammeier drei Bochumer Jungen, die den Entschluss fassten, auf eigene Faust als Maischützen mit nach Harpen zu ziehen. Kurz danach waren es bereits 29 und heute ist es eine stattliche Maischützenschar, die aus dem blau-weißen Bild in dieser Stadt nicht mehr wegzudenken ist. Zunächst noch zogen die Mitglieder als "Markaner" ins Bockholt. Ab dem 577. Maiabendfest aber steht den jeweiligen Junggesellenhauptleuten die Gruppe "Lustige Jung`s" zur Seite.

Seit 50 Jahren jetzt, so hat es Hauptmann Dirk Westerheide in der Festschrift festgehalten, treffen sich hier Blau-Weiße, die die über 600-jährige Tradition fortsetzen und pflegen - und auch wirklich Spaß daran haben. Das waren in der Tat 50 freudige Jahre, doch dabei soll auch nicht die viele Arbeit vergessen werden, die Gruppe immer wieder zu motivieren und zeitgemäße Ideen umzusetzen. Insgesamt aber 50 wichtige Jahre im Dienst der Bochumer Maiabendgesellschaft.

Im Sinne und zu Ehren der Maischützen betreuten die "Lustigen Jung`s" bis 1970 zur Weihnachtszeit die Waisenkinder aus den Bochumer Waisenhäusern. Was dann aber aufhörte, weil die Kinder die Gasträume zur Bewirtung im Vereinslokal nicht mehr aufsuchen durften. Besser dagegen entwickelte sich die Freundschaft zur Cochemer Bürgerwehr, mit der sich die Gruppe seit mehr als zwei Jahrzehnten trifft und die immer wieder gern gesehene Gäste im Traditionszug der Maischützen nach Harpen sind.

Quelle: Ruhr Nachrichten (Bochum)

"Sunne" an der Beckporte

Petrus muss ein Bochumer sein. Im hellen Sonnenschein trugen die Junggesellenschützen am Samstag ihre Eiche durch die Beckporte und erfüllten damit zum 613. Mal wortgetreu das Legat des Grafen Engelbert. Nicht nur bei irgendeinem grauen Tageslicht, wie im Kontrakt von 1388 festgelegt, sondern bei strahlend blau-weißem Himmel passierte das geehrte Gewächs den inneren Stadtring. "Sunne! Sunne!" hieß es unter der Beckporte - der Freudenschrei der Maikerls und -mädels entlohnte für die Strapazen des langen Marsches nach Harpen. Der hatte noch unter ganz anderen Wetterzeichen morgens auf dem Husemannplatz begonnen - da hatte nur Bochums Oberbürgermeister Ernst-Otto Stüber die Hoffnung, wenigstens in Harpen "blau-weißes Wetter" vorzufinden: "Maiabendfest heißt Ausmarsch, ob`s schneit, ob`s regnet. Auch Baustellen können uns nicht aufhalten" so der entschlossene OB augenzwinkernd, bevor er sich mit Junggesellenhauptmann Thorsten Horn an die Spitze des Zuges setzte.

Feucht aber fröhlich

Wacker schritten sie in den kühlen Sprühregen hinaus, der Hauptmann erstmals wie alle anderen auf eigenen Füßen, da die Hufe der Pferde auch in Bochum von der Klauenseuche bedroht sind - ein Novum im Traditionsmarsch. So wurden auch die flotten Kutschen von Traktoren gezogen, die Polizei eskortierte per Motorrad. Die heroische Entschlossenheit der den feuchten Naturgewalten trotzenden Schar brachte auch die Bürger auf die Beine: Die Polizei schätzte 40 000 Zuschauer entlang der Strecke zum Harpener Bockholt, die den durchweichten Tross enthusiastisch feierten.

Und der zeigte sich des in ihn gesetzten Vertrauens würdig. Das Wasser troff von den Lackmützen, rieselte in die Instrumente, fand seinen Weg in Schuhe und Kleidung, dennoch dachte keine der 97 teilnehmenden Gruppen an Umkehr oder an Mogelei, weder die Nordhäuser Trachtengruppe mit Hexe und Roland, noch die Skater des Stadtsportbundes. Lediglich Ministerpräsident und "Bochumer Jung" Wolfgang Clement drehte in Höhe der Stahlwerke auf der Castroper Straße um - die Eishockey-WM rief.

Der Rest stapfte mit klingendem Spiel unverdrossen weiter - und dann geschah das Wunder doch noch. Kurz vor dem Reich des Harpener Sonnenkönigs Wilhelm Albert, genannt Schürenhöfer, riss der Himmel auf, die Welt war wieder blau-weiß und also in Ordnung. Wenn sie auch im Schlamm versank. Das Bockholt zollte dem tagelangen Regen jetzt Tribut, wie auch so mancher Lackschuh und manche weiße Hose. Sonnenkönig Wilhelm war es daher ein persönliches Anliegen, den versammelten Heerbann der Bochumer wieder aufzubauen: "Ich verspreche euch, im nächsten Jahr wird alles besser."

Beim Sonnekönig

Ein Mann, ein Wort. Da konnte der Vorsitzende der Maiabendgesellschaft, Volker Protzel, auch gleich kurz und knapp zur Sache kommen, als er nach dem "Schwimmwettkampf" endlich das Podium erreichte: "Also Wilhelm: Wo ist die Eiche? Und wo ist die Suppe?" Der so Geforderte zierte sich nicht, rückte Baum und Suppe raus, jedoch nicht ohne angesichts des Überfalls der Bochumer Übermacht kleine Seitenhiebe zu verteilen. Erst mokierte sich der wettergewaltige Harpener über die sauberen Schuhe des Oberbürgermeisters, dann kriegte der Hauptmann sein Fett weg: "Das große Baby", so nannte ihn der Sonnenkönig liebevoll, sei "zum Mann, einem Pfundskerl" geworden, dem er gerne die Eiche aushändigen wolle.

Gesagt, getan, im Triumph trugen die Junggesellen die edle Pflanze zurück zur Innenstadt - jetzt bei prachtvollem Wetter und noch besserer Laune. Das sollte natürlich immer so sein und deshalb machte Volker Protzel, zurückgekehrt auf den Husemannplatz kurzen Prozess: "Wir werden diesen blau-weißen Himmel in Stein meißeln." Basta.

Nach der Pflicht die Kür: Mit der Versteigerung der drei Silbertaler für einen guten Zweck (Erlös: 1900 Mark) und der Aufführung des Streits um die Auszahlung der Zinstaler schlossen die Junggesellen ihr 613. Maiabendfest würdig ab. Wieder waren sie ihrem Hauptmann nach Harpen gefolgt, wieder hatten sie das Legat erfüllt und so den Eichbaum und eines der ältesten Heimatfeste in ein neues Jahrtausend überführt.PvD

Quelle: Ruhr Nachrichten (Bochum)